Dein erstes Bewerbungsgespräch. Die Hände schwitzen, der Mund ist trocken, und im Kopf rasen tausend Gedanken: „Was soll ich sagen? Was soll ich anziehen? Was, wenn die mich was fragen, das ich nicht weiß?“ Keine Sorge – so geht es fast allen beim ersten Mal. Und die gute Nachricht: Die meisten Fehler, die Bewerber machen, sind vermeidbar. Du musst sie nur kennen.
Wir haben mit Personalverantwortlichen gesprochen, Studien ausgewertet und die häufigsten Patzer gesammelt – damit du sie nicht machst. In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du nicht nur, was du falsch machen kannst, sondern vor allem, wie du es richtig machst. Mit konkreten Beispielen, Checklisten und Tipps, die speziell auf junge Bewerber in Österreich zugeschnitten sind.
- Vorbereitung ist der wichtigste Faktor – wer sich über das Unternehmen informiert, hat einen riesigen Vorteil
- Der erste Eindruck zählt: Pünktlichkeit, gepflegtes Erscheinungsbild und ein fester Händedruck
- Authentizität schlägt Perfektion – sei du selbst statt eine Rolle zu spielen
- Eigene Fragen zeigen Interesse und heben dich von anderen Bewerbern ab
- Übung macht den Meister – übe das Gespräch vorher mit Freunden oder Familie
- Ein Bewerbungsgespräch ist keine Prüfung, sondern ein gegenseitiges Kennenlernen
Warum das Bewerbungsgespräch so wichtig ist
Dein Lebenslauf hat die erste Hürde genommen – Glückwunsch! Aber das Bewerbungsgespräch ist der entscheidende Moment. Hier entscheidet sich, ob du den Job, die Lehrstelle oder das Praktikum bekommst. Laut karriere.at wollen Personalverantwortliche im Gespräch herausfinden, ob Bewerber und Unternehmen zusammenpassen. Dafür müssen sie dich kennenlernen – und das geht nur, wenn du dich zeigst.
Studien zeigen, dass Personalverantwortliche sich häufig innerhalb der ersten 90 Sekunden einen ersten Eindruck bilden. Das heißt nicht, dass danach alles egal ist – aber es zeigt, wie wichtig der Einstieg ins Gespräch ist. Gute Vorbereitung nimmt dir die Nervosität und gibt dir die Sicherheit, die du brauchst.
Und vergiss nicht: Ein Bewerbungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Du findest dort genauso heraus, ob der Job zu dir passt. Es ist ein Kennenlernen auf Augenhöhe. Die Arbeiterkammer betont, dass Bewerber keine Angst vor dem Vorstellungsgespräch haben müssen – mit der richtigen Vorbereitung kann jeder überzeugen.
Der typische Ablauf eines Bewerbungsgesprächs
Bevor wir zu den Fehlern kommen, ist es hilfreich zu wissen, wie ein Bewerbungsgespräch normalerweise abläuft. Wenn du den Ablauf kennst, fühlst du dich sicherer und kannst dich gezielter vorbereiten.
Phase 1: Begrüßung und Smalltalk
Die ersten Minuten dienen dem Warmwerden. Man begrüßt sich, nimmt Platz, und es gibt ein paar lockere Worte – zum Beispiel über die Anreise oder das Wetter. Das ist kein Test, sondern soll eine angenehme Atmosphäre schaffen. Trotzdem: Sei schon hier freundlich, aufmerksam und offen.
Phase 2: Vorstellung des Unternehmens
Oft stellt der Gesprächspartner zuerst das Unternehmen und die zu besetzende Stelle vor. Hör aufmerksam zu und mache dir gegebenenfalls Notizen. Das zeigt Interesse und gibt dir Material für eigene Fragen am Ende.
Phase 3: Selbstpräsentation
Jetzt bist du dran. Die Frage „Erzählen Sie etwas über sich“ ist fast unvermeidlich. Bereite eine Kurzvorstellung von 60 bis 90 Sekunden vor, die deine wichtigsten Stationen, Fähigkeiten und deine Motivation zusammenfasst.
