Ein Semester in Barcelona, Paris, Stockholm oder Lissabon. Neue Menschen, neue Sprache, neue Perspektiven. Klingt nach Abenteuer? Ist es auch. Ein Auslandssemester gehört zu den besten Erfahrungen, die du während deines Studiums machen kannst. Und dank Erasmus+ ist es für österreichische Studierende einfacher und günstiger als du vielleicht denkst.
Aber die Planung kann einschüchternd sein. Wann muss ich mich bewerben? Wie viel kostet das? Werden meine Leistungen anerkannt? Was muss ich alles organisieren? Dieser Artikel nimmt dir die Unsicherheit und führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess – von der ersten Idee bis zur Rückkehr nach Österreich.
- Erasmus+ ist ein EU-Förderprogramm, das dir einen 3- bis 12-monatigen Auslandsaufenthalt ermöglicht
- Voraussetzung: Mindestens 1 Jahr Studium, EU-Bürgerschaft und ausreichende Sprachkenntnisse
- Die Planung sollte 12 bis 18 Monate vorher beginnen
- Du erhältst einen monatlichen Zuschuss – Österreich gehört zu den Ländern mit der höchsten Förderung
- Akademische Leistungen werden in der Regel voll angerechnet
- Neben Erasmus+ gibt es weitere Programme wie Joint Study, OeAD-Stipendien oder Freemover-Optionen
Was ist Erasmus+?
Erasmus+ ist das überaus erfolgreiche Hochschulprogramm der Europäischen Union. Es fördert die Mobilität von Studierenden, Dozenten und Hochschulpersonal innerhalb Europas und darüber hinaus. Mit Erasmus+ hast du die Möglichkeit, für 3 bis 12 Monate an einer Partnerhochschule im europäischen Ausland zu studieren oder ein Praktikum zu absolvieren.
Das Programm gibt es seit 1987 und hat seitdem über 10 Millionen Menschen einen Auslandsaufenthalt ermöglicht. Es ist das bekannteste und größte Austauschprogramm der Welt. Für die Periode 2021 bis 2027 hat die EU das Budget auf über 26 Milliarden Euro aufgestockt – ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig die EU internationale Bildung und Mobilität nimmt.
Was Erasmus+ bietet
- Finanzielle Förderung: Du erhältst einen monatlichen Zuschuss, dessen Höhe vom Zielland abhängt. Je nach Ländergruppe liegt dieser zwischen etwa 490 und 600 Euro pro Monat für Studierende aus Österreich
- Keine Studiengebühren: An der Gasthochschule zahlst du keine Studiengebühren – egal wie hoch diese normalerweise wären
- Anerkennung: Deine im Ausland erbrachten Leistungen werden in der Regel an deiner Heimatuni angerechnet
- Versicherungsschutz: Durch die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) bist du grundversorgt
- Netzwerk: Zugang zum Erasmus Student Network (ESN) mit tausenden Studierenden in ganz Europa
- Sprachliche Vorbereitung: Online-Sprachkurse über die OLS-Plattform (Online Linguistic Support) sind kostenlos für Erasmus-Studierende verfügbar
Voraussetzungen für Erasmus+
Um am Erasmus-Programm teilnehmen zu können, musst du folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Mindeststudiendauer: Du musst mindestens ein Jahr (zwei Semester) an deiner Hochschule in Österreich studiert haben, bevor du ins Ausland gehst
- EU-Bürgerschaft: Oder einen dauerhaften Wohnsitz in einem EU-Land. Drittstaatsangehörige mit Aufenthaltsrecht in Österreich können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls teilnehmen
- Sprachkenntnisse: Ausreichendes Niveau in der Unterrichtssprache der Gasthochschule. In vielen Fällen reicht das Maturazeugnis als Nachweis aus, aber informiere dich frühzeitig, ob weitere Nachweise wie ein TOEFL- oder IELTS-Test erforderlich sind
- Studienleistungen: Alle bisher erbrachten Leistungen müssen bei der Bewerbung nachgewiesen werden. Ein guter Notendurchschnitt erhöht deine Chancen
- Partnerhochschule: Deine Heimatuni muss ein Erasmus-Abkommen mit der gewünschten Gasthochschule haben
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So planst du dein Auslandssemester
Schritt 1: Informieren (18 bis 12 Monate vorher)
Der erste und wichtigste Schritt: Informiere dich gründlich. Besuche das International Office (Büro für internationale Beziehungen) deiner Hochschule – das ist deine erste Anlaufstelle für alles rund ums Auslandssemester. Dort bekommst du:
- Informationen über Partnerhochschulen und deren Angebot
- Erfahrungsberichte früherer Erasmus-Studierender
- Bewerbungsfristen und benötigte Unterlagen
- Kontakt zum lokalen Erasmus Student Network (ESN)
- Informationen zu Fördermöglichkeiten und Zuschüssen
Überlege dir auch schon mal, welches Land und welche Stadt dich interessieren. Denke dabei nicht nur an die Uni, sondern auch an Sprache, Kultur, Lebenshaltungskosten, Klima und persönliche Vorlieben. Sprich mit Studierenden, die bereits im Ausland waren – ihre Erfahrungen sind Gold wert.
