Ehrenamt. Das Wort klingt nach Sonntagmorgen-Gottesdienst und Kuchenbasaren. Ehrlich gesagt: nicht gerade sexy. Aber was wäre, wenn wir dir sagen, dass Freiwilligenarbeit einer der klügsten Karriereschritte ist, die du als Jugendlicher machen kannst? Dass Personalverantwortliche ehrenamtliches Engagement auf dem Lebenslauf lieben? Und dass du dabei Fähigkeiten lernst, die dir kein Klassenzimmer beibringen kann?
Willkommen in der Welt des Ehrenamts – wo du nicht nur anderen hilfst, sondern vor allem auch dir selbst. In Österreich engagieren sich rund 3,73 Millionen Menschen freiwillig – das ist fast die Hälfte der Bevölkerung über 15 Jahre. Und die Gründe dafür gehen weit über reinen Altruismus hinaus.
- 50,4 Prozent der 15- bis 29-Jährigen in Österreich sind freiwillig engagiert – das sind rund 740.000 junge Menschen
- Ehrenamtliches Engagement kann mit dem Freiwilligenpass offiziell dokumentiert werden
- 92,9 Prozent der Freiwilligen wollen anderen helfen, 91,8 Prozent haben Spaß dabei
- Freiwilligenarbeit dient der Berufsorientierung und vermittelt Soft Skills, die im Job gefragt sind
- Es gibt zahlreiche Programme speziell für Jugendliche – vom FSJ bis zum Europäischen Solidaritätskorps
- Ehrenamtliches Engagement wird bei Bewerbungen für Lehrstellen offiziell berücksichtigt
Warum Freiwilligenarbeit mehr ist als „nett sein“
Laut Bundeskanzleramt sind 50,4 Prozent der 15- bis 29-Jährigen in Österreich freiwillig engagiert – das sind rund 740.000 junge Menschen, die aktiv die Gesellschaft mitgestalten. Das ist eine beeindruckende Zahl und zeigt, dass junge Menschen sehr wohl bereit sind, sich einzusetzen. Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit einer Freiwilligenquote von 46 Prozent in der Gesamtbevölkerung sogar doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt von 23 Prozent.
Aber Freiwilligenarbeit ist längst nicht nur Altruismus. Sie ist eine der besten Möglichkeiten, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Freiwillige helfen nicht nur anderen – sie gewinnen auch selbst viel dazu: neue Erfahrungen, persönliche Weiterentwicklung, soziale Kontakte und nicht selten eine berufliche Orientierung. Besonders für junge Menschen kann ehrenamtliche Arbeit ein Sprungbrett in eine sinnstiftende Karriere sein.
Die Motive – warum Menschen sich engagieren
Laut Freiwilligenweb.at sind die wichtigsten Motive für freiwilliges Engagement:
- Anderen Menschen helfen: 92,9 Prozent
- Spaß am Engagement: 91,8 Prozent
- Etwas Nützliches zum Gemeinwohl beitragen: 84 Prozent
- Eigene Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen: 75 Prozent
Interessant ist auch: Bei Menschen in Ausbildung ist die Freiwilligenquote mit 52 Prozent sogar noch höher als bei Berufstätigen (46 Prozent). Das zeigt: Wer noch lernt und sich entwickelt, sucht besonders häufig nach Möglichkeiten, sich einzubringen und Erfahrungen zu sammeln.
Was du beim Ehrenamt lernst – und im Klassenzimmer nicht
Soft Skills, die im Job Gold wert sind
Die im Ehrenamt erworbenen Kompetenzen sind genau die, die Arbeitgeber am meisten suchen – die sogenannten Soft Skills. Untersuchungen zeigen, dass in der Freiwilligenarbeit speziell Verantwortungsbereitschaft, rhetorische Fähigkeiten, organisatorisches Talent, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten trainiert werden.
