Berufsreifeprüfung neben Lehre oder Job – die Matura nachholen in Österreich

Du hast die Lehre abgeschlossen, vielleicht arbeitest du schon ein paar Jahre, und merkst: Ohne Matura geht beruflich vieles nicht. Bestimmte Studiengänge brauchen sie, manche Beförderungen verlangen sie offiziell oder inoffiziell, manche Berufswechsel scheitern an dem fehlenden Stück Papier. Die gute Nachricht: Du musst nicht nochmal in die Schule. Die Berufsreifeprüfung – kurz BRP – lässt dich die Matura neben Lehre, Beruf oder Familie nachholen. Über 50.000 Menschen in Österreich haben das schon getan.

Dieser Artikel zeigt dir, wie die BRP wirklich funktioniert – vier Teilprüfungen, was sie kostet, welche Förderungen es gibt, wie lange du brauchst und welche Anbieter (WIFI, BFI, VHS, LFI) wirklich passen. Plus: Was unterscheidet die BRP von der Studienberechtigungsprüfung, und ist Lehre + Matura nicht eh die bessere Variante?

Das Wichtigste in Kürze

  • Berufsreifeprüfung (BRP): vollwertige Matura für Erwachsene mit beruflicher Erstausbildung
  • 4 Teilprüfungen: Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache, Fachbereich
  • Voraussetzungen: mindestens 19 Jahre bei der letzten Prüfung, abgeschlossene Lehre / 3-jährige BMS / Meisterprüfung
  • Kosten gesamt: 3.500-4.100 € für Vorbereitungskurse plus rund 460 € Prüfungsgebühren – vor Förderungen
  • Dauer: meist 2 Jahre berufsbegleitend, mindestens 1 Jahr
  • „Lehre mit Matura“ für aktive Lehrlinge: vollständig kostenfrei, vom Bund finanziert
  • Anbieter: WIFI, BFI, Volkshochschulen (VHS), LFI, private Maturaschulen
  • Anerkennung: uneingeschränkt – BRP gilt als vollwertige Matura für jedes Studium und jeden Beruf

Was die BRP wirklich ist – und was sie nicht ist

Die Berufsreifeprüfung wurde 1997 in Österreich eingeführt, um Menschen mit Lehre, Fachschule oder Meisterprüfung einen zweiten Bildungsweg zur Hochschulreife zu öffnen. Anders als die klassische AHS-Matura schreibst du sie nicht in einer durchgehenden Schulzeit, sondern legst die vier Teilprüfungen einzeln ab – meist nach Vorbereitungskursen, die berufsbegleitend laufen.

Wichtig zu verstehen: Die BRP ist eine vollwertige Matura. Mit ihr kannst du an jeder österreichischen Universität, Fachhochschule oder pädagogischen Hochschule studieren. Sie steht der AHS- oder BHS-Matura rechtlich in nichts nach. Manche Personalist:innen wissen das nicht, daher kann es bei Bewerbungen vorkommen, dass du die Gleichwertigkeit erklären musst – juristisch gibt es aber keine Unterschiede.

BRP vs. Studienberechtigungsprüfung (SBP)

Eine häufige Verwechslung. Die Studienberechtigungsprüfung (SBP) ist eine andere, ältere Variante. Wichtigste Unterschiede:

  • BRP: Vollwertige Matura, gilt für ALLE Studien und Berufe – auch ohne Bezug zu deinem ursprünglichen Beruf. Voraussetzung: abgeschlossene Erstausbildung. Kein staatliches Stipendium möglich
  • SBP: Berechtigt nur zu einem bestimmten Studium oder einer Studienrichtung. Voraussetzung: 22 Jahre alt, keine zwingende Vorbildung. Stipendium möglich

Für die meisten ist die BRP der bessere Weg, weil sie maximale Flexibilität gibt. Wer aber genau weiß, dass er Psychologie studieren will und keine Lehre hat, kann die SBP überlegen.