Tipp: Viele Unis veranstalten Informationsabende oder Erasmus-Messen, bei denen du dich umfassend informieren und ehemalige Erasmus-Studierende persönlich befragen kannst. Nutze diese Gelegenheiten unbedingt.
Schritt 2: Bewerben (12 bis 9 Monate vorher)
Die Bewerbung für Erasmus+ erfolgt über das International Office deiner Heimathochschule. Du bewirbst dich nicht direkt an der Gasthochschule, sondern wirst von deiner Uni nominiert. Achte genau auf die Bewerbungsfristen – diese variieren je nach Hochschule, liegen aber oft im November bis Februar für das darauffolgende Studienjahr.
Typische Bewerbungsunterlagen:
- Motivationsschreiben: Erkläre ehrlich, warum du ins Ausland möchtest und warum gerade an diese Uni. Gehe auf deine fachlichen Interessen, deine persönlichen Ziele und deine Sprachkenntnisse ein. Zeige, dass du dich mit dem Zielland und der Gasthochschule auseinandergesetzt hast
- Lebenslauf: Tabellarischer Lebenslauf mit Foto, Angaben über besondere Leistungen, ehrenamtliches Engagement und relevante Erfahrungen
- Notennachweis: Transcript of Records deiner bisherigen Studienleistungen
- Sprachnachweis: Je nach Zielland und Uni unterschiedlich. Oft reicht ein Online-Sprachtest, manche Universitäten verlangen aber offizielle Sprachzertifikate
- Empfehlungsschreiben: Manche Programme verlangen ein Empfehlungsschreiben von einem Professor oder einer Professorin
Schritt 3: Vorbereiten (6 bis 3 Monate vorher)
Wenn du die Zusage hast – herzlichen Glückwunsch! Jetzt geht die eigentliche Vorbereitung los:
- Learning Agreement: Zusammen mit deinem Studienkoordinator erstellst du ein Learning Agreement – eine Vereinbarung, welche Kurse du im Ausland besuchst und wie sie an deiner Heimatuni angerechnet werden. Das ist ein wichtiges Dokument, das vor der Abreise unterschrieben werden muss
- Unterkunft: Die Partneruni schickt dir in der Regel ein Bewerbungsformular für ein Studentenwohnheim. Schick es sofort zurück – die Plätze sind begehrt und schnell vergeben. Alternative: WG-Suche über lokale Facebook-Gruppen oder Plattformen wie HousingAnywhere
- Versicherung: Prüfe deinen Versicherungsschutz. Die EHIC-Karte deckt Grundversorgung ab, eine Zusatzversicherung (Haftpflicht, Reiserücktritt) kann sinnvoll sein
- Finanzen: Kläre die Finanzierung (Erasmus-Zuschuss, eventuell zusätzliche Stipendien, eigene Ersparnisse). Eröffne gegebenenfalls ein Bankkonto, das im Ausland keine Gebühren verlangt
- Dokumente: Personalausweis und Reisepass gültig? Impfungen aktuell? Internationaler Studierendenausweis beantragt?
- Sprachkenntnisse: Nutze die verbleibende Zeit, um deine Sprachkenntnisse aufzufrischen. Apps wie Duolingo, Babbel oder Tandem-Sprachpartner können helfen
Schritt 4: Erleben!