- Teamarbeit: Im Ehrenamt arbeitest du mit Menschen zusammen, die du dir nicht ausgesucht hast – genau wie später im Job. Du lernst, verschiedene Persönlichkeiten zu koordinieren, Kompromisse zu finden und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten
- Kommunikation: Ob mit älteren Menschen, Kindern, Geflüchteten oder anderen Freiwilligen – du lernst, dich auf verschiedene Gegenüber einzustellen. Diese Fähigkeit ist in jedem Beruf unbezahlbar
- Verantwortung: Wenn du dich für etwas engagierst, zählen andere auf dich. Das lehrt Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein – Eigenschaften, die jeder Arbeitgeber zu schätzen weiß
- Problemlösung: Im Ehrenamt läuft selten alles nach Plan. Du lernst, zu improvisieren und kreative Lösungen zu finden, wenn Ressourcen knapp sind oder unvorhergesehene Situationen auftreten
- Empathie: Die Arbeit mit Menschen in schwierigen Situationen schärft dein Einfühlungsvermögen. Du lernst, dich in andere hineinzuversetzen und ihre Perspektive zu verstehen
- Organisation: Events planen, Teams koordinieren, Projekte managen, Budgets verwalten – alles Fähigkeiten, die Arbeitgeber suchen und die du im Klassenzimmer kaum lernen kannst
- Stressresistenz: Bei Rettungseinsätzen, Großveranstaltungen oder in der Krisenhilfe lernst du, unter Druck einen kühlen Kopf zu bewahren
- Führungskompetenz: Viele Ehrenamtliche übernehmen schnell leitende Aufgaben – ob als Gruppenleiterin bei den Pfadfindern, als Einsatzleiterin beim Roten Kreuz oder als Projektverantwortliche bei einem Umweltprojekt
Berufsorientierung durch praktische Erfahrung
Du weißt noch nicht, was du beruflich machen willst? Freiwilligenarbeit ist eine hervorragende Möglichkeit, verschiedene Bereiche auszuprobieren – ohne langfristige Verpflichtung. Ob Sozialarbeit, Umweltschutz, Kultur, Rettungsdienst, Bildung oder Gesundheitswesen: Du lernst Berufsfelder von innen kennen und kannst testen, was dir liegt.
Viele junge Menschen entdecken durch ihr Ehrenamt erst ihre wahre Berufung. Die angehende Ärztin, die beim Roten Kreuz ihre Leidenschaft für die Notfallmedizin entdeckt. Der zukünftige Sozialarbeiter, der bei der Caritas merkt, wie viel ihm die Arbeit mit Menschen gibt. Die Umweltwissenschaftlerin, die beim Naturschutzbund ihre Begeisterung für den Artenschutz findet.
Wenn du generell nach Orientierung suchst, findest du in unserem Artikel Wie du herausfindest, was du beruflich wirklich willst weitere Tipps.
Wie Ehrenamt deine Karriere pusht
Im Lebenslauf
Personalverantwortliche sehen ehrenamtliches Engagement als starkes Signal: Dieser Mensch ist motiviert, engagiert und sozial kompetent. Besonders bei Bewerbungen für Ausbildungsplätze, Stipendien oder den ersten Job kann Freiwilligenarbeit den entscheidenden Unterschied machen. Zahlreiche Unternehmen berücksichtigen freiwilliges Engagement explizit bei Bewerbungen und sehen es als Zeichen von Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein.
Ehrenamt als Qualifikation bei der Lehrstellenbewerbung
Besonders wichtig für Jugendliche: Die Jobbörse der Republik Österreich berücksichtigt ehrenamtliche Tätigkeit offiziell im Rahmen der Bewerbung für Lehrstellen und den öffentlichen Dienst. Das bedeutet: Dein Engagement wird nicht nur wahrgenommen, sondern als echte Qualifikation anerkannt.
Der Freiwilligenpass
In Österreich gibt es den offiziellen Freiwilligenpass, mit dem die durch Freiwilligenarbeit erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten – insbesondere soziale Kompetenzen – dokumentiert und bestätigt werden können. Dieser Nachweis wurde im Rahmen des Österreichischen Freiwilligenrates entwickelt und ist seit 2012 im Freiwilligengesetz verankert. Seit 2019 gibt es ihn auch in digitaler Form.