Phase 4: Fragen und Antworten
Der Hauptteil des Gesprächs: Hier werden dir Fragen zu deiner Qualifikation, deiner Motivation und deiner Persönlichkeit gestellt. Antworte ehrlich, mit konkreten Beispielen und in ganzen Sätzen.
Phase 5: Deine Fragen
Am Ende hast du die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Nutze diese Chance unbedingt – dazu später mehr.
Phase 6: Verabschiedung
Das Gespräch wird zusammengefasst, nächste Schritte werden besprochen, und ihr verabschiedet euch. Auch hier zählt der Eindruck, den du hinterlässt.
Fehler 1: Keine Vorbereitung
Der größte und häufigste Fehler überhaupt. Du hast keine Ahnung, was das Unternehmen macht, welche Produkte oder Dienstleistungen es anbietet und was deine Aufgaben wären? Das ist ein absolutes Ausschlusskriterium. Personalverantwortliche merken sofort, wenn sich jemand nicht vorbereitet hat – und es gibt kaum etwas, das unprofessioneller wirkt.
Mangelhafte Vorbereitung ist der mit Abstand häufigste Grund für eine Absage nach dem Bewerbungsgespräch. Wer sich dagegen gut informiert hat, strahlt automatisch mehr Selbstsicherheit und Kompetenz aus. Die Vorbereitung ist auch deshalb so wichtig, weil sie dir hilft, relevante Verbindungen zwischen deinen Fähigkeiten und den Anforderungen der Stelle herzustellen.
So machst du es richtig:
- Besuche die Website des Unternehmens und lies die „Über uns“-Seite gründlich durch
- Schau dir die Social-Media-Kanäle an – das gibt dir ein Gefühl für die Unternehmenskultur und aktuelle Projekte
- Lies die Stellenanzeige nochmal gründlich und überlege, warum du zu den Anforderungen passt
- Bereite Antworten auf typische Fragen vor („Warum möchtest du bei uns arbeiten?“, „Was sind deine Stärken?“)
- Überlege dir mindestens drei eigene Fragen, die du am Ende stellen kannst
- Recherchiere aktuelle Nachrichten über das Unternehmen – Expansion, neue Produkte, Auszeichnungen
- Verwende die STAR-Methode (Situation, Task, Action, Result) für konkrete Beispiele aus deinem Leben
Fehler 2: Zu spät kommen – oder viel zu früh
Zu spät zu einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen wirkt unprofessionell und signalisiert mangelnde Wertschätzung. Es zeigt dem Arbeitgeber, dass du die Sache nicht ernst nimmst – selbst wenn du eine gute Entschuldigung hast. Aber auch viel zu früh zu kommen – 30 Minuten vor dem Termin – kann unangenehm sein, weil es den Gesprächspartner unter Druck setzt und den Zeitplan des Unternehmens durcheinanderbringt.
In Österreich, wo Pünktlichkeit als besonders wichtige Tugend gilt, ist dieses Thema nicht zu unterschätzen. Personalverantwortliche werten Unpünktlichkeit häufig als Zeichen für mangelnde Zuverlässigkeit – eine Eigenschaft, die in keinem Job erwünscht ist.
So machst du es richtig:
- Plane die Anreise großzügig ein – rechne mit Verspätungen bei Öffis oder Stau
- Fahre die Strecke am besten vorher einmal ab, damit du den Weg kennst
- Komme 5 bis 10 Minuten vor dem Termin an – nicht früher, nicht später
- Wenn du zu früh bist, geh noch eine Runde um den Block oder trink einen Kaffee in der Nähe
- Falls du trotz allem zu spät kommst: Ruf an, entschuldige dich kurz und nenne einen realistischen Zeitpunkt
- Plane bei Anreise mit dem Auto auch genügend Zeit für die Parkplatzsuche ein
Fehler 3: Falsches Outfit
Es müssen nicht immer Sakko oder Hosenanzug sein. Aber Jogginghose, zu kurze Röcke, verschwitzte Shirts oder zerschlissene Sneakers sind ein absolutes No-Go. Die Kleidung sollte zum Job passen, sauber und ohne Löcher sein – auch die Schuhe. Denn das Outfit ist ein Teil der nonverbalen Kommunikation und sagt viel über deine Einstellung zum Gespräch aus.