Und dann ist es soweit. Du stehst mit deinem Koffer in einer neuen Stadt und ein Abenteuer beginnt. Die ersten Tage können überwältigend sein – das ist völlig normal. Ein paar Tipps für die Zeit vor Ort:
- Knüpfe Kontakte mit einheimischen Studierenden – nicht nur mit anderen Erasmus-Studierenden. So lernst du die Sprache und Kultur wirklich kennen und bekommst einen authentischen Einblick in das Leben vor Ort
- Nutze die Angebote des Erasmus Student Network – Willkommensveranstaltungen, Ausflüge, Sprachabende, Kulturevents
- Reise in der Region – Europa bietet unendlich viel zu entdecken und die Reisekosten innerhalb des Kontinents sind überschaubar. Nutze Studentenrabatte bei Bahn und Flug
- Führe ein Tagebuch oder einen Blog – später wirst du froh sein, die Erinnerungen festgehalten zu haben
- Tauche in die lokale Kultur ein: Probiere die Küche, besuche lokale Märkte, lerne Traditionen kennen
- Sei offen für Neues und hab keine Angst vor Fehlern – sie gehören zum Lernen dazu
Schritt 5: Rückkehr und Nachbereitung
Wenn du zurückkommst, gibt es noch einiges zu erledigen:
- Leistungsanerkennung: Reiche dein Transcript of Records von der Gasthochschule beim International Office und bei deinem Studienkoordinator ein, damit die Kurse angerechnet werden
- Erfahrungsbericht: Die meisten Hochschulen verlangen einen Erfahrungsbericht, der zukünftigen Erasmus-Studierenden hilft
- Abschluss der Förderung: Reiche alle nötigen Dokumente für die finale Auszahlung des Erasmus-Zuschusses ein
- Netzwerk pflegen: Halte Kontakt zu den Freundschaften, die du geschlossen hast – sie sind ein wertvolles internationales Netzwerk
Finanzierung – was kostet ein Auslandssemester wirklich?
Die größte Sorge vieler Studierender: Kann ich mir das leisten? Die gute Nachricht: Österreich gehört beim Erasmus-Programm zu den Ländern mit der höchsten Förderung. Trotzdem solltest du realistisch planen.
Erasmus-Zuschuss
Der Zuschuss hängt vom Zielland ab. Die EU teilt die Länder in drei Gruppen ein:
- Gruppe 1 (hohe Lebenshaltungskosten): Dänemark, Finnland, Irland, Island, Liechtenstein, Luxemburg, Norwegen, Schweden – bis zu 600 Euro pro Monat
- Gruppe 2 (mittlere Lebenshaltungskosten): Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Malta, Niederlande, Portugal, Spanien, Zypern – etwa 540 Euro pro Monat
- Gruppe 3 (niedrigere Lebenshaltungskosten): Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ungarn – etwa 490 Euro pro Monat
Das deckt nicht alle Kosten, ist aber eine erhebliche Hilfe. Zusätzlich gibt es Aufschläge für Studierende mit Behinderung, für die Anreise mit nachhaltigen Verkehrsmitteln und für Studierende aus einkommensschwachen Verhältnissen.
Weitere Finanzierungsquellen
- OeAD-Stipendien: Der Österreichische Austauschdienst (OeAD) vergibt verschiedene Stipendien für Auslandsaufenthalte
- Studienbeihilfe: Wenn du in Österreich Studienbeihilfe beziehst, erhältst du diese in der Regel auch während des Auslandssemesters weiter. Manche Studienbeihilfenstellen zahlen sogar einen Auslandszuschuss
- Universitäre Stipendien: Viele österreichische Universitäten haben eigene Fördertöpfe für Auslandsaufenthalte
- Erspartes und Nebenjob: Je nach Zielland solltest du zusätzliche Ersparnisse einplanen. In manchen Erasmus-Ländern darfst du auch einen Nebenjob annehmen
Tipps zum Geldsparen findest du in unserem Artikel Sparen oder Investieren – Geldwissen einfach erklärt.