Der Freiwilligenpass folgt dem Modell „Kompetenz + Beratung“ und erfasst Wissen, Fähigkeiten und praktische Kompetenzen, die durch freiwillige Arbeit erworben wurden. Du kannst ihn über freiwilligenpass.at in Zusammenarbeit mit deiner Freiwilligenorganisation ausfüllen und bestätigen lassen.
Tipp: Lass dir deine freiwillige Arbeit immer schriftlich bestätigen und nimm diese Zeugnisse in dein persönliches Portfolio auf!
Netzwerk aufbauen
Im Ehrenamt lernst du Menschen kennen, die du sonst nie getroffen hättest – aus verschiedenen Altersgruppen, Berufen und Hintergründen. Dieses Netzwerk kann später Gold wert sein: für Jobempfehlungen, Mentoring oder einfach guten Rat. Viele berufliche Chancen entstehen nicht durch Stellenanzeigen, sondern durch persönliche Kontakte – und ein starkes Netzwerk aufzubauen ist eine der wertvollsten Investitionen in deine Zukunft.
Die wichtigsten Bereiche des freiwilligen Engagements
Laut Freiwilligenweb.at engagieren sich die meisten Freiwilligen in folgenden Bereichen:
- Sport und Bewegung: 580.000 Freiwillige – das ist der größte Bereich
- Katastrophenhilfe und Rettungsdienste: 428.000 Freiwillige
- Religion und Kirche: 389.000 Freiwillige
- Politik und Interessenvertretung: 233.000 Freiwillige
- Bildung: 151.000 Freiwillige
- Kunst, Kultur und Freizeit
- Umwelt und Tierschutz
- Gesundheit und Soziales
- Gemeinwesenarbeit
Wo du dich engagieren kannst
Klassische Organisationen
- Rotes Kreuz: Rettungsdienst, Katastrophenhilfe, Erste-Hilfe-Kurse, Besuchsdienste. Besonders der Rettungsdienst ist bei Jugendlichen beliebt – hier lernst du medizinische Grundlagen und Teamarbeit unter Druck
- Freiwillige Feuerwehr: Besonders im ländlichen Raum eine wichtige Säule. Österreich hat über 250.000 freiwillige Feuerwehrleute – ohne sie wäre der Brandschutz in vielen Gemeinden nicht möglich
- Caritas: Soziale Arbeit, Obdachlosenhilfe, Flüchtlingsbetreuung, Katastrophenhilfe im In- und Ausland
- YoungCaritas: Speziell für junge Freiwillige mit eigenen Projekten, Aktionswochen und jugendgerechter Aufbereitung
- Naturschutzbund: Umwelt- und Naturschutzprojekte, Artenschutz, Biotoppflege
- Diakonie: Soziale Arbeit im evangelischen Bereich, Behindertenarbeit, Flüchtlingsbetreuung
Neue Formen des Engagements
- Mentoring-Programme: Organisationen wie Sindbad verbinden Jugendliche aus bildungsfernen Familien mit Mentorinnen und Mentoren – du kannst sowohl als Mentee als auch als Mentor teilnehmen
- Klimabewegung: Fridays for Future, System Change not Climate Change und andere Initiativen bieten vielfältige Möglichkeiten, sich für den Klimaschutz einzusetzen
- Nachbarschaftshilfe: Einkaufen für ältere Nachbarn, Nachhilfe für jüngere Kinder, Hundesitting für kranke Nachbarinnen – auch kleine Gesten zählen
- Online-Volunteering: Übersetzungen, Webdesign oder Social-Media-Betreuung für gemeinnützige Organisationen – von zu Hause aus. Ideal für alle, die wenig Zeit haben oder in ländlichen Gegenden wohnen
- Flüchtlingshilfe: Deutschunterricht, Behördenbegleitung, Freizeitgestaltung – hier ist der Bedarf besonders groß und die Arbeit besonders bereichernd
Spezielle Programme für Jugendliche
- Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ): Ein 10- bis 11-monatiger Dienst in einer sozialen Einrichtung. Du erhältst ein Taschengeld von 168 Euro monatlich plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld, bist voll versichert und bekommst sogar das KlimaTicket Österreich. Das FSJ gibt es seit 1968 und kann auch als Zivildienstersatz gemacht werden