Eine Faustregel, die immer funktioniert: Kleide dich eine Stufe formeller als der Dresscode im Unternehmen. Wenn du dir unsicher bist, frag vorab in der Personalabteilung nach oder schau auf der Website und den Social-Media-Kanälen, wie die Mitarbeiter gekleidet sind.
So machst du es richtig:
- Büro, Bank, Versicherung: Eher formell – Hemd oder Bluse, ordentliche Hose oder Rock, saubere geschlossene Schuhe
- Handwerk und Gastro: Smart Casual – ordentlich, aber nicht overdressed. Eine saubere Jeans mit einem netten Oberteil ist oft passend
- Kreativbranche: Zeige deinen Stil, aber bleibe professionell und gepflegt
- IT und Tech: Business Casual ist meist ausreichend, aber sauber und ordentlich
- Generell: Im Zweifel lieber etwas overdressed als underdressed. Achte auf Körperhygiene, gepflegte Haare und saubere Fingernägel
- Lege die Kleidung am Abend vorher raus und prüfe, ob alles sauber und bügelfrei ist
- Verzichte auf aufdringliches Parfüm oder Aftershave – dezent ist besser
Fehler 4: Schlechte Körpersprache
Dein Körper redet, auch wenn dein Mund schweigt. Kommunikationsforschung zeigt, dass mehr als die Hälfte der zwischenmenschlichen Kommunikation nonverbal stattfindet. Nervös mit dem Stuhl wippen, keinen Blickkontakt halten, die Arme verschränken oder am Handy spielen – all das sendet negative Signale, die deine Worte untergraben können.
Besonders bei jungen Bewerbern fällt auf, dass viele aus Nervosität zu schnell sprechen, den Blickkontakt meiden oder eine zusammengesunkene Haltung einnehmen. All das lässt sich mit ein wenig Übung deutlich verbessern.
So machst du es richtig:
- Händedruck: Fest, aber nicht schmerzhaft. Blickkontakt dabei halten und freundlich lächeln. Der Händedruck ist oft das Erste, was dein Gegenüber von dir wahrnimmt
- Sitzen: Aufrecht, leicht nach vorne gelehnt zeigt Interesse. Nicht zusammensacken, aber auch nicht verkrampft steif sitzen
- Blickkontakt: Schau deinem Gegenüber in die Augen – nicht starren, aber regelmäßig Blickkontakt halten. Bei mehreren Gesprächspartnern alle einbeziehen
- Gestik: Ruhige, offene Gesten unterstreichen deine Worte. Vermeide es, nervös mit Stiften, Haaren oder Kleidung zu spielen
- Mimik: Ein natürliches, freundliches Lächeln wirkt sympathisch und aufgeschlossen
- Handy: Ausschalten oder lautlos stellen. Nicht auf den Tisch legen. Am besten in der Tasche lassen
- Stimme: Sprich ruhig und deutlich. Nicht zu leise und nicht zu laut. Pausen sind erlaubt und wirken souverän
Fehler 5: Einsilbige Antworten
„Ja.“ „Nein.“ „Weiß ich nicht.“ – Solche Antworten sind der Tod jedes Gesprächs. Personalverantwortliche wollen dich kennenlernen, und das gelingt nur, wenn du etwas von dir erzählst. Einsilbige Antworten signalisieren entweder Desinteresse oder mangelnde Vorbereitung – beides ist schlecht.
Das Gegenteil ist allerdings genauso problematisch: Endlose Monologe, die am Thema vorbeigehen, nerven den Gesprächspartner. Die Kunst liegt in der Mitte – Antworten, die informativ und konkret sind, ohne auszuufern. Eine gute Antwort dauert in der Regel 30 bis 90 Sekunden.
