Lebenslauf für Lehrstelle und Ferialjob – Aufbau, Vorlage und typische Fehler

Lebenslauf für Lehrstelle und Ferialjob - Aufbau, Vorlage und typische Fehler

9.900 Jugendliche suchen 2026 im Jahresdurchschnitt eine Lehrstelle. Gemeldet sind dem AMS im selben Zeitraum rund 6.180 offene Plätze. Die Zahl der Suchenden steigt um acht Prozent – und damit steigt auch, wie viel eine gute Bewerbung ausmacht.

Der Lebenslauf ist dabei das Dokument, das zuerst gelesen wird und über das am wenigsten nachgedacht wird. Zwei Minuten, oft weniger. In dieser Zeit entscheidet sich, ob jemand die Zeugnisse überhaupt anschaut.

Die gute Nachricht: Ein Lebenslauf für die erste Bewerbung folgt einer festen Struktur. Wer sie kennt, braucht keine kostenpflichtige Vorlage und kein Designtalent.

Wie der Lehrstellenmarkt 2026 aussieht

Rund 40 Prozent eines Jahrgangs entscheiden sich in Österreich für eine Lehre. Laut der Lehrlingsprognose des AMS stehen 2026 im Jahresdurchschnitt 97.440 Jugendliche in einem Lehrverhältnis – 91.900 davon in einem Betrieb, 5.540 in einer überbetrieblichen Ausbildung.

Die Zahlen sagen zwei Dinge. Erstens: Die Lehre ist kein Restweg für alle, bei denen es sonst nicht gereicht hat, sondern der Weg von vier aus zehn. Zweitens verschiebt sich das Verhältnis gerade zuungunsten der Bewerberinnen und Bewerber. Wer sich früh und sauber bewirbt, hat einen realen Vorteil – nicht bloß ein besseres Gefühl.

Wohin sich alle bewerben – und warum das deine Chance ist

Die Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer zählt zum Stichtag 31. Dezember 2025 insgesamt 102.878 Lehrlinge in Österreich, ein Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 70.017 davon sind Burschen, 32.845 Mädchen – der Mädchenanteil liegt bei knapp 32 Prozent.

Noch auffälliger ist, wie eng sich die Berufswahl verteilt. Die drei häufigsten Lehrberufe bei Mädchen sind Einzelhandel mit 5.514, Bürokauffrau mit 3.043 und Friseurin mit 1.979 Lehrlingen – zusammen ein Drittel aller weiblichen Lehrlinge. Bei den Burschen führen Elektrotechnik mit 9.030, Metalltechnik mit 8.407 und Kraftfahrzeugtechnik mit 7.605, ebenfalls rund ein Drittel.

Für deine Bewerbung heißt das zweierlei. In den großen Berufen konkurrierst du mit vielen, dort zählt jedes Detail in den Unterlagen. In den kleineren – Konditorei mit 818 Lehrlingen, Restaurantfachfrau mit 782 – suchen Betriebe teils händeringend, und eine ordentliche Bewerbung fällt sofort auf.

Wer noch unsicher ist, welcher Beruf überhaupt passt, findet im Beitrag über Lehre, Matura oder Studium die Entscheidungsgrundlagen – dieser Text setzt danach an.

Der Aufbau: fünf Blöcke, eine Seite

Das AMS empfiehlt den tabellarischen Lebenslauf mit maximal ein bis zwei A4-Seiten, Schriftgröße 11, in einer gut lesbaren Schrift wie Arial oder Calibri. Für eine erste Bewerbung reicht eine Seite. Zwei sind ein Warnsignal, kein Fleißnachweis.

Kostenlose Vorlagen gibt es dort ebenfalls zum Herunterladen. Nimm sie als Gerüst, aber tausch den Text komplett aus – Formulierungen aus einer Mustervorlage erkennt jede Personalverantwortliche nach dem dritten Mal.

1. Kopf: Name, Kontakt, Foto

Vor- und Nachname, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse. Das Foto steht in Österreich üblicherweise rechts oben.

Der häufigste vermeidbare Fehler steckt in der E-Mail-Adresse. Wer sich mit einer Adresse aus der Unterstufe bewirbt, verliert Punkte, bevor der erste Satz gelesen ist. Vorname.Nachname bei einem gängigen Anbieter, fünf Minuten Aufwand.

