Jugendmagazine in Deutschland – welche Hefte es noch gibt und welche verschwunden sind

Zwei Jugendliche teilen sich auf einer Schulbank eine Zeitschrift

1,58 Millionen Hefte. So viele BRAVO-Ausgaben wanderten 1991 über den Ladentisch, jede Woche. Im zweiten Quartal 2026 waren es 44.991 – im Monat. Das ist ein Minus von rund 97 Prozent, und trotzdem ist die Antwort auf die Frage, die sich viele stellen, eindeutig: Ja, die BRAVO gibt es noch. Am 26. August 2026 ist sie 70 Jahre alt geworden.

Um sie herum ist es allerdings leer geworden. Bravo Girl, Neon, bento, ze.tt – eingestellt oder aufgelöst. Die großen Gratishefte, die früher stapelweise in den Schulen lagen, sind kaum noch zu finden. Übrig sind eine Handvoll Kioskhefte, ein paar Nischentitel und eine Reihe von Angeboten, die gar nicht mehr oder nur noch nebenbei gedruckt werden.

Die überraschendste Zahl steckt dabei nicht bei der BRAVO, sondern bei zwei kleinen Heften, die kaum jemand kauft: Auf jedes verkaufte Exemplar kommen rechnerisch rund elf Leserinnen.

Gibt es die BRAVO noch? Ja – aber sie ist ein anderes Heft

Die BRAVO erscheint weiterhin bei der Bauer Media Group in Hamburg, dort sitzt sie seit 1968. Laut der Pressemitteilung des Verlags zum 70. Geburtstag kostet ein Heft 3,99 Euro, die Zielgruppe sind Mädchen und Jungen zwischen 12 und 16 Jahren. Die verkaufte Auflage lag im zweiten Quartal 2026 bei 44.991 Exemplaren, geprüft von der IVW, der Stelle, die in Deutschland Auflagen offiziell zählt. Im Quartal davor waren es 43.363.

Von der Wochenzeitschrift zum Monatsheft

Jahrzehntelang kam die BRAVO jede Woche. Mitte der 2010er-Jahre wurde sie zum 14-tägigen Heft, und seit 2020 erscheint sie nur noch einmal im Monat. Im Abo zählt der Verlag 13 Ausgaben pro Jahr, das Jahresabo kostet 51,87 Euro.

Der Rhythmus sagt viel über das Geschäft. Ein Wochenheft lebt davon, dass es jede Woche genug Neues gibt, das die Leute am Kiosk abholen. Ein Monatsheft muss Dinge liefern, die in vier Wochen noch nicht alt sind – Ratgeber, Porträts, Tests, Poster. Die Neuigkeiten über Stars kommen längst woanders schneller an.

Was drinsteht

Stars, Musik, Mode, Freundschaft, Liebe, Körper. Die Themen haben sich weniger verändert als die Verpackung. Neu ist seit Ausgabe 8/2026 eine Rubrik namens „Faktencheck“, die Leserinnen und Lesern helfen soll, Informationen kritisch einzuordnen. Für ein Heft, das mit Starklatsch groß geworden ist, ist das eine bemerkenswerte Richtung.

Laut NDR setzen die Macher inzwischen den Schwerpunkt auf YouTube und TikTok. Das gedruckte Heft ist nur noch ein Teil der Marke, daneben laufen die Musikreihe BRAVO Hits, die Partyreihe BRAVO Hits Party und Lizenzen fürs Fernsehen. Die digitale Ausgabe wurde bei den Readly Awards 2025 als meistgelesenes digitales Magazin für Teens und junge Erwachsene ausgezeichnet.

Dr. Sommer berät bis heute

Die bekannteste Rubrik gibt es immer noch. Seit 1969 beantwortet ein Team unter dem Namen Dr. Sommer Fragen zu Sex, Verhütung, Körper und erster Liebe – eine Kunstfigur, hinter der bald mehrere Menschen standen, weil so viele Briefe kamen. Der NDR-Rückblick zum Jubiläum erinnert daran, dass Eltern die Aufklärungsseiten damals aus dem Heft rissen.

