Lehre mit Matura – der unterschätzte Karriereweg

„Wenn du was werden willst, musst du Matura machen.“ Diesen Satz haben wahrscheinlich Generationen österreichischer Jugendlicher gehört – von Eltern, Lehrern und Verwandten. Und ja, eine Matura öffnet Türen. Aber weißt du, was diese Türen genauso öffnet – und dir gleichzeitig Berufserfahrung, ein eigenes Einkommen und einen Gesellenbrief verschafft? Die Lehre mit Matura.

Seit 2008 haben Lehrlinge in Österreich die Möglichkeit, parallel zu ihrer Ausbildung die Matura zu machen – komplett kostenlos. Trotzdem ist dieses Modell immer noch erstaunlich wenig bekannt und wird oft unterschätzt. Höchste Zeit, das zu ändern und dir zu zeigen, warum die Lehre mit Matura einer der smartesten Bildungswege ist, die Österreich zu bieten hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lehre mit Matura ist seit 2008 in Österreich möglich – und komplett kostenlos
  • Du bekommst zwei Abschlüsse: Gesellenbrief und Maturazeugnis (Berufsreifeprüfung)
  • Die Matura berechtigt zum Studium an Universitäten, Fachhochschulen und Kollegs
  • Es gibt zwei Modelle: begleitend (in der Freizeit) und integriert (teilweise während der Arbeitszeit)
  • Die vier Prüfungen umfassen insgesamt 660 Unterrichtsstunden: Deutsch, Mathematik, Fremdsprache und Fachbereich
  • Du kannst bereits im ersten Lehrjahr mit der Vorbereitung beginnen

Was ist Lehre mit Matura?

Lehre mit Matura – auch Berufsmatura oder Berufsreifeprüfung genannt – ist ein Ausbildungsmodell, das zwei Welten vereint: die praktische Berufsausbildung in einem Lehrbetrieb und die schulische Bildung, die zur Matura führt. Laut der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) können sich Lehrlinge seit 2008 parallel zu ihrer Ausbildung kostenlos auf die Berufsreifeprüfung vorbereiten.

Am Ende stehst du mit zwei Qualifikationen da: einem Gesellenbrief, der dich als Fachkraft ausweist, und einem Maturazeugnis, das dir den Zugang zu Universitäten, Fachhochschulen und Kollegs in ganz Österreich eröffnet. Das Beste: Du kannst gleich im ersten Lehrjahr damit beginnen. Und noch ein entscheidender Punkt: Die gesamte Vorbereitung inklusive Kurse, Lernunterlagen und Prüfungsgebühren ist komplett kostenlos – das gibt es in dieser Form nur in Österreich.

Warum dieser Weg unterschätzt wird

Trotz aller Vorteile haftet der Lehre in Österreich immer noch ein gewisses Image-Problem an. „Die Lehre ist was für Leute, die es nicht aufs Gymnasium geschafft haben“ – so denken leider immer noch viele. Eltern raten ihren Kindern oft zur AHS-Oberstufe, auch wenn eine Lehre vielleicht besser passen würde. Und in manchen Kreisen erntet man immer noch mitleidige Blicke, wenn man sagt, man macht eine Lehre.

Dabei zeigt die Realität ein ganz anderes Bild. Die Wahrheit ist: Lehrlinge, die gleichzeitig die Matura machen, gehören zu den motiviertesten und engagiertesten jungen Menschen überhaupt. Sie arbeiten im Betrieb, lernen für die Berufsschule UND bereiten sich auf die Matura vor. Das verlangt Disziplin, Durchhaltevermögen und echten Biss – deutlich mehr als so mancher Gymnasiast aufbringen muss.

In vielen Betrieben beobachten Ausbilder, dass Lehrlinge mit Matura-Ambition besonders engagiert und wissbegierig sind. Sie stellen mehr Fragen, zeigen mehr Initiative und entwickeln sich oft schneller als ihre Kollegen ohne Maturavorbereitung. Manche dieser Lehrlinge gehören heute zu den Führungskräften in ihren Unternehmen.

Wenn du unsicher bist, welcher Ausbildungsweg der richtige für dich ist, findest du in unserem Artikel Welche Ausbildung passt zu mir – Lehre, Matura oder Studium? eine Orientierungshilfe.