Zweiter Punkt, den kaum jemand prüft: die Mailbox am Handy. Wenn ein Betrieb anruft und niemand abhebt, wird eine Nachricht hinterlassen – vorausgesetzt, die Mailbox ist eingerichtet und nicht voll.

2. Ausbildung – bei dir ganz oben

Hier weicht der Lebenslauf für die erste Bewerbung vom Standard ab. Normalerweise kommt der berufliche Werdegang zuerst. Wenn du noch keinen hast, rückt die Ausbildung an die erste Stelle.

Führ alle Schulen an, die du besucht hast, mit Zeitraum und Ort. Das AMS empfiehlt das ausdrücklich für Lehrstellensuchende – später, nach der Ausbildung, reicht dann der höchste Abschluss. Angeordnet wird anti-chronologisch: das Aktuellste zuerst.

Schwerpunkte, Freifächer und Wahlpflichtfächer gehören dazu, wenn sie zur Stelle passen. Wer sich für eine Lehre als Elektrotechniker bewirbt und in der Schule einen technischen Zweig hatte, schreibt das hin.

3. Praktische Erfahrung – auch die kleine

Berufspraktische Tage, Schnuppertage, Ferialjobs, Aushilfe im Familienbetrieb, Babysitten mit Regelmäßigkeit, Vereinsarbeit. Alles mit Zeitraum, Betrieb und einer knappen Zeile, was du dort tatsächlich gemacht hast.

„Schnuppertage, Bäckerei Müller, Oktober 2025“ ist schwächer als „Schnuppertage, Bäckerei Müller, Oktober 2025 – Mithilfe in der Backstube ab 5 Uhr, Vorbereitung der Auslage“. Der zweite Eintrag zeigt, dass du weißt, worauf du dich einlässt.

4. Kenntnisse

Sprachen mit ehrlicher Niveauangabe, EDV-Kenntnisse, Führerschein oder Mopedausweis, falls vorhanden. Bei Sprachen gilt: Was du hinschreibst, kann im Gespräch geprüft werden. „Englisch fließend“ nach vier Jahren Schulenglisch ist eine Behauptung, die sich in zwei Sätzen aufklärt.

5. Interessen

Der Block, den viele zuletzt und lieblos ausfüllen – dabei ist er bei einer ersten Bewerbung oft der aussagekräftigste. Der Betrieb erfährt hier, was du tust, wenn dich niemand dazu auffordert.

Konkret sein: nicht „Sport“, sondern „Fußball, seit sechs Jahren im Verein, seit 2025 Jugendschiedsrichter“. Nicht „Musik“, sondern „Schlagzeug, Bandproben zweimal pro Woche“. Erfundene Hobbys sind laut AMS ein klassischer Fehler – und fliegen im Gespräch verlässlich auf.

So sieht das im Rohbau aus

Ein Muster für eine Bewerbung um eine Lehrstelle im Einzelhandel, mit erfundenen Daten – die Struktur ist das, was zählt:

  • Kopf: Lena Berger, Hauptstraße 12, 8430 Leibnitz, 0664 1234567, lena.berger@example.at, geboren am 3. März 2011
  • Ausbildung: 2021 bis 2026 Mittelschule Leibnitz, Schwerpunkt Wirtschaft und Digitalisierung. 2017 bis 2021 Volksschule Kaindorf.
  • Praktische Erfahrung: Berufspraktische Tage, Sportgeschäft Wagner, März 2026 – Warenübernahme, Etikettierung, Kundenberatung im Schuhbereich. Ferialaushilfe, Bäckerei Steiner, Juli 2025 – Verkauf und Kassa an Samstagen.
  • Kenntnisse: Deutsch (Muttersprache), Englisch (Schulniveau, mündlich sicher), Word und Excel (Grundkenntnisse), Instagram-Redaktion für den Sportverein
  • Interessen: Volleyball, seit vier Jahren im Verein, seit 2025 Betreuerin der U12-Mannschaft. Fotografie.

Zwei Details an diesem Muster sind wichtiger, als sie aussehen. Die praktische Erfahrung nennt Tätigkeiten, nicht nur Betriebe. Und der Interessenblock enthält mit der Betreuerinnenrolle etwas, das Verantwortung zeigt – genau daran hängt bei Bewerbungen aus derselben Schulstufe oft die Entscheidung.