Ganz ohne Kratzer ist die Rubrik nicht durch die letzten Jahre gekommen. Als 2013 die Chefredaktion wechselte, musste die Psychologin Jutta Stiehler gehen, die 16 Jahre lang jede Anfrage persönlich beantwortet hatte. Sie befürchtete öffentlich, dass hilfesuchende Jugendliche künftig nur noch Standardantworten bekommen. Ob das stimmt, lässt sich von außen schwer prüfen. Bei einer ernsten Frage ist eine Beratungsstelle mit echten Menschen am Telefon ohnehin die verlässlichere Adresse als eine Zeitschriftenrubrik.

70 Jahre in sechs Momenten

Warum die BRAVO bis heute so viel Aufmerksamkeit bekommt, versteht man erst mit dem Blick zurück. Kein anderes deutsches Jugendmagazin hat Popkultur so lange mitgeprägt.

  • 1956: Die erste Ausgabe erscheint am 26. August, kostet 50 Pfennig und hat eine Auflage von 30.000 Stück. Auf dem Cover: Marilyn Monroe. Der Untertitel lautet damals noch „Zeitschrift für Film und Fernsehen“.
  • 1959: Der erste Starschnitt, ein lebensgroßes Poster in Einzelteilen, zeigt Brigitte Bardot. Wer alle Teile wollte, musste mehrere Hefte kaufen. Rekordhalter ist der Starschnitt der Village People mit 53 Teilen, verteilt auf 25 Ausgaben.
  • 1966: Der Preis steigt auf eine D-Mark, trotzdem knackt die verkaufte Auflage mit 1.018.588 Exemplaren erstmals die Million. Im selben Jahr holt die BRAVO die Beatles für eine kurze Deutschlandtournee – sechs Konzerte, zwei davon in Hamburg.
  • 1972: Die Bundesprüfstelle stuft zwei Artikel über Selbstbefriedigung als jugendgefährdend ein. Drei Jahre nach dem Start von Dr. Sommer zeigt das, wie heikel Aufklärung damals noch war.
  • 1991: Nach der Wiedervereinigung erreicht die BRAVO ihre Rekordauflage: 1,58 Millionen verkaufte Hefte.
  • 2005: Der letzte große Coup – die BRAVO baut Tokio Hotel zu Teeniestars auf.

Anfang Juni 2026 ist in der ARD eine dreiteilige Doku zum Jubiläum erschienen, Titel: „Headlines, Hypes und Herzschmerz“. Nicht alles aus dieser Geschichte hat gut gealtert. Die Sängerin Jasmin Wagner, in den 1990ern als Blümchen Dauergast im Heft, nennt Formulierungen wie „Blümchens Knospen blühen“ gegenüber dem NDR rückblickend „mega Red Flags“.

Mädchen und Popcorn: kaum gekauft, viel gelesen

Neben der BRAVO gibt es in Deutschland noch zwei weitere klassische Jugendzeitschriften mit breitem Themenmix, die regelmäßig am Kiosk liegen. Beide gehören seit 2018 zu Egmont Ehapa Media, dem Verlag, der auch das Lustige Taschenbuch und das Micky Maus-Magazin herausbringt.

Mädchen: 50 Jahre alt

Die Mädchen erschien erstmals im Jänner 1976 und feiert 2026 ihr Jubiläum. Laut Egmont Ehapa Media kommt sie zweimonatlich heraus. Die Jubiläumsausgabe lag ab 14. April 2026 für 4,99 Euro am Kiosk, mit Handyzubehör und Lipgloss als Beigabe. Ein normales Heft kostet 3,99 Euro.

Inhaltlich geht es um Mode, Beauty, Freundschaft, Liebe, Stars und Tests. Der Verlag nennt als Zielgruppe Mädchen von 10 bis 17 Jahren, gelesen wird die Mädchen aber vor allem von Jüngeren: Laut den Mediadaten 2026 sind 84 Prozent der in der Studie erfassten Leserschaft zwischen 10 und 13. Wer 15 ist, gehört also schon nicht mehr zum Kern.