Die vier Teilprüfungen im Detail

1. Deutsch

Eine schriftliche Klausur über 5 Stunden, dazu eine mündliche Prüfung. Inhaltlich auf Maturaniveau: Textanalyse, literarische Erörterung, Argumentation, sprachliche Präzision. Wer in Deutsch in der Schule schon Probleme hatte, muss hier am meisten Zeit investieren – das Niveau ist deutlich höher als beim Lehrabschluss.

2. Mathematik

Schriftliche Klausur über 4,5 Stunden. Inhalt: Funktionen, Differenzial- und Integralrechnung, Statistik, Wahrscheinlichkeit, Geometrie, Vektorrechnung. Für viele die anspruchsvollste Prüfung, gerade wenn die Schulzeit schon Jahre zurückliegt. Realistisch: Mathematik braucht das gesamte oder fast das gesamte Vorbereitungsjahr.

3. Lebende Fremdsprache

Meist Englisch, möglich sind aber auch Französisch, Italienisch, Spanisch oder Russisch. Schriftlich oder mündlich, je nach Sprache und Anbieter. Wer beruflich schon mit Englisch zu tun hat, hat hier oft die wenigste Arbeit. B2-Niveau wird erwartet (selbständige Sprachverwendung).

4. Fachbereich

Der Fachbereich ist die Besonderheit der BRP – er bezieht sich auf deine berufliche Erstausbildung. Wer Tischler:in gelernt hat, macht den Fachbereich „Bautechnik“ oder ähnliches. Bürokaufleute oft „Wirtschaft“. Diese Prüfung ist projektorientiert: Du erstellst eine schriftliche Arbeit (Projektarbeit) und verteidigst sie mündlich. Ähnlich wie eine Vor-Diplomarbeit.

Vorteil: Der Fachbereich ist meist die machbarste Prüfung, weil du auf vorhandenes Wissen aufbaust. Nachteil: Die Projektarbeit ist umfangreich – rechne mit 3-6 Monaten konzentrierter Arbeit.

Wer kann die BRP machen?

Die formellen Voraussetzungen laut erwachsenenbildung.at:

  • Abgeschlossene Lehre, oder
  • Abgeschlossene mindestens 3-jährige mittlere Schule (BMS), oder
  • Mindestens 3-jährige Krankenpflegeschule, oder
  • Erfolgreich abgelegte Meister- oder Befähigungsprüfung
  • Mindestalter 19 Jahre bei der letzten Teilprüfung

Damit fallen die meisten praktisch ausgebildeten Menschen unter die Berechtigung. Wer keine dieser Vorbildungen hat, kann auf die Studienberechtigungsprüfung ausweichen.

Lehre + Matura – die kostenlose Variante

Wer noch in der Lehre ist, hat eine besondere Chance: Im Modell „Lehre mit Matura“ (eingeführt 2008) übernimmt der Bund die kompletten Kurs- und Prüfungskosten. Du machst neben deiner Lehre Vorbereitungskurse und kannst bis zu drei Teilprüfungen schon vor dem Lehrabschluss ablegen. Die vierte Prüfung legst du nach der Lehrabschlussprüfung ab.

Vorteile:

  • Vollständig kostenlos – Kurse und Prüfungen vom Bund bezahlt
  • Vorbereitung läuft strukturiert während der Lehre
  • Du verlierst kein Jahr – Matura und Lehrabschluss kommen fast gleichzeitig
  • Lehrbetriebe sind in der Regel verpflichtet, dich für Kurse freizustellen (in den meisten Branchenkollektivverträgen)

Nachteile:

  • Hoher Lernaufwand neben der Lehre – typisch 4-8 Stunden pro Woche zusätzlich
  • Wenig Freizeit, gerade in Klausurphasen
  • Disziplin gefragt – wer zwischendurch aufgibt, muss meist die Förderung zurückzahlen

Mehr zur kombinierten Variante in unserem Artikel Lehre mit Matura – der unterschätzte Karriereweg.