Die zwei Modelle im Detail

Modell 1: Das begleitende Modell (Freizeitmodell)

Beim begleitenden Modell besuchst du die Vorbereitungslehrgänge in deiner Freizeit – also am Abend oder am Wochenende. Eine extra Vereinbarung im Lehrvertrag ist dafür nicht notwendig. Dein Ausbildungsbetrieb muss auch nicht zustimmen, obwohl es natürlich hilfreich ist, wenn er dein Vorhaben unterstützt.

Vorteile:

  • Keine Auswirkungen auf deinen Lehrvertrag, die Entlohnung oder die Sozialversicherung
  • Dein Lehrbetrieb muss nichts ändern – du brauchst keine Genehmigung
  • Du bist flexibler bei der Wahl deines Kursanbieters
  • Die Kurse finden oft an zentralen Standorten statt, an denen du andere Lehrlinge aus verschiedenen Berufen triffst

Nachteile:

  • Die gesamte Vorbereitung findet in deiner Freizeit statt – das kann belastend sein, besonders in Prüfungsphasen
  • Du brauchst viel Selbstdisziplin und gutes Zeitmanagement
  • Weniger Freizeit als Gleichaltrige – das muss dir bewusst sein

Modell 2: Das integrierte Modell (Arbeitszeitmodell)

Beim integrierten Modell werden die Vorbereitungskurse ganz oder teilweise während der Arbeitszeit absolviert. Dafür braucht es eine entsprechende Vereinbarung im Lehrvertrag zwischen dir und deinem Lehrbetrieb. Es gibt zwei Varianten: entweder wird die Lehrzeit im Einvernehmen verlängert, oder die Unterrichtszeit wird bei gleichbleibender Lehrzeit in die Arbeitszeit integriert.

Vorteile:

  • Weniger Belastung in der Freizeit – du hast mehr Raum für Erholung und Sozialleben
  • Der Lehrbetrieb unterstützt dich aktiv und signalisiert: Wir investieren in dich
  • Bessere Vereinbarkeit von Arbeit, Berufsschule und Maturavorbereitung
  • Arbeitgeber erhalten eine Förderung, wenn die Kurszeit in die Arbeitszeit fällt

Nachteile:

  • Nicht jeder Betrieb bietet dieses Modell an – du musst dich erkundigen
  • Die Lehrzeit kann im Einvernehmen verlängert werden, was den Abschluss verzögert
  • Du bist an den Kursanbieter gebunden, mit dem dein Betrieb zusammenarbeitet

Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Die Arbeiterkammer Oberösterreich weist zum Beispiel darauf hin, dass in manchen Branchen – besonders im Handel und in der Gastronomie – Schichtarbeit und wechselnde Dienstpläne die Teilnahme an den Vorbereitungskursen erschweren können. Informiere dich frühzeitig bei der Trägerorganisation deines Bundeslandes über die genauen Modalitäten.

Die vier Prüfungsfächer im Detail

Die Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) besteht aus vier Teilprüfungen mit insgesamt 660 Unterrichtsstunden Vorbereitung:

  1. Deutsch: 160 Unterrichtsstunden. Schriftliche Klausur plus mündliche Prüfung. Du musst Texte analysieren, argumentieren und verschiedene Textformen beherrschen – von der Erörterung bis zum Kommentar
  2. Mathematik: 180 Unterrichtsstunden. Schriftliche Klausur. Die Inhalte orientieren sich an der standardisierten Reifeprüfung (Zentralmatura) und umfassen Analysis, Algebra, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung
  3. Lebende Fremdsprache: 180 Unterrichtsstunden. Meistens Englisch, schriftlich und mündlich. Niveau B2 nach dem Europäischen Referenzrahmen – das bedeutet, du kannst dich fließend und spontan verständigen
  4. Fachbereich: 140 Unterrichtsstunden. Bezieht sich auf deinen Lehrberuf – hier kannst du mit deinem Fachwissen punkten. Das Thema wählst du in Abstimmung mit dem Kursanbieter und es soll einen Bezug zu deinem Lehrberuf haben

