Stellungstermin Bundesheer – was wirklich passiert und wie du dich vorbereitest

Du bekommst die Ladung zum Stellungstermin. Datum, Uhrzeit, Ort – meist die Heeresunteroffiziersakademie deines Bundeslandes oder ein anderes Stellungszentrum. Daneben ein medizinischer Fragebogen, ein Fahrtberechtigungsschein für die ÖBB und der Hinweis: zwei Tage. Wahrscheinlich denkst du in dem Moment vor allem eines: Wozu eigentlich? Wirst du tauglich? Was muss ich da überhaupt machen? Und wenn ich nicht will, was dann?

Dieser Artikel erklärt dir den Ablauf der Stellung Schritt für Schritt – was getestet wird, welche vier Tauglichkeitsstufen es gibt, wie der Wechsel zum Zivildienst funktioniert und was du wissen solltest, bevor du losfährst. Ohne Angstmacherei, ohne Glorifizierung. Einfach, was Sache ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stellung gilt für alle männlichen österreichischen Staatsbürger ab dem 17. Lebensjahr
  • Termin dauert zwei Tage, Unterkunft und Verpflegung sind kostenlos, Anreise wird mit ÖBB-Berechtigungsschein gedeckt
  • Tests: medizinisch (Allgemein, Sehen, Hören, Reflexe, EKG, Blut/Urin) und psychologisch (Logiktests, Persönlichkeitsbefragung)
  • Vier Tauglichkeitsstufen: tauglich, teiltauglich, vorübergehend untauglich, untauglich
  • Wer Zivildienst statt Wehrdienst will, muss die Zivildiensterklärung innerhalb von 6 Monaten nach Tauglichkeitsfeststellung abgeben
  • Grundwehrdienst: 6 Monate. Zivildienst: 9 Monate. Beide am Stück
  • Frauen sind nicht stellungspflichtig, können aber freiwillig zum Bundesheer („Frauen im Bundesheer“)

Wer muss zur Stellung?

In Österreich gilt für alle männlichen Staatsbürger die allgemeine Wehrpflicht. Sie wirst du in dem Jahr stellungspflichtig, in dem du 17 wirst – die schriftliche Ladung kommt etwa 6 bis 8 Wochen vor dem Termin per Post. Spätestens bis zum 35. Lebensjahr musst du den Grundwehrdienst oder Zivildienst abgeleistet haben. Wer das aufschiebt, kann das aus berechtigten Gründen tun (Studium, Lehre, Auslandsaufenthalt, familiäre Verpflichtungen) – braucht aber jeweils einen Aufschub-Antrag beim zuständigen Militärkommando.

Frauen sind in Österreich nicht stellungspflichtig. Sie können sich aber freiwillig zum Bundesheer melden („Frauen im Bundesheer“) und absolvieren dann die gleiche Stellung wie männliche Bewerberinnen, in der Regel mit dem Ziel einer Berufslaufbahn.

Auslandsösterreicher und Doppelstaatsbürger:innen haben eigene Regelungen – ein klärender Anruf beim zuständigen Militärkommando spart Stress.

Bevor es losgeht – so bereitest du dich vor

Zwei Wochen vor der Stellung kommt das Paket mit der genauen Einladung, einem medizinischen Fragebogen und dem Fahrtberechtigungsschein. Den Fragebogen solltest du sorgfältig ausfüllen – er ist die Grundlage für die ärztlichen Tests vor Ort. Verschweigen von Vorerkrankungen ist eine schlechte Idee, weil die Untersuchungen ohnehin viel auffinden und Falschangaben rechtliche Konsequenzen haben können.