Was die BRP nach der Lehre kostet

Wenn du nicht mehr in der Lehre bist, fallen die normalen Kosten an. Laut Arbeiterkammer Oberösterreich rechne mit:

  • Vorbereitungskurse für alle 4 Fächer: 3.500-4.100 € insgesamt, je nach Anbieter und Bundesland
  • Prüfungsgebühren: rund 460 € für alle vier Teilprüfungen
  • Lernmaterialien: 100-300 € (Bücher, Online-Material)
  • Wiederholungsprüfungen: rund 80 € pro Wiederholung

Gesamt also typischerweise 4.000-5.000 € vor Förderungen. Mit Förderungen sinken die effektiven Kosten oft um 30-60 %.

Welche Förderungen es gibt

Hier lohnt es sich richtig hinzuschauen, weil die BRP-Förderungen je nach Bundesland deutlich unterschiedlich sind. Eine grobe Übersicht für 2026:

Wien

  • WAFF Wiener Ausbildungsbeihilfe: bis 50 % der Kurskosten, max. 3.000 €
  • AK Wien Bildungsgutschein: 120 € einmalig

Niederösterreich

  • Sonderprogramm Berufsreifeprüfung: bis zu 80 % der Kurskosten
  • NÖ Bildungsförderung: Zusätzliche Zuschüsse je nach Einkommen

Oberösterreich

  • Bildungskonto des Landes OÖ: Förderung pro Kurs, nicht erst nach Abschluss
  • AK-Bildungsbonus: 150 € pro Kursjahr
  • AK-Leistungskarte: 10 % pro Kurs bei BFI und VHS Linz, max. 90 €

Steiermark, Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Burgenland

Jedes Bundesland hat eigene Bildungskonten und AK-Bonus-Programme. Höhe variiert zwischen 200 € und mehreren Tausend Euro. Die genauen Konditionen findest du auf der Seite deiner regionalen Arbeiterkammer oder unter erwachsenenbildung.at.

Bundesweite Förderungen

  • Steuerliche Absetzbarkeit: Bildungskosten als Werbungskosten in der Arbeitnehmerveranlagung – typische Ersparnis 30-40 % der absetzbaren Kosten
  • Gewerkschaftsförderung: Manche Gewerkschaften zahlen Zuschüsse für Mitglieder
  • AMS-Bildungskarenz: Wenn du im Arbeitsverhältnis bist und mit deinem Arbeitgeber Bildungskarenz vereinbarst, übernimmt das AMS während der Karenzzeit das Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengelds. Mehr dazu in unserem Artikel AMS unter 25

Wichtig: Die BRP wird NICHT durch das klassische Studienstipendium gefördert – das ist ein häufiges Missverständnis.

Die wichtigsten Anbieter im Überblick

WIFI – Wirtschaftsförderungsinstitut

Größter Anbieter in Österreich, getragen von der Wirtschaftskammer. Standorte in jedem Bundesland. Vorteile: dichtes Netz, professionelle Strukturen, oft Kooperationen mit Arbeitgebern. Nachteile: tendenziell wirtschaftsorientiertes Klientel, manchmal teurer als andere Anbieter.

BFI – Berufsförderungsinstitut

Pendant des WIFI auf der Arbeitnehmer:innen-Seite, getragen vom ÖGB und der Arbeiterkammer. Standorte ebenfalls flächendeckend. Oft günstiger als WIFI, mehr Förderungen für Mitglieder der AK. Pädagogisch teils etwas weniger durchstrukturiert, aber persönlicher.

Volkshochschulen (VHS)

Lokale Anbieter, sehr unterschiedliche Qualität je nach Standort. In Wien etwa sehr stark, in kleineren Städten variabel. Tendenz: günstigste Variante, aber kleinere Gruppen können auch ausfallen, wenn zu wenige Anmeldungen.

LFI – Ländliches Fortbildungsinstitut

Schwerpunkt im ländlichen Raum, oft mit Fokus auf landwirtschaftliche oder regionale Fachbereiche. Sinnvoll, wenn dein Beruf in diesem Bereich liegt.

Private Maturaschulen

Kleinere Anbieter wie Maturaschule Roland, Dr. Roland, Maturaschule Roland Wien, Roland-Maturaschule und ähnliche. Oft intensivere Betreuung, kleinere Gruppen, aber teurer (5.000-7.000 € gesamt). Sinnvoll, wenn du den klassischen Kurs-Ansatz lieber meidest.