Wichtig zu wissen:

  • Mindestens eine der vier Teilprüfungen muss während der Lehrzeit positiv abgelegt werden – das ist Voraussetzung, um den kostenlosen Zugang zum Programm für fünf Jahre nach Beginn zu behalten
  • Drei der vier Prüfungen kannst du bereits vor der Lehrabschlussprüfung ablegen
  • Die letzte Teilprüfung darf erst nach der bestandenen Lehrabschlussprüfung und nach Vollendung des 19. Lebensjahres abgelegt werden
  • Nach Abschluss eines Vorbereitungskurses hast du sechs Monate Zeit, die entsprechende Teilprüfung abzulegen

Die Vorteile im Überblick

Für dich als Lehrling

  • Komplett kostenlos: Vorbereitungskurse, Lernunterlagen und Prüfungsgebühren werden vom Bund finanziert. Das ist in dieser Form einzigartig in Österreich und macht die Berufsmatura zu einem echten Chancengleichheits-Programm
  • Doppelqualifikation: Du stehst am Ende mit einem Gesellenbrief UND einem Maturazeugnis da. Das ist mehr, als die meisten Gleichaltrigen vorweisen können. Zwei Abschlüsse in der Zeit, die andere für einen brauchen
  • Eigenes Einkommen: Während deine Freunde in der Oberstufe oder im Studium von Taschengeld oder Stipendien leben, verdienst du dein eigenes Geld und bist finanziell unabhängig
  • Uni-Zugang: Die Berufsmatura berechtigt zum Studium an Fachhochschulen, Kollegs, Hochschulen und Universitäten in ganz Österreich. Alle akademischen Türen stehen dir offen
  • Praxiserfahrung: Du hast echte Berufserfahrung, während andere noch studieren oder in Praktika schnuppern. Auf dem Arbeitsmarkt ist das Gold wert – Unternehmen schätzen Kandidaten, die nicht nur Theorie kennen, sondern bereits bewiesen haben, dass sie im Arbeitsalltag bestehen
  • Karrierechancen: Verbesserte Aufstiegsmöglichkeiten in deinem Betrieb und höhere Chancen am Arbeitsmarkt. Die Kombination aus praktischem und theoretischem Wissen macht dich zu einer besonders gefragten Fachkraft
  • Sozialversicherung und Pensionszeiten: Im Gegensatz zum Schulbesuch oder Studium bist du während der Lehre sozialversichert und sammelst Pensionszeiten – ein Vorteil, der oft übersehen wird

Für den Lehrbetrieb

Auch für Unternehmen ist das Modell attraktiv: Sie bilden begabte Jugendliche zu hochqualifizierten Facharbeitern aus, die sowohl praktisches als auch theoretisches Wissen mitbringen. Im begleitenden Modell entstehen dem Betrieb keine Zusatzkosten. Beim integrierten Modell gibt es staatliche Förderungen, die die Lohnkosten während der Kurszeiten abdecken.

Unternehmen berichten, dass die Entwicklung von Lehrlingen mit Matura-Ambitionen deutlich dynamischer verläuft als bei Lehrlingen ohne Matura. Diese jungen Fachkräfte bringen frische Perspektiven ein, hinterfragen Prozesse und treiben Innovation voran. Viele Betriebe nutzen die Lehre mit Matura mittlerweile als Instrument zur Fachkräftegewinnung und positionieren sich damit als attraktive Arbeitgeber für ambitionierte Jugendliche.

So meldest du dich an – Schritt für Schritt

Der Weg zur Lehre mit Matura ist unkomplizierter, als viele denken:

  1. Informiere dich: Kontaktiere die Trägerorganisation in deinem Bundesland. In Oberösterreich ist das zum Beispiel der Verein zur Förderung der Lehrlinge (Tel. +43 732 7071 68905, E-Mail: lehre-mit-matura@bildung-ooe.gv.at). Jedes Bundesland hat eine eigene Anlaufstelle
  2. Voraussetzungen prüfen: Du brauchst einen gültigen Lehrvertrag und deine Noten aus dem ersten Berufsschuljahr. Außerdem wird meistens ein Motivationsschreiben verlangt
  3. Modell wählen: Entscheide dich für das begleitende oder integrierte Modell. Beim integrierten Modell musst du das mit deinem Lehrbetrieb besprechen
  4. Kurs beginnen: Du kannst bereits im ersten Lehrjahr starten. Die Kurse finden je nach Anbieter am Abend, am Wochenende oder (beim integrierten Modell) während der Arbeitszeit statt
  5. Prüfungen ablegen: Plane deine Prüfungen strategisch. Viele empfehlen, mit dem Fachbereich oder der Fremdsprache zu beginnen und die schwierigeren Fächer (oft Mathematik) für später aufzuheben

Erfahrungen aus der Praxis

Das Modell erfreut sich in Österreich wachsender Beliebtheit. In manchen Betrieben schlägt mehr als die Hälfte der Lehrlinge diesen Bildungsweg ein – ein Zeichen dafür, dass das Image-Problem der Lehre langsam aufbricht.

Lehrlinge, die die Berufsmatura machen, investieren viel Freizeit in ihre Zukunft und zeigen überdurchschnittliches Engagement und Interesse in ihrem Job. Sie beweisen, dass praktische Intelligenz und akademische Bildung kein Widerspruch sind – im Gegenteil, sie ergänzen sich perfekt. Wer tagsüber im Betrieb arbeitet und abends für die Mathe-Klausur lernt, entwickelt Fähigkeiten, die man in keinem Klassenzimmer lernen kann: Zeitmanagement, Belastbarkeit, Selbstorganisation und echte Eigenverantwortung.

Erfolgreiche Absolventen berichten oft, dass sie im späteren Berufsleben oder Studium von dieser Doppelbelastung profitiert haben. Wer die Lehre mit Matura geschafft hat, schreckt vor kaum einer Herausforderung mehr zurück.

Herausforderungen – worauf du achten solltest

So großartig das Modell ist – es gibt auch Herausforderungen, die du kennen und ehrlich einschätzen solltest:

Zeitmanagement

Lehre, Berufsschule und Maturavorbereitung unter einen Hut zu bringen, ist kein Spaziergang. Du wirst weniger Freizeit haben als deine Altersgenossen. Abende, an denen andere Netflix schauen oder sich treffen, sitzt du möglicherweise im Vorbereitungskurs. Gutes Zeitmanagement ist absolut entscheidend. Plane deine Woche im Voraus, setze Prioritäten und lerne, auch mal Nein zu sagen.

Arbeitszeiten und Dienstpläne

In manchen Branchen – besonders im Handel, in der Gastronomie und in der Pflege – ist es schwierig, an den Vorbereitungskursen teilzunehmen, weil die Arbeitszeiten und Dienstpläne das nicht immer zulassen. Unregelmäßige Arbeitszeiten, Schichtarbeit und Wochenenddienste können die Kursteilnahme erschweren. Kläre das unbedingt vor Kursbeginn mit deinem Ausbilder.

Durchhaltevermögen

Die Maturavorbereitung zieht sich über mehrere Jahre. Es wird Phasen geben, in denen du müde bist, keine Lust hast und an dir zweifelst. Das ist normal und passiert fast jedem. Wichtig ist, dran zu bleiben und sich Unterstützung zu holen, wenn es eng wird. Eine nicht bestandene Teilprüfung ist kein Weltuntergang – du kannst sie wiederholen. Und auch eine Pause ist möglich, solange du innerhalb der Fristen bleibst.

Soziale Herausforderungen

Deine Freunde, die ins Gymnasium gehen, haben eine andere Lebenswelt als du. Deine Lehrkollegen, die keine Matura machen, haben mehr Freizeit. Du befindest dich in einer Zwischenwelt, die manchmal einsam sein kann. Such dir Gleichgesinnte – in deinen Vorbereitungskursen triffst du andere Lehrlinge, die genau dasselbe durchmachen. Diese Kontakte können zu echten Freundschaften werden.