Was du mitbringen musst:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Geburtsurkunde und Staatsbürgerschaftsnachweis
  • Ausgefüllter medizinischer Fragebogen
  • e-Card
  • Impfpass und Brillenpass (falls vorhanden)
  • Führerschein (falls vorhanden)
  • Letztes Schulzeugnis und Ausbildungsnachweise
  • Bankverbindung (IBAN) für Fahrtkostenerstattung
  • Aktuelle Medikamente, falls du regelmäßig welche nimmst
  • Brille/Kontaktlinsen, falls du sie brauchst
  • Bequeme Kleidung, frische Wäsche für 2 Tage, Toilettartikel

Wenn du übernachtest: Das Bundesheer stellt dir Unterkunft und Verpflegung kostenlos zur Verfügung. Wer es vorzieht, zu Hause zu schlafen, kann das tun – dann verbringst du nur die Untersuchungstage am Stellungsort.

Tag 1 – die Stellung beginnt

Du fährst meistens am frühen Morgen an. Empfang, Anmeldung, Aufteilung in Gruppen. Dann beginnt die sogenannte Stellungsstraße – eine Reihe von Stationen, die du der Reihe nach durchläufst. Was dich konkret erwartet:

Medizinische Untersuchungen

  • Allgemeinärztliche Untersuchung: Größe, Gewicht, Blutdruck, Puls, Atemvolumen, allgemeiner Zustand
  • Augenuntersuchung: Sehkraft, Farbsehen, Augenmuskelfunktion. Wer Brille trägt, sollte sie mitbringen
  • Hörtest: Audiogramm in einer schalldichten Kabine
  • Orthopädische Untersuchung: Wirbelsäule, Gelenke, Bewegungsapparat. Wer Skoliose, Plattfüße oder schwere Sportverletzungen hatte, wird hier genauer angeschaut
  • Innere Medizin: Herz, Lunge, Bauchorgane. EKG ist Standard
  • Blut- und Urintests: Standardwerte, Drogentest. Cannabis im Blut führt nicht automatisch zur Untauglichkeit, kann aber Folgegespräche auslösen
  • Zahnärztliche Untersuchung: Schnellprüfung des Gebisses

Psychologische Tests

Die psychologischen Tests sind klassische Eignungsdiagnostik:

  • Logik- und Konzentrationstests: Zahlenreihen, räumliches Denken, Mustererkennung. Ähnlich wie bei vielen Eignungstests in Unternehmen
  • Reaktionsschnelligkeit: Knöpfe drücken bei bestimmten Signalen
  • Persönlichkeitsfragebogen: Hunderte Fragen zu Verhalten, Stimmung, sozialen Reaktionen
  • Strukturiertes Interview: Gespräch mit einer Psychologin über deine Vorgeschichte, Familie, Schule, Beruf, eventuell Drogenkonsum, psychische Belastungen

Die psychologischen Tests sind nicht dazu da, dich auszusondern, sondern um die richtige Verwendung im Wehrdienst zu finden. Wer Logiktests gut besteht, kommt eher in Funkgeräte- oder IT-Bereiche. Wer kreativ und sprachgewandt ist, in Presse oder Stab. Es lohnt sich, ehrlich zu antworten – nicht das anzukreuzen, was „gut“ klingt.

Sportliche Untersuchung

Im Standardprogramm gibt es einen einfachen Belastungstest auf einem Ergometer und einige sportmotorische Tests (Liegestütz, Sit-Ups, Sprung). Hier wird keine Höchstleistung verlangt, sondern eine grundsätzliche Belastbarkeit eingeschätzt.

Tag 2 – Auswertung und Beratung

Am zweiten Tag werden die Ergebnisse zusammengeführt. Die Stellungskommission, bestehend aus Ärzt:innen, Psycholog:innen und Offizier:innen, trifft sich und entscheidet über deine Tauglichkeit. Du wirst zu einem Abschlussgespräch gerufen, in dem dir die Stufe mitgeteilt und das weitere Verfahren erklärt wird.

Falls du tauglich bist, erfolgt im selben Gespräch eine erste Berufsorientierung im Heer – welche Funktionen kämen für dich in Frage, ist Berufsoffizier-Laufbahn ein Thema, möchtest du eine Spezialausbildung wie Funkmeldetrupp oder Pioniere?