Online-Anbieter

In den letzten Jahren wachsen Online-Vorbereitungen wie ucan.de, sofatutor oder spezielle BRP-Online-Plattformen. Vorteil: Du lernst von zu Hause aus, in deinem Tempo. Nachteil: Selbstdisziplin nötig, weniger Kontakt zu Mitschüler:innen, weniger Feedback.

Wie lange dauert die BRP wirklich?

Theoretisch könntest du die BRP in einem Jahr durchziehen, wenn du Vollzeit lernst. Praktisch ist das selten realistisch, weil die meisten BRP-Absolvent:innen berufstätig sind und nebenher lernen. Realistische Zeitrahmen:

  • 1 Jahr (Intensivkurs): Möglich, wenn du sehr fit bist und viel Zeit investierst. Tageskurse oder Vollzeit-Programme. Oft mit AMS-Bildungskarenz.
  • 2 Jahre (Standard): Meiste Personen wählen diese Variante. 2-3 Abende pro Woche oder Samstagskurse. Meist gut mit Beruf vereinbar.
  • 3-4 Jahre (verlängert): Wenn neben dem Beruf wenig Zeit bleibt oder familiäre Verpflichtungen dazu kommen. Niemand stresst dich – die BRP-Module verfallen nicht.

Tipp: Beginne mit dem Fachbereich, weil er oft am machbarsten ist und Selbstvertrauen für die schwereren Fächer Mathematik und Deutsch gibt.

Lerntechnik und Selbstmanagement

BRP heißt nicht 5 Tage pro Woche Schule, sondern selbstgesteuertes Lernen. Was hilft:

  • Festen Lernplan: Welche Tage, welche Uhrzeiten, welche Fächer? Schreib es auf, leg es offen, halte dich dran
  • Lerngruppen: Andere BRP-Kandidat:innen aus dem Kurs zum gemeinsamen Lernen treffen. Gerade Mathematik wird in der Gruppe einfacher
  • Vorzeitige Klausurvorbereitung: Mindestens 6 Wochen vor der Prüfung intensiv lernen, nicht erst die Woche davor
  • Klausuren simulieren: Alte Maturaaufgaben unter Zeitdruck durchrechnen, nicht nur theoretisch durchgehen
  • Schlaf und Bewegung: In stressigen Phasen umso wichtiger. Wer Marathonsessions macht, schadet seinem Lernerfolg
  • Hilfe holen, wenn etwas hängt: Nachhilfe für ein einzelnes Fach kostet 30-60 € pro Stunde – oft besser als Wochen lang allein zu kämpfen

Welche Türen die BRP öffnet

  • Studium an Universität, Fachhochschule oder Pädagogischer Hochschule – alle Fächer, ohne Einschränkung
  • Bessere Karriere im eigenen Beruf: In vielen Branchen Voraussetzung für leitende Positionen
  • Berufswechsel: Quereinstieg in viele Berufe, die Matura voraussetzen
  • Beamtenlaufbahn: Höhere Verwendungsgruppen brauchen Matura
  • Lehramt: Mit BRP plus Studium
  • Persönliche Entwicklung: Viele berichten, dass die BRP ihr Selbstbild verändert hat – vom „Hauptschüler“ zum „Maturanten mit Beruf“

Häufige Mythen rund um die BRP

„Die BRP ist eine zweitklassige Matura.“ Falsch. Sie ist rechtlich vollständig gleichwertig zur AHS- oder BHS-Matura. Wer das Gegenteil behauptet, kennt das österreichische Bildungssystem nicht.

„Mathematik schaffen sowieso die wenigsten.“ Übertrieben. Mathematik ist die schwierigste Prüfung, aber mit ordentlicher Vorbereitung machbar. Die durchschnittliche Bestehensquote bei Mathematik liegt bei rund 75 % im ersten Antritt.

„Mit BRP wirst du auf der Uni belächelt.“ In den ersten Wochen vielleicht ein Witz im Hinterkopf – nach dem ersten Semester ist alles vergessen. Wer sich beweist, beweist sich. BRP-Absolvent:innen schneiden im Studium statistisch ähnlich gut ab wie AHS-Maturant:innen.