Ferialjob: dieselbe Struktur, halb so viel Aufwand

Für einen Ferialjob läuft die Bewerbung schlanker. Viele Betriebe arbeiten mit Onlineformularen, manche nehmen die Bewerbung persönlich entgegen. Der Lebenslauf bleibt derselbe – dazu kommen drei Angaben, die im Lehrstellen-Lebenslauf nichts verloren haben:

  • Verfügbarkeit mit Datum: „von 6. Juli bis 28. August 2027“ ist brauchbar, „in den Sommerferien“ nicht – die dauern je nach Bundesland unterschiedlich lang.
  • Wochenstunden und Schichtbereitschaft: Wer Wochenenden oder Abende übernehmen kann, sollte das hinschreiben. Genau daran scheitern Besetzungen in Handel und Gastronomie.
  • Anreise: Ob du selbst hinkommst – mit dem Rad, dem Bus oder dem Moped – ist für Betriebe außerhalb der Stadt eine echte Information.

Bewirb dich früh. Die guten Ferialstellen sind im Februar ausgeschrieben und im April vergeben. Und rechne vorher nach, was du verdienen darfst, ohne dass es Konsequenzen hat: Die Grenzen stehen im Beitrag zu Ferialjob und Zuverdienst.

Was freiwillig ist – und was du weglassen kannst

Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand und Staatsangehörigkeit sind laut AMS optionale Angaben. Es ist deine Entscheidung, wie viel du offenlegst. In der Praxis ist das Geburtsdatum bei Lehrstellenbewerbungen üblich, weil der Betrieb ohnehin wissen muss, ob Jugendschutzbestimmungen greifen.

Auch das Foto ist nicht verpflichtend, im deutschsprachigen Raum aber Standard. Wenn du eines beilegst, dann ein aktuelles im Halbporträt vor ruhigem Hintergrund – kein Ausschnitt aus einem Gruppenfoto, kein Selfie, kein Bild aus dem letzten Sommerurlaub.

Zu Lücken und Umwegen: Ein Schulwechsel, ein abgebrochener Schultyp oder ein Jahr, das nicht gepasst hat, gehören in den Lebenslauf – mit Zeitraum, ohne Rechtfertigung. Das AMS rät, solche Phasen anzuführen und im Gespräch erklären zu können. Weglassen erzeugt eine Lücke, die auffällt und beim Nachfragen schlechter dasteht als die Sache selbst.

Weglassen kannst du: Noten aus einzelnen Fächern (die stehen im Zeugnis), Volksschulzeugnisse, Zertifikate ohne Bezug zur Stelle und alles, was du nicht erklären kannst.

Das Bewerbungsschreiben: kurz, konkret, an eine Person

Pflichtbestandteil jeder Lehrstellenbewerbung sind laut AMS das Bewerbungsschreiben und der Lebenslauf, dazu das Zeugnis der höchsten abgeschlossenen Schulstufe. Schnupperberichte und Empfehlungsschreiben sind optional, machen aber Eindruck.

Das Schreiben passt auf eine Seite und enthält Kontaktdaten, Empfänger, Ort und Datum, einen aussagekräftigen Betreff, eine persönliche Anrede, eine kurze Einleitung, den Hauptteil mit deinen Stärken und einen Schluss mit aktiver Formulierung.

Der entscheidende Unterschied zwischen einer Bewerbung, die gelesen wird, und einer, die weggelegt wird, liegt in zwei Details: Steht ein Name in der Anrede statt „Sehr geehrte Damen und Herren“? Und steht im Hauptteil etwas, das nur auf diesen Betrieb zutrifft?

Konkret heißt das: Statt „Ihr Unternehmen ist mir als attraktiver Arbeitgeber bekannt“ lieber ein Satz, der zeigt, dass du hingeschaut hast – zur zweiten Filiale, zum neuen Standort, zum Produkt, das du selbst benutzt.

Der Name lässt sich meist auf der Website finden oder mit einem Anruf erfragen. Dieser Anruf ist kein Störfaktor – er ist bereits der erste Eindruck, und in kleinen Betrieben oft der wichtigere.

