„Wir müssen mit dir reden.“ Sechs Wörter, die das Leben von tausenden Jugendlichen in Österreich jedes Jahr auf den Kopf stellen. Die Scheidung der eigenen Eltern gehört zu den einschneidendsten Erfahrungen, die ein junger Mensch machen kann. Plötzlich ist alles anders: Das Zuhause, wie du es kanntest, existiert nicht mehr. Und mitten in der Pubertät – einer Phase, die ohnehin schon chaotisch genug ist – bricht auch noch deine vertraute Familienwelt zusammen.
Wenn du das gerade durchmachst oder durchgemacht hast: Dieser Artikel ist für dich. Nicht als Ratgeber von oben herab, sondern als ehrlicher Begleiter durch eine schwierige Zeit. Wir schauen uns an, was bei einer Trennung in dir passiert, wie du damit umgehen kannst und welche Unterstützung es gibt – mit echten Fakten, konkreten Tipps und Anlaufstellen in Österreich.
- Die Scheidungsrate in Österreich liegt bei rund 40 Prozent – du bist mit dieser Erfahrung nicht allein
- Etwa 18.000 Kinder und Jugendliche sind jedes Jahr in Österreich von einer Scheidung betroffen
- Es ist nicht deine Schuld – auch wenn sich das Gefühl manchmal aufdrängt
- Alle Gefühle – Wut, Trauer, Erleichterung, Angst – sind normal und erlaubt
- RAINBOWS Österreich hat seit 1991 über 37.000 betroffene Kinder und Jugendliche unterstützt
- Professionelle Hilfe ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke
Die Zahlen – du bist nicht allein
Bevor wir tiefer einsteigen, ein wichtiger Fakt: Die Scheidungsrate in Österreich liegt bei rund 40 Prozent. Das bedeutet: Fast jede zweite Ehe wird geschieden. Pro Jahr sind in Österreich etwa 18.000 Kinder und Jugendliche akut von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Dazu kommen noch die vielen Trennungen unverheirateter Paare mit Kindern, die in keiner Statistik auftauchen.
Das heißt: In deiner Klasse sitzen statistisch gesehen mehrere Mitschüler, die genauso betroffen sind wie du. Vielleicht reden sie nicht darüber – aber sie wissen, wie es sich anfühlt. Du bist mit dieser Erfahrung alles andere als allein. Und obwohl jede Trennung anders ist, gibt es Gefühle und Herausforderungen, die fast alle Scheidungskinder teilen.
Was bei einer Trennung in dir passiert
Eine Scheidung löst einen Sturm an Gefühlen aus – und alle davon sind berechtigt. Es gibt keine falschen Gefühle in dieser Situation. Was du auch empfindest: Es ist okay.
Schuldgefühle
Fast alle Scheidungskinder haben Schuldgefühle, wie die Experten von RAINBOWS Österreich berichten. „Wenn ich braver gewesen wäre…“ „Wenn ich nicht so viel Ärger gemacht hätte…“ „Wenn ich in der Schule besser gewesen wäre…“ Das ist einer der schmerzhaftesten und gleichzeitig falschesten Gedanken, den Scheidungskinder haben. Die Trennung deiner Eltern hat absolut nichts mit dir zu tun. Es ist eine Entscheidung zwischen zwei Erwachsenen, deren Beziehung nicht mehr funktioniert, und du trägst dafür keinerlei Verantwortung.
Selbst wenn deine Eltern oft über Themen gestritten haben, die mit dir zu tun hatten – Erziehung, Regeln, Freiheiten – war nicht der Streitanlass das Problem, sondern die Art, wie sie miteinander umgegangen sind. Das ist ihre Verantwortung, nicht deine.
Wut
Wut auf die Eltern, auf die Situation, auf die Ungerechtigkeit. Warum können die sich nicht einfach zusammenreißen? Warum müssen sie mein Leben kaputtmachen? Warum müssen ausgerechnet MEINE Eltern sich trennen? Diese Wut ist völlig berechtigt. Du hast ein Recht darauf, wütend zu sein. Aber die Wut braucht ein Ventil – ob das Sport ist, Schreiben, Musik, Boxen gegen einen Sandsack oder ein ehrliches Gespräch mit jemandem, dem du vertraust. Unterdrückte Wut frisst dich von innen auf oder bricht irgendwann unkontrolliert heraus.