Alternativen zu Erasmus+
Erasmus ist das bekannteste, aber nicht das einzige Programm für ein Auslandssemester:
- Joint Study Programme: Bilaterale Abkommen zwischen einzelnen Unis, auch mit Hochschulen außerhalb Europas (USA, Kanada, Asien, Australien). Diese Programme sind besonders interessant, wenn du ein Auslandssemester außerhalb Europas machen möchtest
- OeAD (Österreichischer Austauschdienst): Fördert verschiedene Formen akademischer Mobilität und vergibt Stipendien für Studienaufenthalte weltweit
- Freemover: Du organisierst alles selbst, ohne institutionelles Programm. Mehr Aufwand, aber völlig freie Wahl der Hochschule weltweit. Allerdings musst du die Studiengebühren an der Gasthochschule selbst zahlen und die Anerkennung individuell klären
- Summer Schools: Kürzere Programme von 2 bis 6 Wochen an internationalen Unis, oft thematisch fokussiert. Eine gute Option, wenn du erst einmal reinschnuppern willst oder kein ganzes Semester im Ausland verbringen kannst
- Erasmus+ Praktikum: Wusstest du, dass du mit Erasmus+ auch ein Praktikum im Ausland machen kannst? Das geht auch noch bis zu 12 Monate nach dem Studienabschluss
Beliebte Erasmus-Ziele für österreichische Studierende
Wohin zieht es österreichische Erasmus-Studierende am häufigsten? Hier sind die beliebtesten Destinationen und was sie auszeichnet:
- Spanien: Das beliebteste Erasmus-Ziel überhaupt. Universitäten in Barcelona, Madrid, Valencia und Sevilla locken mit Sonne, Kultur und niedrigen Lebenshaltungskosten. Spanisch ist eine Weltsprache, die dir in vielen Karrieren hilft
- Italien: Bologna, Mailand, Rom oder Florenz – Italien verbindet akademische Exzellenz mit Lebensfreude. Die kulturelle Nähe zu Österreich erleichtert die Eingewöhnung
- Frankreich: Paris, Lyon, Bordeaux oder Straßburg – Frankreich bietet hervorragende Universitäten und eine reiche Kultur. Französischkenntnisse sind ein großes Plus in vielen Berufsfeldern
- Skandinavien: Stockholm, Kopenhagen, Helsinki – exzellente Universitäten, hohe Lebensqualität, fast alle Kurse auf Englisch. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten höher
- Portugal: Lissabon und Porto werden immer beliebter. Günstige Lebenshaltungskosten, tolle Surfspots und eine wachsende Start-up-Szene
- Niederlande: Amsterdam, Utrecht, Leiden – viele englischsprachige Studiengänge, internationale Atmosphäre und gute Infrastruktur
Wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlen wird das Auslandssemester im zweiten oder dritten Studienjahr, idealerweise im 4. oder 5. Semester. Zu diesem Zeitpunkt hast du dich bereits in deinem Studiengang integriert, kennst die Grundlagen deines Fachs und hast noch genug Zeit bis zur Abschlussarbeit. Aber auch während des Masters oder der Doktorarbeit ist ein Erasmus-Semester möglich und sinnvoll – im Master kann es sogar strategisch klüger sein, da du dich bereits spezialisiert hast.
Was du davon hast – die ehrliche Bilanz
Fachlich
- Neue Perspektiven auf dein Studienfach durch andere Lehr- und Forschungstraditionen
- Kurse, die es an deiner Heimatuni nicht gibt
- Internationale Forschungskontakte, die für Bachelor- oder Masterarbeit wertvoll sein können
- Verbesserte Fremdsprachenkenntnisse auf akademischem Niveau
Persönlich
- Selbstständigkeit und Eigenverantwortung – du lernst, dich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden
- Interkulturelle Kompetenz und Offenheit für andere Denkweisen
- Freundschaften fürs Leben aus ganz Europa und darüber hinaus
- Bessere Sprachkenntnisse durch tägliche Anwendung
- Erweiterter Horizont und neue Denkweisen, die dein gesamtes weiteres Leben bereichern
- Gestärktes Selbstvertrauen durch das Meistern neuer Herausforderungen
Beruflich
- Auslandserfahrung macht sich hervorragend im Lebenslauf und ist in vielen Branchen fast schon Voraussetzung
- Arbeitgeber schätzen interkulturelle Kompetenz, Flexibilität und Eigeninitiative
- Internationales Netzwerk für spätere Karriere, das dir Türen öffnen kann
- Bessere Fremdsprachenkenntnisse sind in der globalisierten Arbeitswelt ein klarer Wettbewerbsvorteil
Ob du nach der Schule erst reisen oder gleich durchstarten willst, erfährst du in unserem Artikel Gap Year oder gleich durchstarten.