Was nach der Berufsmatura kommt – deine Optionen

Mit der Berufsmatura in der Tasche stehen dir alle Wege offen:

  • Studium: Du kannst an jeder österreichischen Universität, Fachhochschule oder jedem Kolleg studieren – in jedem Fach. Viele ehemalige Lehrlinge mit Matura studieren berufsbegleitend an einer FH, um Theorie und Praxis weiter zu verbinden
  • Meisterprüfung: In vielen Handwerksberufen ist die Meisterprüfung der nächste logische Schritt nach dem Gesellenbrief. Mit der Matura hast du eine noch breitere Wissensbasis dafür
  • Selbstständigkeit: Mit Gesellenbrief und Matura bringst du die ideale Kombination aus praktischem Können und betriebswirtschaftlichem Grundwissen mit, um ein eigenes Unternehmen zu gründen
  • Karriere im Betrieb: Viele Betriebe befördern Lehrlinge mit Matura bevorzugt in Führungspositionen, da sie sowohl die Praxis kennen als auch das theoretische Rüstzeug mitbringen
  • Weiterbildung: Werkmeisterschulen, Bauhandwerkerschulen, Kollegs – mit der Berufsmatura hast du Zugang zu zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten

Alternativen und Ergänzungen

Lehre nach der Matura

Es gibt auch den umgekehrten Weg: Erst die Matura machen, dann eine Lehre beginnen. Dieses Modell wird immer populärer, weil viele Maturanten feststellen, dass ihnen die praktische Ausbildung fehlt. Der Vorteil: Du bringst bereits eine fundierte Allgemeinbildung mit und kannst dich in der Lehre voll auf die praktische Ausbildung konzentrieren. Manche Betriebe verkürzen die Lehrzeit für Maturanten sogar.

Duale Akademie

Speziell für AHS-Absolventen gibt es die Duale Akademie der Wirtschaftskammern. Sie verbindet eine verkürzte Lehre mit zusätzlicher Qualifikation und ist speziell auf Personen mit Matura zugeschnitten. Die Ausbildungsdauer beträgt je nach Beruf zwei bis drei Jahre.

Gap Year

Wenn du nach der Pflichtschule noch nicht sicher bist, was du willst, kann ein Gap Year helfen, Klarheit zu gewinnen. Mehr dazu in unserem Artikel Gap Year oder gleich durchstarten.

Wo du dich informieren kannst

Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die dir bei Fragen zur Lehre mit Matura weiterhelfen:

  • WKO: wko.at/lehre/lehre-matura – umfassende Informationen der Wirtschaftskammer zu beiden Modellen, Voraussetzungen und Förderungen
  • WIFI: wifi.at – einer der größten Anbieter von Vorbereitungskursen in ganz Österreich
  • Arbeiterkammer: Jedes Bundesland hat eine eigene Seite mit regionalen Informationen und Beratungsangeboten. Die AK OÖ bietet zum Beispiel detaillierte Informationen über den Verein zur Förderung der Lehrlinge
  • BFI (Berufsförderungsinstitut): Bietet in vielen Bundesländern ebenfalls Vorbereitungskurse an
  • Lehre Respekt: lehre-respekt.at – Portal der Wirtschaftskammer Niederösterreich mit umfassenden Informationen rund um die Lehre, inklusive einer Hotline unter 02742/851-17900

Lehre mit Matura vs. andere Wege – ein ehrlicher Vergleich

Kein Ausbildungsweg ist für jeden der richtige. Hier ein ehrlicher Vergleich, der dir bei der Entscheidung helfen kann:

Lehre mit Matura vs. AHS/BHS Oberstufe

  • Vorteil Lehre mit Matura: Eigenes Einkommen ab Tag eins, echte Praxiserfahrung, Doppelqualifikation, berufliche Sicherheit schon während der Ausbildung, Sozialversicherung und Pensionszeiten
  • Vorteil AHS/BHS: Mehr Zeit für Allgemeinbildung, breitere Fächerwahl, weniger Zeitdruck, soziales Umfeld mit Gleichaltrigen, mehr Freizeit für Hobbys und Sozialleben

Lehre mit Matura vs. reine Lehre

  • Vorteil Lehre mit Matura: Uni-Zugang, breitere Karriereoptionen, höhere Aufstiegschancen, persönliche Weiterentwicklung, bessere Verdienstmöglichkeiten langfristig
  • Vorteil reine Lehre: Weniger Zeitaufwand, mehr Freizeit, voller Fokus auf den Beruf, geringere Belastung