Trauer
Du trauerst um die Familie, die du hattest. Um die gemeinsamen Abende, die gemeinsamen Urlaube, das Gefühl von Normalität, das Bild einer heilen Familie, das du im Kopf hattest. Diese Trauer ist real und wichtig – sie zeigt, dass dir etwas bedeutet hat. Lass sie zu. Trauer braucht Zeit und Raum. Manche Jugendliche weinen viel, andere gar nicht – beides ist normal. Trauer zeigt sich bei jedem anders.
Angst
Was passiert jetzt? Wo werde ich leben? Muss ich die Schule wechseln? Werde ich einen Elternteil weniger sehen? Muss ich mich zwischen ihnen entscheiden? Werden wir genug Geld haben? Wird sich einer meiner Eltern eine neue Partnerin oder einen neuen Partner suchen? Diese Ängste sind völlig normal. Das Unbekannte macht Angst – und nach einer Trennung ist vieles unbekannt. Sprich deine Ängste aus – je konkreter du sie formulierst, desto besser können deine Eltern darauf eingehen.
Erleichterung
Das wird selten angesprochen, aber manche Jugendliche fühlen nach der Trennung auch Erleichterung – besonders wenn die Zeit davor von ständigen Streits, Spannung, eisigem Schweigen oder sogar Gewalt geprägt war. Wenn das bei dir der Fall ist: Dieses Gefühl ist genauso erlaubt wie alle anderen. Es bedeutet nicht, dass du deine Familie nicht liebst. Es bedeutet, dass du dir Frieden wünschst – und das ist mehr als verständlich.
Scham
Viele Jugendliche schämen sich für die Scheidung ihrer Eltern, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Sie wollen nicht, dass es jemand erfährt, sie erzählen Lügen über die Familiensituation oder vermeiden es, Freunde nach Hause einzuladen. Diese Scham entsteht oft durch gesellschaftliche Erwartungen – obwohl Scheidung statistisch gesehen völlig normal ist.
Die besonderen Herausforderungen in der Pubertät
Eine Trennung ist in jedem Alter schwer – aber in der Pubertät hat sie eine besondere Dimension. Jugendliche sind gerade dabei, ihr altes Kindheitshaus körperlich und seelisch zu verlassen, ihre eigene Identität zu finden und sich von den Eltern zu lösen. Wenn in genau dieser sensiblen Phase das Elternhaus zusammenbricht, geraten sie doppelt durcheinander.
Der Loyalitätskonflikt
Einer der belastendsten Aspekte: das Gefühl, zwischen den Eltern stehen zu müssen. „Papa sagt, Mama ist schuld.“ „Mama sagt, Papa hat alles kaputtgemacht.“ „Sag deinem Vater, dass er pünktlich zahlen soll.“ Wenn Eltern ihre Konflikte über die Kinder austragen, entsteht ein Loyalitätskonflikt, der extrem belastend ist und langfristige psychische Schäden verursachen kann.
Merke dir: Du musst dich nicht entscheiden. Du kannst beide Eltern lieben, auch wenn sie sich nicht mehr lieben. Du bist das Kind, nicht der Schiedsrichter, nicht der Botschafter und nicht der Therapeut deiner Eltern. Wenn ein Elternteil dich in diese Rolle drängt, darfst du – und solltest du – das klar ansprechen: „Bitte klärt das unter euch. Ich will nicht dazwischen stehen.“
Zu früh erwachsen werden
Manche Jugendliche nehmen nach der Scheidung unbewusst die Rolle des fehlenden Elternteils ein. Sie kümmern sich um jüngere Geschwister, trösten den trauernden Elternteil, übernehmen die emotionale Stütze für einen Elternteil oder erledigen Aufgaben im Haushalt, die weit über ihr Alter hinausgehen. Das nennt man Parentifizierung – und es ist eine Last, die kein Jugendlicher tragen sollte.
Wenn du merkst, dass du zum Ersatzpartner oder zur Bezugsperson eines Elternteils wirst, ist es wichtig, Grenzen zu setzen. Du bist das Kind. Es ist nicht deine Aufgabe, einen Erwachsenen emotional zu versorgen. Deine Eltern brauchen eigene Unterstützungssysteme – Freunde, Familie, Therapeuten – und dürfen diese Rolle nicht auf dich abwälzen.
Verdrängung durch Risikoverhalten
Ihren Schmerz verdrängen Jugendliche oft, indem sie sich ins Vergnügen stürzen: Partys, Alkohol, Drogen, riskantes Verhalten, übermäßiges Gaming oder ständiges Scrollen durch Social Media. Das mag kurzfristig die Schmerzen betäuben, schafft aber langfristig neue Probleme. Wenn du merkst, dass du zunehmend zu solchen Strategien greifst, ist das ein deutliches Zeichen, dass du Unterstützung brauchst – und das ist keine Schwäche, sondern Selbstfürsorge.