Popcorn: für Mädchen und Jungen

Popcorn richtet sich laut Verlag an 10- bis 15-Jährige beiderlei Geschlechts, erscheint ebenfalls zweimonatlich und kostet 3,99 Euro. Es ist das Unterhaltungsheft unter den dreien. Dazu kommen Sonderhefte zu einzelnen Trends, etwa „Popcorn präsentiert: K-Pop“ mit einer Druckauflage von 45.000 Stück.

Die Rechnung, die überrascht

Die verkauften Auflagen sind klein. Die Mädchen lag im dritten Quartal 2025 bei 28.911 Exemplaren, Popcorn bei 29.910. Zum Vergleich: 1998 verkaufte die BRAVO noch mehr als 1,2 Millionen Hefte – pro Woche.

Die Reichweite sieht ganz anders aus. Nach dem Kinder Medien Monitor 2026, einer großen Befragung zur Mediennutzung von Kindern, erreicht die Mädchen pro Ausgabe 320.000 Leserinnen und Leser, Popcorn 285.000. Bei Mädchen zwischen 10 und 13 belegen die beiden Titel die ersten zwei Plätze aller untersuchten Zeitschriften.

Teilt man die Leserzahl durch die verkaufte Auflage, kommt man bei der Mädchen auf rund elf Leserinnen pro gekauftem Heft, bei Popcorn auf knapp zehn. Und dabei zählt die Studie nur Kinder bis 13 – ältere Leserinnen sind gar nicht drin. Leserzahlen aus Befragungen sind Hochrechnungen, keine Zählung. Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Ein Heft geht durch viele Hände. Geschwister, Freundinnen, das Wartezimmer, der Hort. Genau so beschreiben es auch Leute, die mit der BRAVO aufgewachsen sind – einer kaufte, die halbe Klasse las mit.

Welche Jugendmagazine eingestellt wurden

Die Liste der verschwundenen Titel ist länger als die der überlebenden. Vier Fälle erklären ziemlich gut, was mit dem Markt passiert ist.

Bravo Girl (1988 bis 2023)

Die Mädchen-Ausgabe der BRAVO erschien 35 Jahre lang, die letzte Nummer kam Anfang Mai 2023. Wie DWDL berichtete, war die Auflage in rund 25 Jahren von über 660.000 auf etwa 30.000 gefallen. Der Verlag nannte sinkende Vertriebs- und Werbeerlöse sowie stark gestiegene Papier- und Energiekosten als Grund. Die Werbeumsätze der Zeitschrift waren in den ersten vier Monaten 2023 um mehr als 40 Prozent eingebrochen.

Das ist der Kern des Problems, und er betrifft alle Hefte. Ein Magazin finanziert sich aus zwei Quellen: Verkauf und Anzeigen. Wenn beide gleichzeitig schrumpfen und Papier teurer wird, reicht es irgendwann nicht mehr.

Neon (2003 bis 2018)

Neon war kein Teenieheft, sondern das Lifestylemagazin für Leute um die zwanzig. Ende 2009 verkaufte es mehr als 235.000 Exemplare. Im April 2018 kündigte Gruner + Jahr das Ende an, die letzte Ausgabe erschien am 18. Juni 2018. Zuletzt lag die Auflage bei rund 58.000. Die Erklärung laut Horizont: Die Zielgruppe hatte längst Alternativen gefunden, am Kiosk und vor allem online – bei bento, ze.tt, jetzt.de und Vice.

bento und ze.tt (beide 2015 bis 2020)

Zwei dieser Alternativen erwischte es kurz darauf selbst. bento gehörte zum Spiegel, ze.tt zur Zeit, beide starteten 2015 und richteten sich an junge Erwachsene. Im Juni 2020 kam für beide das Aus als eigenständige Marke. Der Spiegel stellte bento im Herbst 2020 ein, 16 Redakteurinnen und Redakteure waren betroffen, weil das werbefinanzierte Angebot laut Verlag „nachhaltig in die Verlustzone“ geraten war. ze.tt wurde ab Oktober 2020 zu einem Ressort von Zeit Online.