„Online-Vorbereitung funktioniert nicht.“ Stimmt nur teilweise. Wer extrem disziplinierten Lernstil hat, kommt online klar. Die Mehrheit profitiert aber vom Präsenzunterricht und dem Austausch mit anderen Lernenden.

„Mit der BRP wird man arrogant.“ Eher das Gegenteil. Die meisten BRP-Absolvent:innen wissen genau, wie viel Arbeit sie reingesteckt haben – das macht eher demütig als überheblich.

BRP und Familie – wenn das Leben dazwischenkommt

Viele BRP-Kandidat:innen sind nicht mehr 18, sondern Mitte oder Ende 20, manche schon Eltern. Die zusätzliche Belastung ist real – Lehrgänge am Abend, wenn die Kinder zuhause sind, Wochenend-Klausurvorbereitung statt Familienzeit. Was hilft:

  • Klare Absprachen mit der Beziehungsperson bevor du beginnst. 2 Jahre eingeschränkte gemeinsame Zeit sind viel
  • Kinderbetreuung organisieren für Kurszeiten – Großeltern, befreundete Eltern, Kinderbetreuungseinrichtungen
  • Pause einplanen in den Sommerferien, wenn die Kinder zuhause sind
  • Realistische Zeitachse – 3 Jahre statt 2 sind besser als 2 mit Burnout
  • Familieneinkommen-Steuerentlastung nicht vergessen – Bildungskosten reduzieren auch das Familienbudget

Was, wenn du eine Prüfung nicht bestehst?

Wiederholungen sind möglich – jede Teilprüfung darf bis zu drei Mal angetreten werden. Pro Wiederholung kommen Prüfungsgebühren, oft auch Wiederholungskurs-Kosten. Wer eine Prüfung nicht besteht, sollte ehrlich analysieren: Lag es an mangelnder Vorbereitung, an Prüfungsangst, am Stoff? Mit der richtigen Reaktion ist das selten ein Drama, sondern eine Verzögerung um 6-12 Monate.

Was bringt mir die BRP finanziell langfristig?

Eine Investition von 4.000 € klingt viel – aber bezogen auf das gesamte Berufsleben ist sie meist überschaubar. Statistisch verdienen Maturanten in Österreich über die Lebensspanne 200.000 bis 500.000 € mehr als Personen ohne Matura. Selbst wenn die BRP „nur“ einen Karrieresprung um 10 % Gehaltserhöhung ermöglicht, refinanziert sich die Investition oft im ersten Jahr nach Abschluss.

Wichtig: Diese Statistik ist ein Durchschnitt. Bei manchen Berufen bringt die Matura wenig zusätzliches Einkommen, bei anderen ist sie der Schlüssel zu komplett neuen Karrierepfaden. Wer vorhat, später Lehrer:in, Sozialarbeiter:in, im öffentlichen Dienst oder im akademischen Beruf zu arbeiten, profitiert deutlich. Wer in seinem Lehrberuf bleibt und keine Beförderung anstrebt, hat den Vorteil eher persönlich als finanziell.

Schritt für Schritt – so startest du

  1. Beratungstermin: Bei AK, BFI oder WIFI deines Bundeslands. Kostenlos. Du klärst Voraussetzungen, Förderungen und passenden Anbieter
  2. Fachbereich auswählen: Was passt zu deiner Erstausbildung und deinen Interessen?
  3. Anbieter und Termin auswählen: Beginn meist im September, einige Anbieter starten auch im Februar
  4. Förderungen beantragen: Vor Kursbeginn alle Förderanträge stellen – manche Förderungen werden nur vor Beginn akzeptiert
  5. Anmelden und beginnen: Erster Kurs gewählt, Lernplan aufgestellt, Lerngruppe gesucht
  6. Erste Teilprüfung nach 6-9 Monaten: Oft Englisch oder Fachbereich, je nach Vorbereitung
  7. Restliche drei innerhalb der nächsten 1-2 Jahre

Eine ehrliche Einschätzung

Die BRP ist Arbeit. Wer sich vorstellt, sie nebenbei und ohne Anstrengung zu schaffen, unterschätzt das Niveau. Wer aber bereit ist, 2 Jahre konsequent zu lernen – 5 bis 10 Stunden pro Woche zusätzlich zum Beruf – bekommt am Ende einen Maturaabschluss, der ihm beruflich und persönlich Türen öffnet, die ohne ihn verschlossen geblieben wären.