So machst du es richtig:
- Antworte in ganzen Sätzen und gib Beispiele aus deinem Leben
- Nutze die STAR-Methode: Beschreibe die Situation, deine Aufgabe, deine Aktion und das Ergebnis
- Statt nur „Ja, ich bin teamfähig“ zu sagen, erzähle eine kurze Geschichte: „In meinem letzten Schulprojekt habe ich mit drei anderen zusammengearbeitet. Wir mussten eine Präsentation erstellen und ich habe die Koordination übernommen. Am Ende haben wir die beste Note bekommen.“
- Übe vorher laut, über dich selbst zu sprechen – vielen fällt das am Anfang schwer
- Wenn du eine Frage nicht verstehst, frag nach. Das ist besser als eine zusammenhangslose Antwort
- Bereite dir für jede deiner Stärken mindestens ein konkretes Beispiel vor
Fehler 6: Über frühere Arbeitgeber lästern
Auch wenn an deiner früheren Arbeitsstelle oder deinem Praktikum nicht alles perfekt war: Negatives über den alten Chef oder Kollegen zu erzählen wirkt unprofessionell und illoyal. Der Personalverantwortliche denkt sich: „Wird er oder sie auch so über uns reden, wenn es hier mal nicht läuft?“ Das ist ein massiver Vertrauensbruch, noch bevor das Arbeitsverhältnis überhaupt begonnen hat.
Das gilt auch für die Schule, Lehrer oder Ausbilder. Selbst wenn die Erfahrungen negativ waren – im Bewerbungsgespräch ist nicht der richtige Ort, um sich darüber zu beschweren. Wer professionell mit schwierigen Situationen umgehen kann, zeigt Reife und Charakter.
So machst du es richtig:
- Sprich neutral über frühere Erfahrungen und fokussiere dich auf das Positive
- Betone, was du gelernt hast, statt was schiefgelaufen ist
- Statt: „Mein Chef war ein Tyrann“ sage: „Ich habe gemerkt, dass mir ein wertschätzendes Arbeitsumfeld wichtig ist – und genau das schätze ich an Ihrem Unternehmen“
- Wenn du nach dem Grund für einen Wechsel gefragt wirst, nenne berufliche Gründe: „Ich suche neue Herausforderungen“ oder „Ich möchte mich in einem anderen Bereich weiterentwickeln“
- Bleib sachlich und fair – auch wenn es dir schwerfällt
Fehler 7: Stärken und Schwächen nicht kennen
Die Frage „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ kommt in fast jedem Bewerbungsgespräch. Wer darauf keine Antwort hat oder behauptet, keine Schwächen zu haben, wirkt unvorbereitet oder unehrlich. Personalverantwortliche wollen mit dieser Frage nicht herausfinden, ob du perfekt bist – sie wollen sehen, ob du dich selbst einschätzen kannst und an dir arbeitest.
Besonders junge Bewerber tun sich mit dieser Frage oft schwer. Einerseits wollen sie sich nicht selbst schlecht machen, andererseits klingen Antworten wie „Ich bin zu perfektionistisch“ abgedroschen und unglaubwürdig. Der Schlüssel liegt in der Ehrlichkeit – gepaart mit dem Nachweis, dass du an deinen Schwächen arbeitest.
So machst du es richtig:
- Bereite 2 bis 3 echte Stärken vor, die zum Job passen, und belege sie mit konkreten Beispielen
- Nenne eine ehrliche Schwäche – aber eine, an der du aktiv arbeitest. Zum Beispiel: „Ich bin manchmal zu detailversessen und verliere den Überblick, aber ich lerne gerade, Prioritäten zu setzen und mit To-Do-Listen zu arbeiten“
- Sage nie: „Ich habe keine Schwächen“ – das glaubt dir niemand und es wirkt arrogant
- Vermeide Pseudo-Schwächen wie „Ich arbeite zu viel“ – das durchschauen Personaler sofort
- Wähle Schwächen, die nicht direkt mit den Kernanforderungen der Stelle zusammenhängen
Wenn du an deinem Selbstbewusstsein für solche Situationen arbeiten willst, findest du hilfreiche Tipps in unserem Artikel Selbstbewusstsein aufbauen.
Fehler 8: Arroganz oder übertriebene Unsicherheit
Beides ist problematisch: Wer sich übermäßig selbst lobt, unrealistische Gehaltsvorstellungen äußert oder den Eindruck erweckt, der Job sei unter seinem Niveau, kommt arrogant rüber. Wer sich dagegen kleinmacht, alles infrage stellt, sich ständig entschuldigt und jede Antwort mit „Ich weiß nicht, ob das richtig ist, aber…“ einleitet, wirkt unsicher und wenig überzeugend.