- Freiwilliges Umweltjahr (FUJ): Ähnlich wie das FSJ, aber im Umweltbereich. Ideal für alle, die sich für Natur- und Klimaschutz interessieren
- Europäisches Solidaritätskorps: Freiwilligenprojekte im europäischen Ausland, vollfinanziert. Eine einmalige Möglichkeit, andere Länder und Kulturen kennenzulernen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun
- Gedenkdienst: Arbeit an Gedenkstätten und Holocaust-Museen im Ausland – eine besonders intensive und prägende Erfahrung
- aha plus (Vorarlberg): 12- bis 24-Jährige sammeln Punkte für ihr Engagement, die gegen Anerkennungen und Gutscheine eingetauscht werden können. Ein innovatives Modell, das Engagement sichtbar und greifbar macht
Wie du das richtige Ehrenamt findest
- Frag dich, was dich interessiert: Menschen helfen? Tiere schützen? Umwelt retten? Kultur fördern? Kinder betreuen? Sport vermitteln? Es gibt für jedes Interesse das passende Ehrenamt
- Überlege, wie viel Zeit du hast: Manche Organisationen brauchen regelmäßiges Engagement, andere freuen sich über Hilfe bei einzelnen Events. Sei realistisch – es bringt niemandem etwas, wenn du dich übernimmst
- Schau dich in deiner Umgebung um: Oft gibt es direkt vor deiner Haustür Möglichkeiten – im Sportverein, in der Gemeinde, bei der Feuerwehr, in der Pfarre oder im Jugendzentrum
- Nutze Plattformen: Auf freiwilligenweb.at findest du Freiwilligenzentren in ganz Österreich, die dich beraten und vermitteln. Auch Plattformen wie Social Held oder Where2help helfen bei der Suche
- Besuche eine Freiwilligenmesse: In mehreren Bundesländern finden jährlich Freiwilligenmessen statt. Die Wiener Freiwilligenmesse findet jeden Herbst im Rathaus statt und bietet einen hervorragenden Überblick über die Möglichkeiten
- Probiere aus: Du musst dich nicht sofort langfristig binden. Viele Organisationen bieten Schnuppertage oder einzelne Einsätze an. Teste verschiedene Bereiche, bevor du dich festlegst
Ehrenamt und Schule – geht das zusammen?
Ja – wenn du es smart angehst. Ehrenamtliches Engagement neben Schule oder Ausbildung erfordert gutes Zeitmanagement. Laut dem 8. Bericht zur Lage der Jugend geben 41 Prozent der Jugendlichen an, dass sie neben ihrem Beruf auch Zeit für soziales Engagement haben möchten. Es ist also nicht nur möglich, sondern auch weit verbreitet. Ein paar Tipps:
- Fang klein an: Starte mit wenigen Stunden pro Monat und steigere dich, wenn es passt. Lieber regelmäßig zwei Stunden als einmal zehn und dann gar nicht mehr
- Kommuniziere offen: Sag deiner Organisation Bescheid, wenn es in der Prüfungszeit weniger sein muss. Seriöse Organisationen haben Verständnis dafür
- Wähle weise: Wähle ein Ehrenamt, das dir Energie gibt statt welche zu rauben. Wenn du nach einem Einsatz erschöpft, aber zufrieden bist, hast du das Richtige gefunden
- Nutze Synergien: Verwende die im Ehrenamt gelernten Fähigkeiten für Schulprojekte und Referate. Dein Vortrag über Erste Hilfe wird deutlich überzeugender, wenn du beim Roten Kreuz aktiv bist
- Dokumentiere dein Engagement: Führe ein kleines Tagebuch oder mach Fotos. Das hilft nicht nur beim Freiwilligenpass, sondern auch bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen
Wenn du mit der Balance zwischen Schule und Freizeit kämpfst, findest du in unserem Artikel Schulstress und Prüfungsangst hilfreiche Strategien.