Das ist die eigentliche Pointe. Die Onlinemagazine, die den gedruckten Heften die Leser abgenommen hatten, haben Neon nur um gut zwei Jahre überlebt. Werbefinanzierter Jugendjournalismus im Netz hat dasselbe Problem wie das Heft am Kiosk: Wer junge Leute erreichen will, kann seine Werbung direkt auf Instagram und TikTok schalten und braucht dafür kein Magazin mehr.

Spiesser und Yaez: die Gratishefte aus der Schule

Wer vor 15 Jahren in Deutschland zur Schule ging, kennt die Stapel. Spiesser startete 1994 in Dresden, im September 2007 stieg die Auflage auf eine Million Hefte für mehr als 15.000 weiterführende Schulen. Geschrieben wurde es größtenteils von Schülern und Studierenden zwischen 14 und 22, bezahlt hat das Heft niemand – es war komplett werbefinanziert.

Yaez aus Stuttgart funktionierte ähnlich. Im Oktober 2021 erschien Ausgabe 105 mit 210.000 Exemplaren für rund 3.000 Schulen. Heute präsentiert sich das Unternehmen auf seiner Website als Kommunikationsagentur, ein aktuelles Heft ist dort nicht zu finden. Auch spiesser.de zeigt nur noch ein Archiv älterer Ausgaben.

Warum kaum jemand in deinem Alter noch Magazine liest

Die ehrlichste Zahl dazu liefert die JIM-Studie 2025. Für sie wurden im Sommer 2025 rund 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 in ganz Deutschland befragt. Etwa jede und jeder Zehnte liest regelmäßig Zeitschriften oder Zeitungen, also mindestens mehrmals pro Woche – gedruckt und digital zusammengerechnet. Bei der täglichen Nutzung spielen sie laut Studie „kaum eine Rolle“.

Zum Vergleich, jeweils mindestens mehrmals pro Woche:

  • 98 Prozent nutzen das Smartphone.
  • 83 Prozent schauen Videos im Internet, etwa auf YouTube.
  • Rund ein Drittel liest gedruckte Bücher – bei Mädchen 42 Prozent, bei Jungen 28 Prozent.
  • Rund ein Zehntel liest Zeitschriften und Zeitungen.

Das Buch hält sich also deutlich besser als das Heft. Was ein Magazin früher in einem Paket geliefert hat, ist in Einzelteile zerfallen. Stars zeigen sich auf Instagram und TikTok selbst, Beauty-Tipps kommen von Creatorinnen, Aufklärung von Beratungsseiten und Podcasts, Mode aus Hauls. Für jedes einzelne Thema gibt es heute einen schnelleren Kanal.

Bei Nachrichten zeigt die Studie ein ähnliches Bild. Die meisten Jugendlichen erfahren vom Weltgeschehen zuerst im Gespräch: zwei Drittel regelmäßig über die Familie, 55 Prozent über Freundinnen und Freunde. Die Hälfte über Fernsehen oder Radio, 38 Prozent über Suchmaschinen. Die Onlineportale von Zeitungen und Zeitschriften nennt nur etwa jede und jeder Achte als regelmäßige Quelle. Bei den ab 16-Jährigen hat Instagram als Nachrichtenquelle deutlich zugelegt. Wie du dort Falsches von Echtem trennst, steht im Beitrag über Fake News im Alltag.

Wo junger Journalismus heute stattfindet

Das Magazin als gedrucktes Heft schrumpft. Journalismus für junge Leute gibt es trotzdem, nur an anderen Orten und mit anderem Geschäftsmodell. Drei Angebote sind in Deutschland besonders wichtig, und zwei davon kosten dich nichts.

fluter: gratis, viermal im Jahr

fluter ist das Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung und damit öffentlich finanziert. Das Heft erscheint viermal im Jahr, jedes Mal zu einem einzigen Thema – zuletzt etwa „Risiko“, „Soziale Medien“ oder „Klasse“. Das Abo ist kostenlos, online erscheinen täglich neue Texte, Fotostrecken und Videos.