Der goldene Mittelweg heißt: selbstbewusste Bescheidenheit. Du weißt, was du kannst, und zeigst es auch – aber du übertreibst nicht und bleibst lernbereit. Diese Balance zu finden ist besonders für junge Bewerber eine Herausforderung, da sie oft wenig Berufserfahrung haben und sich deswegen unwohl fühlen.
So machst du es richtig:
- Sei authentisch – das ist der goldene Mittelweg zwischen Selbstbewusstsein und Bescheidenheit
- Betone deine Stärken und zeige gleichzeitig, dass du lernbereit bist
- Statt: „Das kann ich alles schon perfekt“ sage: „Ich habe bereits Erfahrung damit und freue mich, noch mehr zu lernen“
- Statt: „Ich kann das wahrscheinlich nicht so gut“ sage: „Das ist ein Bereich, in dem ich mich weiterentwickeln möchte“
- Erinnere dich: Das Unternehmen hat dich zum Gespräch eingeladen – sie sehen also Potenzial in dir
- Nervosität ist völlig normal und menschlich. Die meisten Personalverantwortlichen wissen das und berücksichtigen es
Fehler 9: Keine eigenen Fragen stellen
Am Ende jedes Bewerbungsgesprächs kommt die Frage: „Haben Sie noch Fragen?“ Wer dann „Nein, eigentlich nicht“ sagt, vergibt eine riesige Chance. Eigene Fragen zeigen echtes Interesse am Unternehmen und an der Stelle, sie geben dir gleichzeitig wichtige Informationen und sie heben dich von Mitbewerbern ab, die keine Fragen vorbereitet haben.
Gute Fragen zeigen, dass du mitdenkst, dass du dich vorbereitet hast und dass du dir ernsthaft Gedanken über deine Zukunft in dem Unternehmen machst. Gleichzeitig bekommst du Informationen, die dir helfen, zu entscheiden, ob der Job wirklich zu dir passt.
Gute Fragen, die du stellen kannst:
- „Wie sieht ein typischer Arbeitstag in dieser Position aus?“
- „Welche Einarbeitungsphase ist vorgesehen und wer wird mich einarbeiten?“
- „Was macht für Sie einen guten Mitarbeiter in dieser Position aus?“
- „Wie würde mein Team aussehen und mit wem würde ich zusammenarbeiten?“
- „Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es im Unternehmen?“
- „Was wäre der größte Erfolgsfaktor in den ersten sechs Monaten?“
- „Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?“
- „Gibt es Möglichkeiten, sich intern weiterzuentwickeln?“
Fragen, die du NICHT stellen solltest (zumindest nicht im ersten Gespräch):
- „Wie viel Urlaub habe ich?“ – Wirkt so, als wärst du vor allem am Freihaben interessiert
- „Kann ich auch mal früher gehen?“ – Signalisiert mangelnde Einsatzbereitschaft
- „Was genau macht Ihr Unternehmen?“ – Das solltest du durch deine Recherche wissen
- „Wie schnell kann ich befördert werden?“ – Kann überheblich wirken
- Fragen zu Gehalt und Benefits kommen besser erst im zweiten Gespräch oder wenn der Arbeitgeber das Thema anspricht
Fehler 10: Das Gespräch schlecht abschließen
Manche Bewerber vergessen den letzten Eindruck. Dabei ist der genauso wichtig wie der erste. Psychologen sprechen vom „Recency Effect“ – das Letzte, was man erlebt, bleibt besonders gut im Gedächtnis. Einfach aufstehen und gehen, ohne sich zu bedanken, ohne nach den nächsten Schritten zu fragen – das ist ein Fauxpas, der deine ganze gute Performance zunichtemachen kann.