Ehrenamt und Recht – was du wissen solltest
In Österreich gibt es seit 2012 das Freiwilligengesetz, das den rechtlichen Rahmen für ehrenamtliches Engagement bildet. Hier die wichtigsten Punkte:
- Ab wann: Ehrenamtliches Engagement ist grundsätzlich ab 14 Jahren möglich, bei manchen Organisationen auch früher. Für das FSJ musst du mindestens 17 (in Ausnahmefällen) oder 18 Jahre alt sein
- Versicherung: Seriöse Organisationen versichern ihre Freiwilligen gegen Unfälle. Frag bei der Anmeldung nach dem Versicherungsschutz
- Keine Arbeitsverhältnis: Ehrenamt ist kein Arbeitsverhältnis. Das bedeutet, du hast keinen Anspruch auf Mindestlohn, aber auch keine arbeitsrechtlichen Pflichten
- Aufwandsentschädigung: Manche Organisationen zahlen eine Aufwandsentschädigung (z.B. Fahrtkosten). Diese ist bis zu einem bestimmten Betrag steuerfrei
- Zivildienstersatz: Sowohl das FSJ als auch das FUJ können als Zivildienstersatz angerechnet werden und dauern dafür mindestens zehn Monate
Was die Politik tun kann – und was sie bereits tut
Es gibt seit langem das Anliegen, dass ehrenamtliches Engagement mehr Anerkennung und Unterstützung erfahren soll. Das Bundeskanzleramt betont: „Ohne freiwilliges Engagement wäre die in Österreich bestehende Vielfalt der Jugendarbeit kaum vorstellbar.“
Konkret gibt es bereits:
- Den jährlichen Staatspreis für herausragende Freiwilligeninitiativen
- Finanzielle Unterstützung durch das Bundes-Jugendförderungsgesetz
- Das Freiwilligenweb als zentrale Informationsplattform
- Regelmäßige Erhebungen zur Freiwilligentätigkeit durch Statistik Austria (zuletzt im ersten Quartal 2025)
Gefordert werden darüber hinaus: mehr Anerkennung im Bildungssystem, bessere steuerliche Rahmenbedingungen und mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für engagierte Jugendliche. Auch mehr Mitbestimmung für Jugendliche wird gefordert – denn wer sich engagiert, will auch mitgestalten. Mehr dazu in unserem Artikel Jugendliche und Politik – warum deine Stimme zählt.
Ehrenamt international – Erfahrungen im Ausland sammeln
Freiwilligenarbeit muss nicht an den österreichischen Grenzen enden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich international zu engagieren und dabei interkulturelle Erfahrungen zu sammeln, die dein ganzes Leben bereichern werden:
- Europäisches Solidaritätskorps: Das EU-Programm finanziert Freiwilligenprojekte in ganz Europa – Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld werden übernommen. Du kannst zwei bis zwölf Monate in einem anderen europäischen Land arbeiten und leben. Die Projekte reichen von Umweltschutz über Sozialarbeit bis hin zu Kulturprojekten
- Gedenkdienst: An Holocaust-Gedenkstätten und Museen weltweit arbeiten junge Österreicherinnen und Österreicher, um die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten. Eine besonders intensive und prägende Erfahrung, die auch als Zivildienstersatz anerkannt wird
- Friedensdienst: Arbeit in Friedens- und Konfliktlösungsprojekten im Ausland – eine Möglichkeit, aktiv zum Frieden beizutragen
- Sozialdienst im Ausland: Soziale Projekte in Entwicklungsländern oder in europäischen Partnerorganisationen
Besonders das Europäische Solidaritätskorps ist für junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren eine einmalige Chance: Du lernst eine neue Sprache, tauchst in eine andere Kultur ein und sammelst Erfahrungen, die dich persönlich und beruflich enorm weiterbringen. Arbeitgeber schätzen internationale Erfahrungen sehr – sie zeigen Flexibilität, Offenheit und Selbstständigkeit.