Die vier Tauglichkeitsstufen im Detail

Tauglich

Du bist gesund, belastbar und psychisch stabil. Du wirst zum Grundwehrdienst einberufen – meistens binnen 3 bis 18 Monaten nach der Stellung. Bei der Berufsausbildung wird auf deine Wünsche und Stärken Rücksicht genommen, soweit Funktionen verfügbar sind. Mit einer Tauglichkeitseinstufung von 7 oder höher (eine interne Skala innerhalb der Stufe „tauglich“) kannst du dich für Spezialfunktionen wie Jetpilot bewerben.

Teiltauglich

Du hast leichte gesundheitliche Einschränkungen, kannst aber bestimmte Tätigkeiten leisten – typischerweise im Büro, in der Küche, im Wachdienst, im IT-Bereich. Die Einberufung erfolgt im Regelfall ebenfalls, allerdings auf eine an deine Einschränkung angepasste Funktion. Auch teiltaugliche Männer können den Zivildienst wählen.

Vorübergehend untauglich

Bei akuten gesundheitlichen Problemen (etwa nach einer kürzlichen Operation, akuter Krankheit, vorübergehender psychischer Belastung) wirst du als vorübergehend untauglich eingestuft. Du bekommst eine Beobachtungsfrist von typischerweise 6 bis 24 Monaten. Nach Ablauf wirst du erneut zur Stellung geladen.

Untauglich

Bei dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen, schweren chronischen Erkrankungen, bestimmten psychischen Diagnosen oder körperlichen Behinderungen wirst du als untauglich eingestuft. Damit ist das Thema für dich lebenslang erledigt – weder Wehr- noch Zivildienst musst du leisten.

Wichtig: Untauglich zu sein ist keine Schande. Niemand wird dich später danach fragen, in keinem Bewerbungsgespräch und auf keiner Behörde. Es bedeutet schlicht, dass das Heer dir keine Funktion zuweisen kann, die deine gesundheitlichen Voraussetzungen respektiert.

Wenn du nicht zum Heer willst – Zivildienst

Wer aus Gewissensgründen den Wehrdienst nicht leisten will, hat das Recht auf Zivildienst – eine geschützte verfassungsrechtliche Alternative. Was du tun musst:

Zivildiensterklärung abgeben

Innerhalb von 6 Monaten nach der Tauglichkeitsfeststellung musst du die Zivildiensterklärung schriftlich abgeben. Spätestens drei Tage vor einem Einberufungsbefehl. Die Erklärung lautet im Kern: „Ich kann aus Gewissensgründen die Wehrpflicht nicht erfüllen.“ Eine Begründung im Detail ist nicht nötig – das Gewissen ist dein Recht.

Achtung: Wer die Frist verstreichen lässt, kann eingezogen werden, bevor er den Wechsel beantragt hat. Frühzeitig handeln zahlt sich aus.

Feststellungsbescheid

Vier bis sechs Wochen nach der Erklärung bekommst du einen Feststellungsbescheid mit deiner Zivildienstzahl. Diese Nummer brauchst du für alle weiteren Schritte – gut aufbewahren.

Stellensuche

Den Zivildienstplatz suchst du dir selbst. Klassische Einsatzbereiche: Rettungsdienst (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter, Malteser), Sozialeinrichtungen (Caritas, Diakonie, Hilfswerk), Behindertenhilfe, Pflegeheime, Krankenhäuser, Hospizdienste, Jugendarbeit. Eine Übersicht findest du auf zivildienst.gv.at.

Bewirb dich mindestens 4 Monate vor deinem geplanten Antritt direkt bei der Wunscheinrichtung. Die Einrichtungen wählen aus, manche sind sehr begehrt (Rotes Kreuz Wien, manche Behindertenhilfen) und haben lange Wartelisten. Zweitwunsch und Drittwunsch im Hinterkopf zu haben, ist klug.