Auswirkungen auf Schule und Leistung
Viele Jugendliche erleben nach der Trennung ihrer Eltern einen Leistungseinbruch in der Schule. Die Konzentration lässt nach, die Motivation sinkt, und manchmal fehlt einfach die Energie für Hausaufgaben und Lernen. Das ist verständlich und vorübergehend. Sprich mit deinen Lehrern offen darüber – die meisten haben Verständnis und können dir entgegenkommen. Viele Schulen haben auch Schulpsychologen, die in solchen Situationen unterstützen können.
Was dir helfen kann
1. Lass alle Gefühle zu
Wut, Trauer, Angst, Erleichterung, Scham, Verwirrung – alles ist erlaubt. Versuch nicht, „stark“ zu sein oder deine Gefühle zu unterdrücken, weil du denkst, du müsstest für ein Geschwisterkind oder einen Elternteil funktionieren. Verdrängte Gefühle verschwinden nicht – sie kommen später zurück, oft in verstärkter Form und an Stellen, wo du sie nicht erwartest.
2. Rede darüber
Such dir jemanden zum Reden – einen Freund, eine Freundin, einen Lehrer, eine Tante, einen Onkel, einen Trainer oder eine Beratungsperson. Jemand, dem du vertraust und der zuhört, ohne sofort Ratschläge zu geben oder Partei zu ergreifen. Manchmal reicht es, einfach auszusprechen, was in dir vorgeht. Die Last wird leichter, wenn du sie teilst.
Wenn dir das persönliche Gespräch zu schwer fällt, gibt es auch anonyme Beratung per Telefon, Chat oder E-Mail. Rat auf Draht (147) ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar – auch nachts um drei, wenn die Gedanken nicht aufhören wollen.
3. Sag, was du brauchst
Deine Eltern sind gerade selbst in einer Krise. Sie meinen es gut, wissen aber vielleicht nicht, was du brauchst. Sag es ihnen. „Ich will nicht über Papa schlecht reden hören.“ „Ich brauche Zeit für mich.“ „Ich habe Angst, dass wir umziehen müssen.“ „Ich will nicht als Botschafter zwischen euch hin und her geschickt werden.“ Offene Kommunikation hilft allen Beteiligten – auch wenn sie Überwindung kostet.
4. Behalte deine Routinen
In einer Zeit, in der sich alles ändert, geben Routinen Halt. Deine Sportgruppe, dein Hobby, deine Freundschaften, dein Lieblingsserien-Abend, das Training am Mittwoch – versuche, diese Ankerpunkte beizubehalten. Psychologen betonen, dass Kindern und Jugendlichen die Bewältigung der Trennung deutlich besser gelingt, wenn sie Freundschaften und vertraute Lebensräume als Ressourcen nutzen können. Diese Inseln der Normalität sind wichtiger, als du denkst.
5. Nimm professionelle Hilfe an
Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu suchen. Im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Stärke und Selbstfürsorge. In Österreich gibt es großartige Angebote speziell für Jugendliche, die von einer Trennung betroffen sind. RAINBOWS hat seit 1991 über 37.000 Kinder und Jugendliche durch stürmische Zeiten begleitet – du wärst in guter Gesellschaft.
6. Schreib es auf
Wenn Reden zu schwer fällt, kann Schreiben helfen. Ein Tagebuch gibt dir die Möglichkeit, deine Gedanken und Gefühle zu sortieren – ohne dass jemand anderes sie lesen muss. Du musst keine perfekten Sätze schreiben. Manchmal reichen auch nur Stichworte, Zeichnungen oder Listen. Studien zeigen, dass expressives Schreiben – also das ungefilterte Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen – nachweislich Stress reduziert und die emotionale Verarbeitung fördert.
7. Gib dir Zeit
Eine Scheidung verarbeitet man nicht in einer Woche und nicht in einem Monat. Manche Gefühle kommen erst Monate oder sogar Jahre später. Das ist normal. Sei geduldig mit dir selbst und erwarte nicht, dass du sofort „darüber hinweg“ bist. Trauer und Anpassung haben ihren eigenen Zeitplan, und den kannst du nicht beschleunigen. Erlaube dir, langsam zu heilen.
8. Informiere dich über deine Rechte
Als Kind und Jugendlicher hast du Rechte – auch und gerade bei einer Scheidung. Du hast das Recht, mit beiden Elternteilen Kontakt zu haben. Du hast das Recht, bei Entscheidungen, die dich betreffen, gehört zu werden. Und du hast das Recht auf Schutz vor den Konflikten deiner Eltern. Die Kinder- und Jugendanwaltschaften in jedem Bundesland informieren dich kostenlos über deine Rechte und vertreten deine Interessen.