Häufige Sorgen – und warum sie oft unberechtigt sind
„Ich verliere ein Semester“
Nicht wenn du dein Learning Agreement sorgfältig planst und die Kurse rechtzeitig mit deinem Studienkoordinator abstimmst. Die meisten Kurse können angerechnet werden, sodass du keine Zeit verlierst. Selbst wenn einzelne Kurse nicht anerkannt werden, lohnt sich das Auslandssemester für deine persönliche und berufliche Entwicklung allemal.
„Meine Sprachkenntnisse reichen nicht“
Viele Kurse werden auf Englisch angeboten – besonders in Skandinavien, den Niederlanden und in internationalen Masterprogrammen. Und die Sprachkenntnisse in der Landessprache verbesserst du vor Ort schneller als in jedem Kurs zuhause. Nach einem Semester im Ausland sprichst du oft besser als nach Jahren Unterricht. Trau dich!
„Ich werde Heimweh haben“
Wahrscheinlich ja – zumindest anfangs. Aber Heimweh ist völlig normal und geht in der Regel nach den ersten Wochen vorbei, wenn du neue Freundschaften geschlossen und dich eingelebt hast. Die meisten Erasmus-Studierenden berichten, dass sie am Ende nicht nach Hause wollten. Dank Videotelefonie und Messenger bleibst du mit Familie und Freunden eng verbunden.
„Ich kann mir das nicht leisten“
Erasmus-Zuschuss plus keine Studiengebühren plus gegebenenfalls günstigere Lebenshaltungskosten (je nach Land) machen es oft erschwinglicher als gedacht. Informiere dich über alle Fördermöglichkeiten – viele Studierende unterschätzen, wie viel finanzielle Unterstützung tatsächlich verfügbar ist.
„Ich finde keine Wohnung“
Die Wohnungssuche kann herausfordernd sein, besonders in beliebten Städten wie Barcelona oder Paris. Aber: Die Gasthochschulen haben in der Regel Wohnheimplätze für Erasmus-Studierende reserviert. Bewirb dich so früh wie möglich dafür. Alternativ helfen lokale Facebook-Gruppen, WG-Portale und das ESN-Netzwerk bei der Suche.
Praktische Tipps für die Zeit im Ausland
- Bankkonto: Eröffne vor der Abreise ein Konto mit kostenloser Auslandsabhebung oder nutze eine digitale Bank ohne Fremdwährungsgebühren
- Handyvertrag: Innerhalb der EU gilt zwar EU-Roaming, aber prüfe trotzdem die genauen Konditionen deines Vertrags
- Öffentlicher Verkehr: Informiere dich über Monats- oder Semestertickets am Studienort – das spart viel Geld
- Kochen statt essen gehen: Ein Großteil der Erasmus-Ausgaben geht für Essen und Trinken drauf. Wer öfter selbst kocht, spart erheblich
- Studentenrabatte nutzen: Der internationale Studierendenausweis (ISIC) bietet weltweit Rabatte auf Museen, Transport, Software und mehr
Nützliche Links und Anlaufstellen
- Erasmus+ Hochschulbildung – OeAD – die offizielle österreichische Erasmus+ Seite
- OeAD – Ins Ausland gehen – Programme und Stipendien des Österreichischen Austauschdienstes
- Jugendportal – Ausbildung – Informationen für junge Menschen in Österreich
Erasmus+ für Praktika im Ausland
Was viele nicht wissen: Erasmus+ fördert nicht nur Studienaufenthalte, sondern auch Praktika im europäischen Ausland. Du kannst für 2 bis 12 Monate ein Praktikum in einem Unternehmen, einer Forschungseinrichtung oder einer Organisation in einem Programmland absolvieren – und bekommst dafür einen monatlichen Zuschuss, der sogar etwas höher ausfällt als beim Studienaufenthalt.
