Ein Foto von dir taucht in einem Gruppenchat auf – mit einem gemeinen Kommentar darunter. Innerhalb von Minuten haben es hundert Leute gesehen. Gelacht. Weitergeleitet. Du sitzt in deinem Zimmer, starrst auf dein Handy und fühlst dich, als würde dir der Boden unter den Füßen weggezogen. Das Schlimmste: Du kannst es nicht einfach ignorieren, denn es ist überall – auf Instagram, WhatsApp, TikTok. Es hört nicht auf, wenn du nach Hause gehst. Es folgt dir überallhin.
Willkommen in der Realität von Cybermobbing. Einer Realität, die viel mehr Jugendliche betrifft, als die meisten denken.
- 17 Prozent der österreichischen Jugendlichen waren schon Opfer von Cybermobbing
- Die häufigsten Plattformen: Instagram (56%), TikTok (43%), Facebook (36%)
- Seit 2016 ist Cybermobbing in Österreich ein eigener Straftatbestand (Paragraph 107c StGB)
- Wichtigste SofortMaßnahme: Nicht antworten, Beweise sichern, Kontakte blockieren
- Rat auf Draht (147), Saferinternet.at und der Opfernotruf (0800/112 112) helfen kostenlos
Was ist Cybermobbing?
Cybermobbing – auch Cyberbullying genannt – ist das absichtliche und wiederholte Belästigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Ausgrenzen einer Person über digitale Medien. Es unterscheidet sich vom normalen Mobbing in einem entscheidenden Punkt: Es hat keine Pause. Während klassisches Mobbing endet, wenn du das Schulgebäude verlässt, folgt dir Cybermobbing nach Hause, in dein Zimmer, in dein Bett. Es ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche präsent.
Formen von Cybermobbing:
- Beschimpfungen und Beleidigungen: Gemeine Nachrichten, Hasskommentare, Drohungen
- Bloßstellen: Private Fotos, Videos oder Informationen werden ohne Zustimmung veröffentlicht
- Ausgrenzung: Bewusstes Ausschließen aus Gruppenchats oder Online-Aktivitäten
- Identitätsdiebstahl: Fake-Profile erstellen, um jemanden zu blamieren
- Stalking: Ständiges Überwachen, Verfolgen und Kontaktieren gegen den Willen der Person
- Happy Slapping: Körperliche Übergriffe werden gefilmt und online verbreitet
- Sexting-Missbrauch: Intime Bilder werden ohne Zustimmung weitergeleitet
Die Zahlen in Österreich
Laut einer Umfrage unter österreichischen Jugendlichen waren 17 Prozent schon einmal Opfer von Cybermobbing. 10 Prozent gaben an, selbst als Täter Erfahrungen gemacht zu haben, und 42 Prozent haben Cybermobbing bei anderen mitbekommen.
Laut der EU-Kids-Online-Studie waren in Österreich 28 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 17 Jahren schon einmal als Opfer, Täter oder Unterstützer in Cybermobbing involviert. In der HBSC-Studie gibt bereits mehr als ein Drittel der befragten Schüler an, in den vergangenen Monaten Opfer von Bullying-Attacken gewesen zu sein.
Die häufigsten Plattformen für Cybermobbing: Instagram (56 Prozent), TikTok (43 Prozent) und Facebook (36 Prozent). Am häufigsten findet es im schulischen Umfeld statt.
Warum Cybermobbing so schädlich ist
Cybermobbing ist nicht weniger schmerzhaft als Körperliches Mobbing – in mancher Hinsicht sogar schlimmer. Denn:
- Es gibt kein Entkommen: Du kannst dein Handy ausschalten, aber die Inhalte bleiben online. Andere sehen sie weiterhin
- Die Reichweite ist enorm: Ein gemeiner Post kann innerhalb von Minuten Hunderte oder Tausende Menschen erreichen
- Die Anonymität senkt die Hemmschwelle: Hinter einem Bildschirm sagen Menschen Dinge, die sie dir ins Gesicht nie sagen würden
- Es wird dokumentiert: Screenshots, weitergeleitete Nachrichten – das Internet vergisst nicht
- Dauerhafte psychische Folgen: Depression, Angstzustände, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, in schweren Fällen Suizidgedanken
Wenn du unter den psychischen Folgen leidest, findest du in unserem Artikel Mental Health – warum es okay ist, sich mal nicht okay zu fühlen weitere Unterstützung.