Was deine Eltern wissen sollten
Dieser Abschnitt ist für Eltern – oder für dich, wenn du dir wünschst, dass deine Eltern bestimmte Dinge verstehen. Vielleicht möchtest du ihnen diesen Abschnitt zeigen.
- Kinder nicht als Botschafter einsetzen: „Sag deiner Mutter, dass…“ – dieser Satz sollte nie fallen. Erwachsene müssen ihre Kommunikation selbst regeln. Jede Nachricht, die über das Kind übermittelt wird, bringt es in eine unmögliche Situation
- Nicht schlecht über den anderen Elternteil reden: Egal wie wütend du auf deinen Ex-Partner bist – das Kind liebt beide Eltern. Es in einen Loyalitätskonflikt zu bringen, ist eine der schädlichsten Dinge, die Eltern tun können. Studien zeigen, dass dieser Faktor mehr Schaden anrichtet als die Trennung selbst
- Verhaltensänderungen akzeptieren: RAINBOWS betont, dass Kinder die veränderte Situation erst langsam aufnehmen und verarbeiten müssen. Schwieriges Verhalten zu Beginn – Rückzug, Trotz, Aggression, schlechtere Noten – ist eine normale Reaktion und kein Grund zur Panik, sondern ein Zeichen, dass das Kind die Veränderung verarbeitet
- Mitbestimmung ermöglichen: Lasst euer Kind in manchen Bereichen mitentscheiden – zum Beispiel bei der Gestaltung des neuen Kinderzimmers, beim Besuchsplan oder bei der Frage, welche Sachen es wo aufbewahrt. Kinder tragen Entscheidungen leichter mit, wenn sie daran beteiligt waren
- Eigene Gefühle kontrollieren: Eltern müssen sich bewusst machen, dass sich das Kind gegen negative Gefühle wie Wut, Frustration oder Verzweiflung der Eltern nicht abgrenzen kann. Auch wenn diese gegen den Partner gerichtet sind, erlebt das Kind sie als Verunsicherung und Bedrohung
- Stabilität und Vorhersehbarkeit schaffen: Klare Absprachen, verlässliche Besuchszeiten, konsistente Regeln in beiden Haushalten – all das gibt dem Kind Sicherheit in einer unsicheren Zeit
- Professionelle Hilfe annehmen: Nicht nur für die Kinder, sondern auch für sich selbst. Eltern, die ihre eigene Trennung gut verarbeiten, können auch besser für ihre Kinder da sein
Patchwork-Familie – eine neue Normalität
Nach einer Trennung entsteht oft eine neue Familienkonstellation. Vielleicht bekommt ein Elternteil einen neuen Partner oder eine neue Partnerin. Vielleicht gibt es Stiefgeschwister. Vielleicht zwei Kinderzimmer in zwei verschiedenen Wohnungen, zwei Zahnbürsten, zwei Bücherregale, zwei unterschiedliche Haushaltsregeln.
Das kann herausfordernd sein – aber auch bereichernd. Viele Jugendliche berichten, dass ihre Eltern nach der Trennung glücklicher und entspannter waren, was sich auch positiv auf die Beziehung zu den Kindern auswirkte. Manche sagen sogar, dass sie zwei Zuhause statt keinem haben. Und neue Familienmitglieder können zu wichtigen Bezugspersonen werden – eine Stiefmutter, die anders zuhört als die eigene Mutter; ein Stiefvater, der eine neue Perspektive einbringt; Stiefgeschwister, die zu echten Freunden werden.
Trotzdem: Es ist okay, wenn du Zeit brauchst, um dich an die neue Situation zu gewöhnen. Niemand kann von dir verlangen, einen neuen Partner oder eine neue Partnerin deiner Eltern sofort zu akzeptieren oder gar „Mama“ oder „Papa“ zu nennen. Deine Grenzen sind berechtigt, und du darfst sie klar kommunizieren.
Die Eingewöhnung in eine Patchwork-Situation braucht oft mehrere Jahre. Das ist normal. Wichtig ist, dass alle Beteiligten offen miteinander reden und Konflikte ansprechen, statt sie unter den Teppich zu kehren.
Wie viel Mitbestimmung du in deiner Familie hast und haben solltest, thematisiert auch unser Artikel Familienleben und Freiheit – wie viel Mitbestimmung Jugendliche wirklich haben.