Wenn du nur ein einziges Magazin aus dieser Liste ausprobierst, dann dieses. Es kostet nichts, es hat keinen Verkaufsdruck, der nach Klicks schielen lässt, und jede Ausgabe bleibt bei einem Thema, statt zwanzig anzureißen. Der Nachteil: Es ist kein Unterhaltungsheft. Stars, Mode und Horoskope gibt es hier nicht.

SZ Jetzt: das junge Ressort der Süddeutschen

jetzt.de war lange eine eigenständige Adresse, Horizont zählte sie 2018 noch zu den großen Onlinekonkurrenten von Neon. Heute leitet die Domain auf SZ Jetzt weiter, das junge Magazin der Süddeutschen Zeitung. Themen sind Liebe, Sexualität, Klima, Job, Geld, Wohnen und Freundschaft. Viele längere Texte sind mit SZ Plus gekennzeichnet, stehen also hinter der Bezahlschranke der Zeitung. Geschrieben ist das eher für junge Erwachsene als für 14-Jährige.

funk: kein Magazin, aber das größte Angebot

funk ist das Online-Angebot von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige und seit dem 1. Oktober 2016 am Start, damals mit rund 40 Formaten. Ein Heft gibt es nicht. Die Inhalte laufen dort, wo junge Leute ohnehin sind – auf YouTube, Instagram, TikTok und Spotify, ergänzend in den Mediatheken von ARD und ZDF. Laut eigener Darstellung sind es heute rund 60 Formate, finanziert aus dem Rundfunkbeitrag und werbefrei.

Streng genommen ist funk der Nachfolger dessen, was ein Jugendmagazin einmal war: Reportagen, Wissen, Politik, Comedy und Beziehungsthemen in einem Paket – nur zerlegt in einzelne Kanäle. Ähnlich zerlegt ist übrigens die Audiowelt, dazu passt der Überblick über Podcasts für Jugendliche.

Nischenhefte: Fußball, K-Pop, Manga, Glaube

Während die breiten Jugendmagazine schrumpfen, gibt es erstaunlich viele spezialisierte Hefte. Sie bedienen eine Leidenschaft statt eines Alters. Eine Auswahl dessen, was im Herbst 2026 im Abo zu haben ist, nach den Angaben des Abo-Anbieters Presseplus:

  • BRAVO Sport: der Sportableger der BRAVO, 13 Ausgaben im Jahr, ab 3,99 Euro.
  • Just Kick-it!: Fußball für Jugendliche, neunmal im Jahr.
  • Hey! K-Pop: ein reines K-Pop-Fanmagazin, fünfmal im Jahr.
  • Animania: Anime und Manga, vierteljährlich.
  • Koneko: japanische Popkultur, alle zwei Monate.
  • Teensmag: ein christliches Jugendmagazin aus dem SCM Bundes-Verlag, Motto „Mein Glaube. Mein Leben. Meine Zeitschrift“. Es geht um Schule, Freundschaft, Sexualität und psychische Gesundheit aus christlicher Sicht.

Das Muster dahinter ist leicht zu erkennen. Ein Heft über ein Hobby muss nicht mit dem ganzen Internet konkurrieren, nur mit dem Teil, der sich um genau dieses Hobby dreht – und dort kann Papier mit Postern, Sammelbarem und Tiefe punkten. Ein allgemeines Jugendheft dagegen tritt gegen alles gleichzeitig an.

Die Grenze zum Kindermagazin

Viele Titel, die in Abo-Listen unter „Jugend“ laufen, sind eigentlich für Jüngere gemacht. GEOlino etwa richtet sich an Entdecker ab neun Jahren, und auch Mädchen und Popcorn werden vor allem von 10- bis 13-Jährigen gelesen. Wer 16 ist und ein Magazin mit breitem Themenmix sucht, merkt am Kiosk deshalb schnell, dass die Auswahl dünn ist: Zwischen Kinderheft und Erwachsenenzeitschrift liegt heute im Wesentlichen die BRAVO.

Online verschwimmt die Grenze noch stärker, etwa im Jugendmagazin hauserundtiger, dessen Ratgeber von Babys über Kinder bis zu Jugendlichen reichen.

Welches Magazin passt zu dir?