Digitales Ehrenamt – Engagement von zu Hause aus
Nicht jeder hat die Möglichkeit, regelmäßig vor Ort zu sein. Die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Möglichkeiten, sich digital zu engagieren. Das sogenannte Online-Volunteering oder digitale Ehrenamt bietet flexible Optionen für alle, die wenig Zeit haben oder in ländlichen Gegenden ohne große Organisationen wohnen:
- Webdesign und Programmierung: Viele gemeinnützige Organisationen brauchen Hilfe bei ihrer Website, ihren Apps oder ihren Datenbanken
- Social Media Management: Du bist fit auf Instagram, TikTok oder YouTube? Gemeinnützige Organisationen suchen dringend Menschen, die ihre Social-Media-Kanäle betreuen
- Übersetzungen: Wenn du mehrsprachig bist, kannst du Texte für internationale Organisationen übersetzen
- Online-Nachhilfe: Plattformen wie die digitalen Lernhilfe-Angebote verschiedener Organisationen vermitteln ehrenamtliche Online-Tutoren an Schülerinnen und Schüler
- Telefondienst und Chatberatung: Bei Organisationen wie Rat auf Draht oder der Telefonseelsorge kannst du nach entsprechender Schulung Menschen in Krisensituationen helfen
Erfahrungsberichte – was Jugendliche über ihr Ehrenamt sagen
Viele Jugendliche, die sich ehrenamtlich engagieren, berichten von ähnlichen Erfahrungen. Hier die häufigsten positiven Effekte, die junge Freiwillige nennen:
- „Ich weiß jetzt, was ich werden will“: Viele Jugendliche finden durch ihr Ehrenamt ihre berufliche Richtung – ob im sozialen, medizinischen, technischen oder kreativen Bereich
- „Ich habe echte Freundschaften geschlossen“: Die gemeinsame Arbeit an einem sinnvollen Ziel schweißt zusammen und schafft tiefe Verbindungen
- „Ich bin selbstbewusster geworden“: Wer Verantwortung übernimmt und sieht, dass er oder sie einen Unterschied machen kann, wächst über sich hinaus
- „Im Vorstellungsgespräch konnte ich mich abheben“: Ehrenamtliche Erfahrungen sind die perfekten Beispiele, wenn nach Teamarbeit, Problemlösung oder Eigeninitiative gefragt wird
Fazit – tu Gutes und rede darüber
Ehrenamt ist kein verstaubtes Konzept aus Omas Zeiten. Es ist eine der klügsten Investitionen in dich selbst. Du hilfst anderen, lernst dabei Dinge, die dich beruflich und persönlich weiterbringen, und baust ein Netzwerk auf, das dir ein Leben lang nützt. Mit dem Freiwilligenpass kannst du dein Engagement offiziell dokumentieren, und bei Bewerbungen für Lehrstellen wird es sogar als Qualifikation anerkannt.
Und das Beste: Es fühlt sich gut an. Wirklich gut. Zu wissen, dass du einen Unterschied machst – egal wie klein – ist ein Gefühl, das kein Gehaltscheck ersetzen kann. 92,9 Prozent der Freiwilligen sagen, sie wollen anderen helfen, und 91,8 Prozent sagen, sie haben Spaß dabei. Das ist eine Kombination, die du in kaum einem anderen Bereich findest.
Also: Such dir etwas, das dich begeistert, und leg los. Ob beim Roten Kreuz, bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Caritas, im Sportverein oder bei einem Mentoring-Programm – die Möglichkeiten sind endlos. Die Welt braucht dein Engagement. Und du wirst überrascht sein, wie viel du dabei zurückbekommst.