Was tun, wenn du betroffen bist? – Soforthilfe
1. Nicht antworten
Laut onlinesicherheit.gv.at sollten Betroffene auf bösartige Nachrichten oder Postings nicht antworten. Die Verantwortlichen könnten sich durch eine rasche, emotionale Reaktion bestärkt fühlen. So schwer es auch fällt: Nicht reagieren ist der wichtigste erste Schritt.
2. Beweise sichern
Bevor du etwas löschst oder blockierst: Mache Screenshots. Notiere das Datum, die Uhrzeit und möglichst viele Informationen zum Profil der Täterin oder des Täters. Diese Beweise können später wichtig sein – für die Schule, für die Polizei oder für eine Beratungsstelle.
3. Kontakte blockieren
Unerwünschte Kontakte können auf Social Media in den Privatsphäre-Einstellungen gesperrt werden. Rufnummern kannst du direkt am Handy blockieren. Du hast jedes Recht, dich von toxischen Kontakten abzuschirmen.
4. Inhalte melden
Nutze die Melden-Funktion der jeweiligen Plattform. Instagram, TikTok, WhatsApp und Co. haben alle Möglichkeiten, Inhalte als Belästigung oder Mobbing zu melden. Die Plattformen sind verpflichtet, gemeldete Inhalte zu prüfen.
5. Hilfe holen
Rede mit jemandem – Eltern, Freunden, Lehrern oder einer Beratungsstelle. Du musst das nicht allein durchstehen. Cybermobbing ist kein Problem, das du selbst lösen musst – es ist ein Problem, bei dem andere dir helfen können und sollen.
Die Rolle der Schule
Am häufigsten findet Cybermobbing im schulischen Umfeld statt. Schulen haben die Pflicht, gegen Mobbing vorzugehen. Das Bundesministerium für Bildung bekennt sich zu einer Null-Toleranz-Politik gegen Gewalt in der Schule. Seit 2008 wird die Nationale Strategie zur schulischen Gewaltprävention umgesetzt.
Was du von deiner Schule erwarten kannst:
- Ernst genommen zu werden, wenn du Cybermobbing meldest
- Dass die Schule Maßnahmen ergreift – Gespräche mit den Beteiligten, ElternGespräche, gegebenenfalls DisziplinarMaßnahmen
- Zugang zu schulpsychologischer Beratung
- Präventionsprogramme und Aufklärung im Unterricht
Wenn deine Schule nicht reagiert, wende dich an die Bildungsdirektion oder an eine der unten genannten Beratungsstellen.
Was du als Zeuge tun kannst
42 Prozent der Jugendlichen haben Cybermobbing bei anderen mitbekommen. Wenn du Zeuge wirst:
- Schau nicht weg: Schweigen wird von Tätern als Zustimmung gewertet
- Unterstütze das Opfer: Eine private Nachricht wie „Hey, ich hab gesehen was passiert ist. Brauchst du jemanden zum Reden?“ kann einen riesigen Unterschied machen
- Leite nichts weiter: Jeder, der gemeine Inhalte weiterleitet, trägt zur Verbreitung bei – auch wenn er oder sie es „nur lustig“ findet
- Melde die Inhalte: Auch als Zeuge kannst du Beiträge melden
- Informiere Erwachsene: Wenn es ernst wird, hol Hilfe – auch wenn das „uncool“ erscheint. Es kann das Richtige sein
Die psychischen Folgen von Cybermobbing
Die Auswirkungen von Cybermobbing auf die psychische Gesundheit sind gravierend und wissenschaftlich gut dokumentiert. Betroffene Jugendliche leiden häufig unter:
Angst und Depression
Studien zeigen, dass Opfer von Cybermobbing ein drei- bis fünfmal höheres Risiko haben, an Depressionen oder Angststörungen zu erkranken. Das ständige Gefühl, beobachtet, bewertet und angegriffen zu werden, versetzt das Nervensystem in einen dauerhaften Alarmzustand. Betroffene ziehen sich zurück, meiden soziale Kontakte und verlieren das Interesse an Aktivitäten, die ihnen früher Freude bereitet haben.