So machst du es richtig:
- Bedanke dich herzlich für das Gespräch und die investierte Zeit
- Frage, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist und wie der weitere Prozess aussieht
- Verabschiede dich mit einem freundlichen Händedruck und Blickkontakt
- Zeige echte Begeisterung: „Ich habe einen tollen Eindruck von Ihrem Unternehmen gewonnen und würde mich freuen, Teil des Teams zu werden“
- Optional, aber sehr wirkungsvoll: Schicke am nächsten Tag eine kurze Dankes-E-Mail. Bedanke dich für das Gespräch, greife ein oder zwei Punkte auf, die dich besonders angesprochen haben, und bekräftige dein Interesse
Bonus-Tipp: Die häufigsten Fehler bei Online-Bewerbungsgesprächen
Seit der Pandemie sind Video-Interviews weit verbreitet – auch in Österreich. Und hier kommen zusätzliche Fehlerquellen dazu, die du kennen solltest:
- Technik nicht getestet: Prüfe vorher Kamera, Mikrofon und Internetverbindung. Nichts ist peinlicher als technische Probleme im entscheidenden Moment
- Schlechter Hintergrund: Räume auf oder nutze einen neutralen virtuellen Hintergrund. Ein unordentliches Zimmer lenkt ab und wirkt unprofessionell
- Schlechte Beleuchtung: Setze dich so, dass das Licht von vorne kommt – nicht von hinten, sonst bist du nur ein dunkler Schatten
- Kein Blickkontakt: Schau in die Kamera, nicht auf den Bildschirm. Das erzeugt den Eindruck von Blickkontakt für dein Gegenüber
- Ablenkungen: Schließe alle unnötigen Tabs und Programme. Schalte Benachrichtigungen aus. Sorge dafür, dass niemand ins Zimmer platzt
- Nur oben angezogen: Es klingt lustig, aber es passiert tatsächlich: Zieh dich komplett angemessen an. Man weiß nie, wann man aufstehen muss
Checkliste: Vor dem Bewerbungsgespräch
- Unternehmen gründlich recherchiert (Website, Social Media, aktuelle Nachrichten, Branche)
- Stellenanzeige nochmal gelesen und deine Qualifikationen mit den Anforderungen abgeglichen
- Antworten auf typische Fragen vorbereitet und laut geübt
- STAR-Beispiele für deine wichtigsten Stärken vorbereitet
- Mindestens drei eigene Fragen überlegt und aufgeschrieben
- Kleidung rausgelegt (sauber, passend, bügelfrei)
- Anreise geplant (Route, Abfahrtszeit, Plan B bei Verspätung)
- Kopien von Lebenslauf und Zeugnissen eingepackt
- Notizblock und Stift eingepackt
- Handy auf lautlos gestellt oder ausgeschaltet
- Genug Zeit für die Anreise eingeplant
- Auf dem Weg nochmal die wichtigsten Punkte durchgegangen
- 5 bis 10 Minuten vor dem Termin vor Ort
- Freundlich und aufrecht eingetreten
- Handy ausgeschaltet oder auf lautlos
- Tief durchgeatmet und positiv gedacht: Du schaffst das!
Typische Fragen und wie du sie meisterst
„Erzählen Sie etwas über sich.“
Das ist keine Aufforderung, deine Lebensgeschichte zu erzählen. Fasse kurz zusammen: Wer bist du, was machst du gerade (Schule, Ausbildung, Studium), was hast du bisher gemacht und warum interessiert dich der Job? 60 bis 90 Sekunden reichen. Übe diese Kurzvorstellung vorher laut – am besten vor dem Spiegel oder mit einem Freund.
„Warum möchten Sie bei uns arbeiten?“
Hier zeigst du, dass du dich vorbereitet hast. Nenne konkrete Gründe, die mit dem Unternehmen zu tun haben – nicht nur „Weil ich Geld verdienen will.“ Zum Beispiel: „Ich habe gesehen, dass Ihr Unternehmen großen Wert auf Nachhaltigkeit legt – das ist mir persönlich sehr wichtig und ich würde gerne in einem Unternehmen arbeiten, das diese Werte teilt.“
„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“
Zeige Ambitionen, aber bleib realistisch. „Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln, neue Verantwortungsbereiche übernehmen und langfristig in einem Bereich arbeiten, der mich begeistert“ ist besser als „Ich will Geschäftsführer werden.“ Für junge Bewerber ist es auch völlig okay zu sagen: „Ich möchte in fünf Jahren viel gelernt und wertvolle Erfahrung gesammelt haben.“
„Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“
Fasse deine wichtigsten Stärken zusammen und verbinde sie mit den Anforderungen der Stelle. Zeige, was du mitbringst und was dich von anderen unterscheidet. Das kann auch Begeisterung, Lernbereitschaft oder ein besonderes Hobby sein, das zum Job passt.