Das Erasmus-Praktikum ist besonders attraktiv, weil du gleichzeitig Berufserfahrung sammelst, deine Sprachkenntnisse verbesserst und internationale Kontakte knüpfst. Und das Beste: Du kannst ein Erasmus-Praktikum sogar noch bis zu 12 Monate nach deinem Studienabschluss machen – perfekt als Einstieg in eine internationale Karriere.
Voraussetzungen für ein Erasmus-Praktikum
- Du musst an einer Hochschule eingeschrieben sein (oder maximal 12 Monate nach Abschluss)
- Das Praktikum muss in einem Programmland stattfinden, das nicht dein Heimatland ist
- Es muss ein Vollzeitpraktikum sein (mindestens 30 Stunden pro Woche)
- Du brauchst ein Learning Agreement for Traineeships, das von deiner Heimathochschule und dem Praktikumsbetrieb unterschrieben wird
Kulturschock und Eingewöhnung – was dich erwartet
Fast alle Erasmus-Studierenden erleben in den ersten Wochen eine Phase der Eingewöhnung, die manchmal als Kulturschock bezeichnet wird. Das ist völlig normal und gehört dazu. Du bist in einem fremden Land, kennst niemanden, musst dich in einer neuen Sprache zurechtfinden und alles ist anders als gewohnt – von den Essenszeiten über die Bürokratie bis zu den sozialen Umgangsformen.
Die gute Nachricht: Diese Phase geht vorbei. Die meisten Studierenden berichten, dass sie sich nach 2 bis 4 Wochen eingelebt haben und sich richtig wohlfühlen. Hier ein paar Tipps für die Eingewöhnungsphase:
- Gib dir Zeit: Es ist normal, dass du dich am Anfang fremd und unsicher fühlst. Das geht vorbei
- Geh raus und sei aktiv: Isolation verstärkt Heimweh. Nimm an Veranstaltungen teil, geh in Cafés, erkunde die Stadt
- Halte Kontakt nach Hause: Aber nicht zu viel. Ein täglicher Videocall mit der Familie kann die Eingewöhnung verlangsamen
- Lerne die Basics der Landessprache: Selbst einfache Sätze wie „Danke“, „Bitte“ und „Wo ist…?“ in der Landessprache öffnen Türen und schaffen Sympathie
- Finde Routinen: Ein Lieblingscafé, ein Jogging-Route, ein Stammmarkt – Routinen geben Halt in der neuen Umgebung
- Sei geduldig mit dir selbst: Fehler beim Sprechen, Missverständnisse, Orientierungsprobleme – all das gehört dazu und ist kein Grund zur Frustration
Was ehemalige Erasmus-Studierende sagen
Die überwältigende Mehrheit der ehemaligen Erasmus-Studierenden beschreibt das Auslandssemester als eine der besten Erfahrungen ihres Lebens. Studien der Europäischen Kommission zeigen, dass Erasmus-Alumni im Vergleich zu Studierenden ohne Auslandserfahrung bessere berufliche Aussichten haben, offener und anpassungsfähiger sind und häufiger internationale Karrieren einschlagen.
Besonders oft genannt werden diese Erfahrungen: die Freundschaften, die über Ländergrenzen hinweg halten; das Gefühl, selbstständiger und reifer geworden zu sein; die verbesserten Sprachkenntnisse, die im Berufsalltag einen echten Unterschied machen; und die Erkenntnis, dass die Welt größer und gleichzeitig verbundener ist, als man vorher dachte.
Fazit – mach es einfach
Ein Auslandssemester ist eine der besten Investitionen in dich selbst. Du lernst nicht nur fachlich dazu, sondern wächst als Mensch. Du wirst selbstständiger, offener und mutiger. Und du kommst mit Erinnerungen und Freundschaften zurück, die ein Leben lang halten.
Die Planung mag aufwändig erscheinen – aber sie lohnt sich. Und sie ist bei Weitem nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick wirkt. Millionen Studierende haben es vor dir gemacht, und die allermeisten sagen: Es war die beste Entscheidung meines Studiums.
Fang heute an: Geh zum International Office deiner Uni, hol dir Infos und träum nicht nur davon, sondern mach es. Du wirst es nicht bereuen.