Schlafstörungen
Viele Betroffene können nachts nicht schlafen, weil sie grübeln oder Angst haben, was morgens auf ihrem Handy wartet. Der ständige Stress führt zu Einschlaf- und Durchschlafproblemen, die den Teufelskreis aus Erschöpfung und psychischer Belastung weiter verschärfen. Mehr zum Thema Schlaf findest du in unserem Artikel über Schlafprobleme bei Jugendlichen.
Schulische Leistungseinbrüche
Wenn der Kopf voll ist mit Angst und Sorgen, bleibt kein Platz für Mathe oder Englisch. Viele Betroffene erleben einen deutlichen Leistungsabfall, schwänzen die Schule oder entwickeln eine regelrechte Schulangst. Manche wechseln sogar die Schule, um den Tätern zu entkommen – was das Problem aber nicht immer löst, weil online keine räumliche Distanz existiert.
Selbstverletzendes Verhalten und Suizidgedanken
In schweren Fällen kann Cybermobbing zu selbstverletzendem Verhalten oder sogar Suizidgedanken führen. Das ist kein übertriebenes Alarmschlagen – internationale Studien belegen den Zusammenhang zwischen Cybermobbing und erhöhtem Suizidrisiko bei Jugendlichen eindeutig. Wenn du solche Gedanken hast, such dir sofort Hilfe: Rat auf Draht (147) ist rund um die Uhr erreichbar.
Cybermobbing und Recht – was das Gesetz sagt
Seit dem 1. Jänner 2016 ist Cybermobbing in Österreich als eigener Straftatbestand im Strafgesetzbuch verankert. Der Paragraph 107c StGB – „Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems“ – sieht Strafen von bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe vor.
Aber auch andere Gesetze können bei Cybermobbing greifen:
- Paragraph 111 StGB – Üble Nachrede: Wer jemanden vor anderen einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung beschuldigt, macht sich strafbar
- Paragraph 115 StGB – Beleidigung: Beschimpfungen und Herabwürdigungen sind strafbar
- Paragraph 107a StGB – Beharrliche Verfolgung (Stalking): Wer jemanden beharrlich über elektronische Medien verfolgt und kontaktiert
- Paragraph 120a StGB – Unbefugte Bildaufnahmen: Das Fotografieren oder Filmen ohne Zustimmung in geschützten Bereichen
- Recht am eigenen Bild (ABGB): Niemand darf Fotos oder Videos von dir ohne deine Zustimmung veröffentlichen, wenn deine berechtigten Interessen verletzt werden
Wichtig zu wissen: Auch Minderjährige können ab dem 14. Lebensjahr strafrechtlich verfolgt werden. Wer glaubt, als Teenager strafrechtlich unangreifbar zu sein, irrt sich.
Die Rolle der Eltern
Eltern spielen eine entscheidende Rolle beim Umgang mit Cybermobbing – sowohl in der Prävention als auch in der Krisensituation. Leider reagieren viele Eltern falsch, nicht aus böser Absicht, sondern weil sie selbst überfordert sind.
Was Eltern NICHT tun sollten
- Das Handy wegnehmen: Das bestraft das Opfer, nicht den Täter. Außerdem verliert das Kind seinen wichtigsten Kommunikationskanal und fühlt sich noch isolierter
- Die Sache herunterspielen: Sätze wie „Stell dich nicht so an“ oder „Das geht vorbei“ sind Gift. Sie vermitteln dem Kind, dass seine Gefühle nicht ernst genommen werden
- Ohne Absprache handeln: Eltern, die ohne Wissen des Kindes die Schule oder andere Eltern kontaktieren, können die Situation verschlimmern. Das Kind verliert das Vertrauen und erzählt beim nächsten Mal vielleicht nichts mehr
- Die Täter konfrontieren: Direkte Konfrontation mit den Tätern oder deren Eltern eskaliert die Situation meist
Was Eltern tun sollten
- Zuhören und ernst nehmen: Das Kind spüren lassen, dass es gehört wird und dass seine Gefühle berechtigt sind
- Gemeinsam Beweise sichern: Zusammen Screenshots machen und die Vorfälle dokumentieren
- Gemeinsam über nächste Schritte entscheiden: Das Kind einbeziehen, damit es sich nicht bevormundet fühlt
- Professionelle Hilfe suchen: Beratungsstellen können sowohl dem Kind als auch den Eltern helfen
- Präventiv aufklären: Regelmäßig und offen über Online-Sicherheit sprechen, ohne zu kontrollieren oder einzuschränken
Warum werden Menschen zu Cybermobbing-Tätern?