Lehre mit Matura vs. Studium direkt nach der Pflichtschule

  • Vorteil Lehre mit Matura: Sofortiges Einkommen, Praxisbezug, du weißt am Ende genau, was du willst. Wenn du danach studierst, bist du deutlich fokussierter als viele Erstsemester
  • Vorteil direkter Bildungsweg: Schnellerer Zugang zum Studium, keine Doppelbelastung, mehr akademische Vorbereitung

Die Entscheidung hängt von deinen persönlichen Zielen, deiner Motivation und deiner Lebenssituation ab. Es gibt keinen objektiv „besten“ Weg – nur den, der am besten zu dir passt. Wie du herausfindest, was wirklich zu dir passt, liest du in unserem Artikel Wie du herausfindest, was du beruflich wirklich willst.

Häufige Fragen zur Lehre mit Matura

Kann ich die Lehre mit Matura auch nach der Lehre noch machen?

Ja, grundsätzlich kannst du die Berufsmatura auch nach Abschluss der Lehre ablegen. Allerdings ist die kostenlose Vorbereitung an die Lehrzeit gekoppelt – du musst während der Lehrzeit mindestens eine Teilprüfung bestanden haben. Danach hast du fünf Jahre ab Programmbeginn Zeit, die restlichen Prüfungen abzulegen.

Was passiert, wenn ich eine Prüfung nicht bestehe?

Kein Weltuntergang. Du kannst jede Teilprüfung wiederholen. Die Anzahl der Wiederholungsmöglichkeiten ist nicht begrenzt, solange du innerhalb der fünfjährigen Frist bleibst.

Muss mein Lehrbetrieb zustimmen?

Beim begleitenden Modell (Freizeitmodell) brauchst du keine Zustimmung deines Betriebs. Beim integrierten Modell ist eine Vereinbarung im Lehrvertrag notwendig.

Gibt es eine Altersgrenze?

Die letzte Teilprüfung darf erst nach Vollendung des 19. Lebensjahres abgelegt werden. Nach oben gibt es keine Grenze.

Welche Lehrberufe eignen sich besonders?

Grundsätzlich kann die Lehre mit Matura in jedem der über 200 Lehrberufe in Österreich gemacht werden. Besonders gut funktioniert sie in Berufen mit geregelten Arbeitszeiten, da die Kursteilnahme dann leichter planbar ist.

Fazit – der smarte Weg nach oben

Die Lehre mit Matura ist einer der smartesten Bildungswege, die Österreich zu bieten hat. Du sammelst Praxiserfahrung, verdienst dein eigenes Geld, bist sozialversichert und hast am Ende trotzdem alle akademischen Möglichkeiten offen. Das ist kein Kompromiss – das ist das Beste aus beiden Welten.

Wenn du motiviert bist, bereit bist hart zu arbeiten und einen Plan für deine Zukunft suchst, der Theorie und Praxis verbindet: Schau dir die Lehre mit Matura genau an. Informiere dich bei der WKO, der AK oder dem WIFI in deinem Bundesland. Rede mit Lehrlingen, die es bereits machen oder gemacht haben. Und dann triff eine informierte Entscheidung.

Es könnte die beste Entscheidung deines Lebens sein. 660 Unterrichtsstunden, vier Prüfungen und ein paar Jahre harter Arbeit stehen zwischen dir und einer Doppelqualifikation, die dir alle Türen öffnet. Andere bezahlen tausende Euro für eine ähnliche Ausbildung – du bekommst sie kostenlos.

Und an alle, die immer noch glauben, eine Lehre wäre „nur“ für Leute, die es nicht aufs Gymnasium geschafft haben: Schaut euch die Statistiken an. Lehrlinge mit Matura gehören zu den gefragtesten Fachkräften am Arbeitsmarkt. Sie haben Praxiserfahrung UND akademische Bildung. Sie haben bewiesen, dass sie bereit sind, über das Normale hinaus für ihre Ziele zu arbeiten. Und sie haben zwei Abschlüsse in der Tasche, während andere noch überlegen, was sie nach der Matura machen wollen.