Hilfsangebote in Österreich
RAINBOWS
RAINBOWS ist die bekannteste und erfahrenste Organisation in Österreich, die sich speziell um Kinder und Jugendliche in stürmischen Zeiten kümmert – bei Trennung, Scheidung oder Tod naher Bezugspersonen. Seit 1991 hat RAINBOWS über 37.000 Kindern und Jugendlichen durch schwierige Zeiten geholfen. Die Organisation ist in allen neun Bundesländern aktiv.
RAINBOWS bietet:
- RAINBOWS-Gruppen: Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche, wo du andere triffst, die Ähnliches durchmachen
- RAINBOWS YOUTH: Spezielle Angebote für Jugendliche bei Trennung und Scheidung
- Einzelbegleitung: Rund 350 Kinder jährlich erhalten individuelle Unterstützung
- Elternberatung: Beratung für Eltern bei Trennung und Scheidung, Webinare und Informationsveranstaltungen
- Trauerbegleitung: Unterstützung bei Todesfällen in der Familie
Kontakt: RAINBOWS Österreich, Grabenstraße 88, 8010 Graz, Tel. +43 316 68 86 70, office@rainbows.at. Erreichbar Montag bis Freitag, 8 bis 13 Uhr. Regionale Büros gibt es in jedem Bundesland.
Weitere Anlaufstellen
- Rat auf Draht: 147 – kostenlos und anonym, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Für alle jungen Menschen, die jemanden zum Reden brauchen – egal zu welchem Thema
- Telefonseelsorge: 142 – ebenfalls kostenlos und anonym, rund um die Uhr erreichbar
- Familienberatungsstellen: In jedem Bundesland gibt es kostenlose Familienberatungsstellen, die auch für Jugendliche da sind. Eine Liste findest du auf der Website des Familienministeriums
- Schulpsychologen: An vielen Schulen gibt es psychologische Beratung – scheue dich nicht, sie in Anspruch zu nehmen. Die Gespräche sind vertraulich
- Kinder- und Jugendanwaltschaft: Die Kinder- und Jugendanwaltschaften gibt es in jedem Bundesland – sie vertreten die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen, bieten die Schoolchecker App und die U18-Rechte-App an
- BÖP Psychnet: Über den Berufsverband Österreichischer Psychologen findest du Psychologen in deiner Nähe. Seit 2026 ist klinisch-psychologische Behandlung erstmals eine Kassenleistung in Österreich
Langfristige Perspektive – es wird besser
Das ist vielleicht das Wichtigste, das du hören musst: Es wird besser. Nicht sofort. Nicht von heute auf morgen. Aber mit der Zeit.
Viele erwachsene Scheidungskinder berichten, dass sie aus der Erfahrung letztendlich gestärkt hervorgegangen sind. Sie haben gelernt, mit Veränderungen umzugehen und Resilienz entwickelt. Sie haben eine höhere Empathie entwickelt, weil sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn das Leben nicht nach Plan läuft. Und sie haben verstanden, dass Familie nicht an einer bestimmten Konstellation hängt, sondern an den Menschen, die füreinander da sind.
Manche berichten auch, dass die Trennung sie gelehrt hat, was sie in ihren eigenen Beziehungen anders machen wollen. Sie haben gelernt, besser zu kommunizieren, Konflikte früher anzusprechen und die Bedürfnisse des Partners ernst zu nehmen. Die Erfahrung der elterlichen Trennung muss also keineswegs bedeuten, dass deine eigenen Beziehungen zum Scheitern verurteilt sind – im Gegenteil.
Das soll deine aktuelle Situation nicht kleinreden. Was du gerade durchmachst, ist hart. Es tut weh. Es ist ungerecht. Aber du wirst da durchkommen. Und du musst es nicht allein tun. Hunderttausende Jugendliche in Österreich haben es vor dir geschafft – und du wirst es auch schaffen.
Fazit – deine Gefühle sind berechtigt
Wenn deine Eltern sich trennen, fühlt es sich an, als würde der Boden unter deinen Füßen weggezogen. Und dieses Gefühl ist berechtigt. Aber es bedeutet nicht, dass du fällst. Es bedeutet, dass du lernst, auf neuem Boden zu stehen.
Du bist nicht schuld. Du bist nicht kaputt. Und du bist nicht allein. Such dir Menschen, die für dich da sind – ob Freunde, Familie oder professionelle Helfer. Lass deine Gefühle zu. Und gib dir die Zeit, die du brauchst.
Weil du es verdienst, gehört und unterstützt zu werden. Egal wie stürmisch es gerade ist.