Hinter Cybermobbing stecken oft komplexe Ursachen. Das entschuldigt das Verhalten nicht, hilft aber, es zu verstehen und besser dagegen vorzugehen:
- Gruppendynamik: In einer Gruppe trauen sich Menschen Dinge, die sie allein nie tun würden. Der Wunsch, dazuzugehören, kann dazu führen, dass Jugendliche mitmachen, obwohl sie wissen, dass es falsch ist
- Eigene Unsicherheit: Wer andere kleinmacht, fühlt sich kurzfristig größer. Viele Täter haben selbst ein geringes Selbstwertgefühl und versuchen, es durch die Abwertung anderer zu kompensieren
- Mangelnde Empathie: Hinter einem Bildschirm ist es leicht, zu vergessen, dass am anderen Ende ein Mensch mit Gefühlen sitzt. Die Distanz senkt die Hemmschwelle erheblich
- Eigene Mobbingerfahrungen: Manche Täter waren selbst einmal Opfer und verarbeiten ihre Erfahrungen, indem sie andere zum Opfer machen
- Langeweile: So banal es klingt – manche Jugendliche mobben andere, weil ihnen langweilig ist und sie die Reaktionen als Unterhaltung empfinden
Digitale Zivilcourage – das Internet braucht mehr Mut
Cybermobbing funktioniert nur, wenn die Mehrheit schweigt. Jeder Like unter einem gemeinen Post, jedes Lachen über ein peinliches Foto, jedes Weiterleiten einer beleidigenden Nachricht macht die Sache schlimmer. Aber auch jedes Nicht-Reagieren wird als stille Zustimmung gewertet.
Digitale Zivilcourage bedeutet, auch online für andere einzustehen. Das erfordert Mut – aber weniger, als du denkst. Schon ein einfacher Kommentar wie „Hey, das ist nicht okay“ unter einem gemeinen Post kann die Dynamik verändern. Denn Täter rechnen damit, dass niemand widerspricht. Wenn jemand es tut, schließen sich oft andere an.
Organisationen wie Saferinternet.at bieten Workshops und Materialien an, die Jugendlichen helfen, digitale Zivilcourage zu entwickeln. Je mehr Menschen den Mut haben, online für andere einzustehen, desto weniger Raum bleibt für Cybermobbing.
Prävention – so schützt du dich
- Privatsphäreneinstellungen checken: Überprüfe regelmäßig, wer deine Beiträge sehen und dich kontaktieren kann
- Vorsicht bei persönlichen Informationen: Teile nichts online, was du nicht auch an eine Pinnwand in der Schule hängen würdest
- Starke Passwörter: Schütze deine Accounts, damit niemand dein Profil kapern kann
- Denke nach, bevor du postest: Auch ein „lustiger“ Kommentar kann jemanden verletzen
- Sprich offen über das Thema: Je mehr darüber geredet wird, desto weniger können Täter im Verborgenen agieren
Hilfsangebote in Österreich
- Rat auf Draht: 147 – kostenlos, anonym, rund um die Uhr erreichbar. Telefon, Chat und Peer-to-Peer-Beratung
- Opfernotruf: 0800/112 112 – kostenlose Beratung für Opfer von Straftaten
- Saferinternet.at: Umfassende Informationen und Materialien zum sicheren Umgang mit dem Internet
- Internet Ombudsstelle: Hilft bei der Entfernung unerwünschter Online-Inhalte
- Polizei: 059-133 – bei schweren Fällen Anzeige erstatten
- Telefonseelsorge: 142 – österreichweite anonyme Beratung
- Schulpsychologischer Dienst: Kostenlos und anonym an deiner Schule
Was Cybermobbing-Täter wissen sollten
Wenn du diesen Artikel liest und weißt, dass du selbst andere online mobbst: Hör auf. Sofort. Was dir vielleicht wie ein harmloser Scherz vorkommt, kann für die betroffene Person verheerend sein.