Wenn du das Gefühl hast, nichts vorweisen zu können

Das ist mit 14 oder 15 der Normalfall, kein Mangel. Trotzdem lässt sich fast immer etwas Konkretes finden:

  • Berufspraktische Tage aus der Schule – auch wenn sie nur drei Tage gedauert haben
  • Mitarbeit bei Feuerwehr, Rettung, Pfadfindern, im Sportverein
  • Nachhilfe für jüngere Geschwister oder Mitschülerinnen
  • Ein Projekt aus dem Unterricht, das du präsentiert hast
  • Ferienarbeit im Familienbetrieb oder in der Landwirtschaft
  • Ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde oder Pfarre

Was davon zählt, entscheidet nicht die Größe, sondern die Regelmäßigkeit. Zwei Jahre jeden Dienstag zum Training und zurück sagen über Verlässlichkeit mehr aus als ein einwöchiges Praktikum. Wie sich freiwilliges Engagement später auszahlt, steht im Beitrag über Ehrenamt und Freiwilligenarbeit.

Die Datei: Format, Name, Mail

Bewerbungen gehen heute meist per E-Mail oder über ein Onlineformular. Drei Regeln, die überraschend oft ignoriert werden:

PDF, nicht Word. Ein Word-Dokument verschiebt sich je nach Programm und Version. Ein PDF sieht überall so aus, wie du es abgeschickt hast.

Sprechender Dateiname. „Bewerbung_Lehrstelle_MariaHuber.pdf“ statt „Dokument1.pdf“ oder „bewerbung_final_final2.pdf“. Auf der Gegenseite landen dutzende Dateien in einem Ordner.

Alles in einer Datei. Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnis in einem PDF, in dieser Reihenfolge. Niemand öffnet gern fünf Anhänge.

In die Mail selbst gehören zwei bis drei Sätze und ein klarer Betreff mit der Bezeichnung der Lehrstelle. Eine leere Mail mit Anhang wirkt, als hätte jemand dieselbe Datei an dreißig Betriebe geschickt – was oft stimmt, aber nicht sichtbar sein sollte.

Beilagen: was mitgeht und was nicht

Mitschicken solltest du das Zeugnis der zuletzt abgeschlossenen Schulstufe – bei einer Bewerbung während des laufenden Schuljahres also das Jahreszeugnis des Vorjahres, ergänzt um die Schulnachricht, wenn sie besser ist. Dazu Schnupperberichte, Kursbestätigungen und Empfehlungsschreiben, falls vorhanden.

Originale gehen nie mit. Kopien oder Scans reichen, beglaubigte Abschriften verlangt bei einer Lehrstellenbewerbung niemand. Wenn du deine Zeugnisse einscannst: gerade ausgerichtet, gut lesbar, als PDF – ein schiefes Handyfoto mit Schlagschatten ist ein vermeidbarer Minuspunkt.

Was nicht dazugehört: Zeugnisse aus der Volksschule, Teilnahmebestätigungen von Schulveranstaltungen und alles, was älter als drei Jahre ist und keinen Bezug zur Stelle hat. Der Stapel wird davon nur dicker, nicht überzeugender.

Nach dem Absenden nicht einfach warten

Eine Woche nach der Bewerbung ist ein Anruf legitim und wird in kleinen Betrieben eher positiv registriert. Drei Sätze reichen: wer du bist, worauf du dich beworben hast, ob die Unterlagen angekommen sind. Das ist kein Nachbohren, sondern ein Zeichen, dass dir die Stelle wichtig ist.

Führ dabei eine simple Liste mit, wo du dich wann beworben hast. Bei zehn oder fünfzehn Bewerbungen weiß man sonst nach vier Wochen nicht mehr, wer sich schon gemeldet hat – und ein Rückruf, bei dem du nicht weißt, um welche Stelle es geht, kostet den Eindruck, den die Unterlagen aufgebaut haben.

Wann du anfangen solltest

Das AMS empfiehlt, rund neun bis zwölf Monate vor dem gewünschten Lehrbeginn mit der Suche zu starten. Für den Lehrstart im Herbst heißt das: Herbst des letzten Schuljahres, nicht Juni.

Der Grund ist banal. Betriebe, die im September aufnehmen, führen ihre Gespräche im Winter und Frühjahr. Wer im Mai fragt, bewirbt sich auf das, was übrig geblieben ist.

Vier Wege parallel funktionieren am besten: die Lehrstellenbörse des AMS, auf der Betriebe und die Wirtschaftskammer offene Stellen direkt einstellen, die Websites der Betriebe in deiner Region, das persönliche Umfeld – und Schnuppertage, bei denen du dich ohnehin schon vorstellst.

Nach den Unterlagen kommt oft ein Test

Viele Betriebe und praktisch alle größeren Ausbildungsbetriebe schalten zwischen Bewerbung und Gespräch einen Eignungstest. Das AMS unterscheidet vier Typen: Wissenstest, Persönlichkeitstest, Intelligenz- und Logiktest sowie Konzentrationstest.