„Was war Ihr größter Misserfolg?“
Eine schwierige Frage, die auf deine Selbstreflexion abzielt. Nenne ein echtes Beispiel, aber betone, was du daraus gelernt hast. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum zu zeigen, dass du aus Fehlern lernst und dich weiterentwickelst.
„Haben Sie noch Fragen?“
Ja! Immer! Siehe Fehler 9 weiter oben. Bereite mindestens drei Fragen vor. Selbst wenn einige davon im Gespräch bereits beantwortet wurden, solltest du noch mindestens eine oder zwei übrig haben.
Hilfreiche Ressourcen in Österreich
- karriere.at: Bewerbungsgespräch Vorbereitung – Österreichs größtes Jobportal mit praxisnahen Tipps und der STAR-Methode
- Arbeiterkammer: Vorstellungsgespräch Tipps – kostenlose Beratung zu Bewerbung und Arbeitsrecht
- Jugendportal: Arbeit und Beruf – speziell auf Jugendliche zugeschnittene Informationen rund um Bewerbung und Karriere
- ÖGB: Rechte als Arbeitnehmer – Informationen zu deinen Rechten im Arbeitsleben
Wenn du noch nicht sicher bist, welcher Beruf überhaupt zu dir passt, lies unseren Artikel Wie du herausfindest, was du beruflich wirklich willst.
Was tun nach einer Absage?
Nicht jedes Bewerbungsgespräch endet mit einer Zusage – und das ist völlig normal. Gerade am Anfang deiner Karriere wirst du wahrscheinlich auch Absagen bekommen. Das ist kein Weltuntergang und sagt nichts über deinen Wert als Mensch aus. Es bedeutet nur, dass es für diese eine Stelle nicht gepasst hat.
Was du nach einer Absage tun solltest:
- Feedback einholen: Frag höflich nach, warum es nicht geklappt hat. Viele Unternehmen geben gerne Rückmeldung, und daraus kannst du für das nächste Gespräch lernen
- Reflektieren: Was lief gut? Was hättest du besser machen können? Mache dir Notizen für das nächste Mal
- Nicht aufgeben: Jedes Gespräch ist Übung. Beim nächsten Mal bist du schon erfahrener und souveräner
- Positiv bleiben: Die richtige Stelle wird kommen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, und das ist bei den allermeisten Menschen so
Überwindung: Es wird leichter
Bewerbungsgespräche sind wie alles andere auch: Übungssache. Das erste Gespräch ist fast immer das nervigste. Beim zweiten bist du schon lockerer. Beim dritten weißt du genau, was auf dich zukommt. Und mit jedem Gespräch wirst du besser darin, dich zu präsentieren und auf unerwartete Fragen zu reagieren.
Ein Tipp von Profis: Übe das Gespräch vorher mit einem Freund, einem Familienmitglied oder sogar vor dem Spiegel. Sprich deine Antworten laut aus – das ist etwas ganz anderes, als sie nur im Kopf durchzugehen. Und lass dir ehrliches Feedback geben: Wie wirkst du? Sprichst du zu schnell? Hältst du Blickkontakt? Wirkst du nervös oder entspannt?
Und selbst wenn es mal nicht klappt: Eine Absage ist kein Weltuntergang. Sie bedeutet nicht, dass du schlecht bist – sie bedeutet nur, dass es für diese eine Stelle nicht gepasst hat. Nimm mit, was du gelernt hast, und mach es beim nächsten Mal besser.
Fazit – Vorbereitung schlägt Nervosität
Das perfekte Bewerbungsgespräch gibt es nicht. Aber ein gut vorbereitetes schon. Wenn du die zehn Fehler in diesem Artikel vermeidest, dich gründlich vorbereitest und authentisch bleibst, bist du den meisten Mitbewerbern schon meilenweit voraus.
Denke daran: Personalverantwortliche suchen keine perfekten Menschen. Sie suchen motivierte, lernbereite und authentische Bewerber, die ins Team passen. Und das kannst du sein – wenn du dir selbst die Chance gibst, dich von deiner besten Seite zu zeigen.
Also: Informier dich, übe laut, zieh dich angemessen an und sei einfach du selbst. Mehr braucht es nicht. Du schaffst das.