Und: Es hat Konsequenzen. Cybermobbing ist seit 2016 strafbar. Du riskierst eine Anzeige, Schulverweis und einen Eintrag, der dich noch Jahre später verfolgen kann.
Wenn du merkst, dass du andere mobbst und nicht aufhören kannst, such dir selbst Hilfe. Auch hinter aggressivem Verhalten stecken oft eigene Probleme. Rat auf Draht (147) ist auch für dich da.
Cybermobbing in Zeiten von KI und Deepfakes
Ein besorgniserregender Trend macht Cybermobbing noch gefährlicher: Künstliche Intelligenz. Mit frei verfügbaren KI-Tools können mittlerweile täuschend echte Deepfake-Videos und -Bilder erstellt werden. Das bedeutet: Jemand kann dein Gesicht auf Bilder oder Videos montieren, die du nie gemacht hast – und sie als echt verbreiten.
In Österreich und international häufen sich Fälle, in denen KI-generierte intime Bilder von Mitschülern erstellt und verbreitet werden. Die psychischen Folgen für die Betroffenen sind verheerend – sie müssen sich nicht nur gegen Mobbing wehren, sondern auch gegen Inhalte, die aussehen wie echt, aber komplett gefälscht sind.
Rechtlich ist die Lage klar: Auch das Erstellen und Verbreiten von Deepfakes kann strafrechtlich relevant sein, insbesondere wenn damit Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Trotzdem hinkt die Strafverfolgung der Technologie hinterher. Umso wichtiger ist es, dass du weißt, wie du Deepfakes erkennst – mehr dazu in unserem Artikel über Deepfakes und KI-Bilder.
Langfristige Heilung – der Weg nach dem Mobbing
Wenn das Cybermobbing aufhört, heißt das nicht, dass alles sofort gut ist. Viele Betroffene tragen die Erfahrungen noch lange mit sich. Das ist normal und kein Zeichen von Schwäche.
Der Heilungsprozess braucht Zeit und oft auch professionelle Unterstützung. Psychotherapie kann helfen, die Erlebnisse zu verarbeiten und das beschädigte Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. In Österreich wird Psychotherapie für Kinder und Jugendliche von den Krankenkassen bezuschusst oder vollständig übernommen.
Auch der Aufbau neuer, positiver Erfahrungen ist ein wichtiger Teil der Heilung. Neue Hobbys, neue Freundschaften, neue Erfolge – all das hilft, die negativen Erfahrungen in einen größeren, positiveren Kontext einzuordnen. Du bist nicht das, was andere über dich sagen. Du bist das, was du aus deinem Leben machst.
Einige Betroffene entscheiden sich, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen – in Schulvorträgen, auf Blogs oder in sozialen Medien. Das kann nicht nur anderen Betroffenen Mut machen, sondern auch bei der eigenen Verarbeitung helfen. Aus einer schmerzhaften Erfahrung kann so etwas Positives entstehen.
Fazit – du bist nicht allein und du bist nicht schuld
Wenn du von Cybermobbing betroffen bist, denke daran: Du hast nichts falsch gemacht. Die Schuld liegt bei den Tätern, nicht bei dir. Und du musst da nicht allein durch.
Hol dir Hilfe. Sprich mit jemandem. Sichere Beweise. Und lass dich nicht kleinkriegen. Die Menschen, die dich online fertigmachen wollen, sind es nicht wert, dass du darunter leidest.
Du bist stärker als ein gemeiner Post. Du bist mehr als ein Screenshot. Und du verdienst es, sicher und respektvoll behandelt zu werden – online und offline.
Cybermobbing ist ein gesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft. Ob als Opfer, als Zeuge oder als Mensch, der online unterwegs ist – wir alle tragen Verantwortung dafür, dass das Internet ein sicherer Ort bleibt. Jede Nachricht, die wir schreiben, jeder Kommentar, den wir hinterlassen, jedes Foto, das wir teilen, hat Auswirkungen auf reale Menschen mit realen Gefühlen. Wenn wir das nie vergessen, wird das Internet zu einem besseren Ort für alle.