Zuweisungsbescheid und Antritt

Wenn deine Bewerbung angenommen wurde, bekommst du etwa 4 bis 6 Wochen vor Beginn den Zuweisungsbescheid. Dann beginnst du deine 9 Monate Zivildienst am Stück. Das Entgelt ist niedrig (rund 460 € pro Monat plus Unterkunft, Verpflegung und manchmal Wohngeld), aber Krankenversicherung und Pensionsbeiträge laufen weiter.

Was du beim Stellungstermin nicht tun solltest

  • Lügen. Erfundene Krankheiten oder Symptome werden bei den Tests aufgedeckt und können Konsequenzen haben – bis hin zu Anzeigen wegen Wehrpflichtbetrugs
  • Drogen vorher konsumieren. Der Drogentest wird routinemäßig gemacht. Cannabis-Konsum führt nicht automatisch zur Untauglichkeit, aber löst meist ein vertiefendes Gespräch aus, das du dir ersparen kannst
  • Pyramidenscheme „Untauglich-Hacks“ glauben. Im Internet kursieren Anleitungen, wie man bei der Stellung absichtlich „untauglich“ wird. Das funktioniert in der Regel nicht und kann strafrechtliche Folgen haben
  • Spät kommen. Wer ohne triftigen Grund zu spät kommt oder den Termin nicht wahrnimmt, riskiert eine Verwaltungsstrafe
  • Den Termin als Quälerei betrachten. Die Stellung ist eine medizinische Untersuchung im großen Stil. Viele berichten hinterher, dass es wertvoll war, einmal eine vollständige Diagnostik gemacht zu haben – manche entdecken Dinge an sich, die sie sonst nie überprüft hätten

Was du beim Stellungstermin tun solltest

  • Ehrlich antworten. Auch in den psychologischen Befragungen. Es geht nicht darum, dich „besser“ darzustellen, sondern um die richtige Verwendung
  • Vorerkrankungen mit Befunden belegen. Wer chronische Erkrankungen hat, sollte aktuelle ärztliche Befunde mitbringen. Das beschleunigt die Einstufung
  • Fragen stellen. Im Beratungsgespräch am Ende kannst du Fragen zum Wehrdienst, zu möglichen Funktionen, zur Berufsoffizier-Laufbahn stellen
  • Mit den Mitstellungspflichtigen reden. Du bist nicht allein – mit dir machen das hunderte andere. Austausch hilft, die Anspannung zu nehmen
  • Schlafen. Vor dem ersten Tag besser nicht durchfeiern – bei Müdigkeit fallen Reaktionstest und Konzentrationsproben schlechter aus

Spezielle Funktionen im Bundesheer – mehr als nur Schießen

Wer das Wort „Bundesheer“ hört, denkt automatisch an Felduniform und Marschieren. Tatsächlich braucht das Heer Hunderte unterschiedliche Funktionen – vom Sanitäter bis zum Cybersecurity-Analysten. Welche du bekommst, hängt von deiner Tauglichkeitsstufe, deiner Vorbildung und freien Plätzen ab. Eine kleine Auswahl:

  • Sanitäter:in: Medizinische Grundausbildung, oft als Ausbildung zum Rettungssanitäter abrechenbar – das spart später Zeit, wenn du im Rettungsdienst arbeiten willst
  • Pioniere: Bauen Brücken, sprengen Hindernisse, Katastrophenhilfe. Praktische Ausbildung mit Maschinenbau-Bezug
  • Militärmusik: Wer ein Instrument spielen kann, hat eine ganz andere Wehrdienst-Erfahrung. Auditions sind Standard
  • IKT (Informations- und Kommunikationstechnik): Netzwerke, Funkanlagen, IT-Support. Für Tech-Affine sehr interessant
  • Cyber-Defense: Eine relativ junge Sparte mit Bezug zu IT-Sicherheit. Wer programmieren kann, kommt manchmal hier hin
  • Heeresfliegerei: Bodencrew bei Hubschraubern oder Flugzeugen. Für Pilotenausbildung gibt es separate Aufnahmeverfahren
  • ABC-Abwehr: Schutz vor atomaren, biologischen, chemischen Bedrohungen. Spezialwissen, das im zivilen Leben selten ist
  • Militärpolizei: Kriminalitätsbekämpfung im Heer, Wachfunktionen
  • Berittene Truppe (Garde): Repräsentation, Wachdienst Hofburg, Staatsbesuche. Stark visualisierte, prestigeträchtige Funktion