Der größte Erfolgsfaktor ist nicht Intelligenz, sondern Durchhalten. Viele BRP-Kandidat:innen brechen nach einem Jahr ab, weil ihnen die Energie ausgeht. Wer das kennt und sich dagegen wappnet (Lerngruppen, klare Ziele, Regelmäßigkeit, manchmal eine Pause einplanen), schafft es.

Mehr zu Bildungs- und Berufswegen: Welche Ausbildung passt zu mir, Lehre mit Matura, Stipendien in Österreich, Wie du herausfindest, was du beruflich willst.

FAQ – die häufigsten Fragen

Kann ich die BRP auch ohne Lehre machen? Nein. Du brauchst eine abgeschlossene Erstausbildung (Lehre, mindestens 3-jährige BMS, Krankenpflegeschule oder Meisterprüfung). Wenn nichts davon vorliegt, ist die Studienberechtigungsprüfung (SBP) der alternative Weg.

Brauche ich gute Englischkenntnisse vorher? Hilfreich, aber nicht zwingend. Die Vorbereitungskurse beginnen meist auf B1-Niveau. Wer A2 oder darunter ist, sollte vorher einen Anfängerkurs machen.

Kann ich Module von verschiedenen Anbietern kombinieren? Ja. Du kannst etwa Mathematik beim BFI und Englisch bei der VHS machen. Die Prüfungen selbst legst du an einer der Externistenschulen oder Bildungsdirektionen ab.

Was, wenn meine Lehre länger zurückliegt? Egal wie lange. Die BRP steht dir grundsätzlich offen. Wer die Lehre vor 20 Jahren gemacht hat, profitiert von Erfahrung im Berufsleben – manchmal Nachteil bei Schulwissen, das verblasst ist.

Habe ich nach der BRP Anspruch auf Familienbeihilfe? Wenn du danach studierst, ja – bis zum 24. Geburtstag, in Sonderfällen bis 25 (etwa nach Wehrdienst). Die BRP-Vorbereitungszeit selbst ist nicht beihilfenrelevant, weil keine „Berufsausbildung“ im engeren Sinne.

Kann ich die BRP aus dem Ausland machen? Praktisch schwierig, weil die Prüfungen in Österreich abgelegt werden müssen. Online-Vorbereitung ist möglich, aber für die Prüfungstermine musst du anreisen.

Was passiert mit meinem Zeugnis nach Abschluss? Du bekommst ein Maturazeugnis, das in jeder Hinsicht als vollwertige Matura zählt. Ausgestellt vom Bundesministerium für Bildung über die jeweilige Externistenkommission.

Welche Förderung ist für mich am besten? Hängt von Bundesland, Einkommen, Arbeitgeber und Mitgliedschaften ab. Ein Erstgespräch bei der AK deines Bundeslands klärt das in einer Stunde – kostenlos und konkret auf deine Situation bezogen.

Bin ich nach der BRP für ein Studium an jeder österreichischen Hochschule berechtigt? Ja, ohne Einschränkung. Manche Studien (Medizin, Psychologie, Lehramt) haben Aufnahmeprüfungen, die für alle Bewerber:innen unabhängig vom Maturaweg gelten. Mit BRP bist du gleichberechtigt zugelassen.

Wie sehen Arbeitgeber die BRP? Seriöse Arbeitgeber unterscheiden nicht zwischen Matura-Wegen. Wenn doch jemand fragt, ist die Antwort einfach: „Berufsreifeprüfung neben dem Beruf abgelegt“ zeigt Disziplin und Lernfähigkeit – das wirkt auf viele positiv.