Die Frage ist weniger, welches Heft das beste ist, sondern was du davon willst. Eine grobe Orientierung:

  • Du bist zwischen 10 und 13 und willst Stars, Tests und Beauty: Mädchen oder Popcorn. Beide kosten 3,99 Euro und erscheinen alle zwei Monate – übers Jahr sind das keine 25 Euro.
  • Du bist 12 bis 16 und willst Popkultur plus Aufklärung: BRAVO. Einmal im Monat, 3,99 Euro, mit Dr. Sommer und neuerdings mit Faktencheck.
  • Du willst verstehen, was in der Welt passiert, und nichts zahlen: fluter. Kostenloses Abo, vier Themenhefte im Jahr.
  • Du bist eher 18 plus und liest gern längere Texte über Beziehungen, Job und Geld: SZ Jetzt, wobei ein Teil nur mit Abo lesbar ist.
  • Du schaust lieber, als zu lesen: funk auf YouTube, Instagram oder TikTok.
  • Du hast ein Hobby, für das du brennst: das passende Nischenheft. Dort steckt die Tiefe, die ein allgemeines Heft nicht mehr bieten kann.

Bevor du ein Abo abschließt, lies nach, wie lange es läuft und wie du es kündigst. Ein einzelnes Heft am Kiosk ist der billigere Test, ob dir das Magazin nach der dritten Ausgabe noch gefällt.

Kein passendes Magazin? Mach eines

Die interessanteste Bewegung spielt sich nicht am Kiosk ab, sondern in den Schulen. Jedes Jahr zeichnen die Jugendpresse Deutschland und die Bundesländer im Schülerzeitungswettbewerb der Länder die besten Redaktionen aus. Das Motto: „Kein Blatt vorm Mund“.

Gewertet wird getrennt nach Schulform, von der Grundschule über Förderschulen und Gymnasien bis zur Berufsschule. Dazu gibt es jeweils einen Preis für die beste Online-Schülerzeitung und Sonderpreise zu einzelnen Themen. Die Preisgelder liegen bei bis zu 1.000 Euro pro Redaktion, die Preisverleihung für die Runde 2025/26 fand vom 15. bis 17. Juni 2026 in Berlin statt.

Die Geschichte der großen Hefte zeigt, dass aus so etwas mehr werden kann. Spiesser war ein Heft von jungen Leuten für junge Leute, und 13 Jahre nach dem Start lag es in einer Million Exemplaren an deutschen Schulen. Der Einstieg in den Journalismus lief und läuft oft über ein kleines Blatt, bei dem niemand Geld verdient.

Was eine Schülerzeitung heute anders machen kann

Der Vorteil einer Redaktion an der Schule ist genau das, was den großen Heften fehlt: Nähe. Eine Reportage über die kaputte Heizung im Turnsaal, ein Interview mit der neuen Direktorin, eine Umfrage zur Handyregel – das findest du auf TikTok nicht, weil es dort niemand macht. Und es lässt sich auf mehreren Wegen gleichzeitig veröffentlichen: gedruckt für den Pausenhof, als Instagram-Kanal für die Aufmerksamkeit, als Website für das Archiv.

Welche Plattformen sich für so einen Kanal lohnen und welche eher nicht, zeigt der Vergleich von BeReal, Threads und Bluesky.

Was von 70 Jahren Jugendmagazin bleibt

Die Zeiten, in denen ein einziges Heft bestimmte, worüber eine ganze Generation am Montag in der Klasse redete, sind vorbei. 1,58 Millionen verkaufte BRAVO-Hefte pro Woche wird es nicht mehr geben, und das ist kein Unglück. Es heißt nur, dass niemand mehr allein festlegt, welche Stars, welche Mode und welche Themen gerade zählen.

Was das Heft trotzdem kann, zeigen die elf Leserinnen pro verkaufter Mädchen-Ausgabe: Es ist etwas, das man weitergibt, auf den Tisch legt, gemeinsam durchblättert. Ein Feed ist das nie. Wie sich die Medienlandschaft insgesamt verschoben hat und wem du dabei noch trauen kannst, ist Thema im Beitrag Medien, Meinung und Wahrheit.