In der Praxis läuft es bei Lehrstellen meist auf eine Mischung aus Rechnen, Deutsch, etwas Englisch und Logikaufgaben unter Zeitdruck hinaus. Der Wiener LehrstellenCheck prüft genau diese Grundfähigkeiten.

Zwei Dinge helfen wirklich: Prozentrechnen, Dreisatz und Bruchrechnen auffrischen – das ist der Teil, an dem die meisten scheitern, und er lässt sich in ein paar Nachmittagen wieder aufbauen. Und den Zeitdruck üben, nicht nur den Stoff. Wer zu Hause ohne Uhr rechnet, unterschätzt, wie sehr das Tempo im Test die Fehlerquote hebt.

Konzentrationstests kann man nicht lernen, aber sabotieren: durch zu wenig Schlaf in der Nacht davor. Wenn dir das regelmäßig passiert, findest du im Beitrag über Schlafprobleme ein paar brauchbare Ansätze.

KI beim Lebenslauf: hilfreich, aber erkennbar

Ein Chatbot formuliert flüssige Sätze, und genau das ist das Problem. Wenn dreißig Bewerbungen mit denselben Wendungen ankommen – „Mit großem Interesse habe ich Ihre Ausschreibung gelesen“ -, fällt das auf. In kleinen Betrieben sitzt oft die Chefin selbst beim Lesen, und die kennt den Ton nach der zehnten Mail.

Sinnvoll ist KI als Korrekturhilfe: Rechtschreibung prüfen, Sätze kürzen, Struktur checken. Nicht sinnvoll ist es, den Inhalt erfinden zu lassen. Was im Anschreiben steht, musst du im Gespräch erklären können – und der Widerspruch zwischen geschliffenem Text und stockender Antwort ist der schnellste Weg zur Absage. Wo KI im Schulalltag hilft und wo sie schadet, ist im Beitrag über KI-Tools für die Schule ausführlicher behandelt.

Die häufigsten Fehler

  • Rechtschreibfehler. Der einzige Fehler, der sich zu hundert Prozent vermeiden lässt – lass jemanden gegenlesen, der nicht mitgeschrieben hat.
  • Widersprüche zwischen Lebenslauf und Anschreiben, etwa unterschiedliche Zeiträume für dasselbe Praktikum.
  • Verschnörkelte Schriften und bunte Designs. Lesbarkeit schlägt Kreativität, außer du bewirbst dich in einem gestalterischen Beruf.
  • Generische Formulierungen, die auf jeden Betrieb passen würden.
  • Zu lange Listen mit Fähigkeiten, die niemand überprüfen kann.
  • Unprofessionelle Fotos – lieber gar keines als ein schlechtes.

Wenn keine Zusage kommt

Absagen gehören dazu, und sie sagen bei einer ersten Bewerbung selten etwas über die Person aus. Zwei Dinge helfen weiter.

Erstens: nachfragen. Ein kurzer Anruf, warum es nicht gepasst hat, bringt öfter eine brauchbare Antwort, als man erwartet – und gelegentlich den Hinweis auf einen anderen Betrieb. Manchmal ist die Antwort auch schlicht, dass jemand mit einem abgeschlossenen Schuljahr mehr vorne lag. Das sagt nichts über dich aus, sondern über die Reihenfolge, in der ausgewählt wurde.

Wichtig ist, was du mit der Information anfängst. Wenn dreimal derselbe Punkt genannt wird – fehlende Praxis, unklare Berufsvorstellung, Fehler in den Unterlagen -, ist das kein Pech mehr, sondern eine Baustelle. Schnuppertage im Sommer sind der schnellste Weg, die erste davon zu schließen.

Zweitens: die überbetriebliche Lehrausbildung. 5.540 Jugendliche werden 2026 auf diesem Weg ausgebildet, wenn kein betrieblicher Platz gefunden wird. Der Abschluss ist derselbe, die Lehrabschlussprüfung dieselbe. Wer keinen Platz findet, meldet sich beim AMS – dort läuft die Zuteilung.

Und wenn die Bewerbung sitzt, kommt der Teil, über den die meisten mehr nachdenken als über die Unterlagen: das Gespräch. Welche Fehler dort am häufigsten passieren, steht im Beitrag über die zehn häufigsten Fehler im Bewerbungsgespräch.