Wer schon vor der Stellung weiß, wo er hin möchte, kann das im Beratungsgespräch ansprechen. Erfüllt wird der Wunsch nicht immer, aber gehört wird er.

Frauen im Bundesheer – die freiwillige Variante

Frauen sind in Österreich nicht stellungspflichtig, können sich aber freiwillig melden. Der Weg läuft anders: Du bewirbst dich beim Bundesheer, durchläufst eine Aufnahmeprüfung (ähnlich der Stellung, plus zusätzliche körperliche Tests) und entscheidest dich entweder für den freiwilligen Wehrdienst (6 Monate, gleiches Konzept wie männlicher Grundwehrdienst) oder direkt für eine Berufslaufbahn als Soldatin oder Berufsoffizierin.

Die Zahl der Frauen im österreichischen Bundesheer ist seit der Öffnung 1998 stetig gewachsen, liegt aber im einstelligen Prozentbereich. Das Bundesheer wirbt aktiv für mehr Diversität – Karrierechancen sind formal gleichwertig.

Berufsoffizier-Laufbahn – wenn aus dem Pflichtdienst eine Karriere wird

Manche entdecken im Wehrdienst, dass die Strukturen, die Verantwortung und das Sozialgefüge etwas für sie sind. Wer eine Berufsoffizier-Karriere anstrebt, geht meist über die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt – das einzige Ausbildungsinstitut für Berufsoffizier:innen in Österreich. Dort dauert die Ausbildung 3 Jahre und schließt mit einem Bachelor in Militärwissenschaften ab.

Voraussetzungen: Matura oder Berufsreifeprüfung, Tauglichkeit hoch eingestuft, körperliche Eignung in einem zusätzlichen Aufnahmeverfahren. Das Berufsoffizier-Gehalt liegt deutlich über dem Durchschnitt für 25-Jährige in zivilen Bereichen, dafür ist der Dienst körperlich und mental fordernder als die meisten zivilen Berufe.

Tipps für die psychologischen Tests

Viele junge Männer machen sich vor dem psychologischen Teil mehr Sorgen als vor den medizinischen Untersuchungen. Was hilft:

  • Schlaf vor dem Termin. Konzentration und Reaktionsschnelligkeit fallen müde deutlich schlechter aus
  • Frühstücke. Glukose im Blut macht den Kopf wach. Wer ohne Frühstück hin geht, ist im Test schwächer
  • Bei Logiktests: Tempo halten, Reihenfolge nicht überspringen. Zu viel Zeit für eine schwierige Frage kostet später
  • Bei Persönlichkeitsfragebögen: ehrlich antworten. Die Tests haben Konsistenzprüfungen – wer versucht, eine bestimmte „erwünschte“ Persönlichkeit zu spielen, fällt auf
  • Im Interview: Pausen nicht hektisch füllen. Eine kurze Bedenkzeit vor einer Antwort wirkt überlegter als sofortige Plappereien
  • Sei nicht überrascht, wenn nach Drogen oder psychischen Belastungen gefragt wird. Standardprogramm. Ehrliche Antworten führen meist zu vertiefenden Gesprächen, nicht zu Sanktionen

Was, wenn ich überhaupt nicht will?

Die rechtliche Lage in Österreich: Du musst entweder Grundwehrdienst (6 Monate) oder Zivildienst (9 Monate) leisten. Eine vollständige Verweigerung beider ist nicht ohne weiteres möglich und kann zu Strafverfahren wegen Wehrpflichtbetrugs oder Wehrdienstverweigerung führen.

Wer aus Gewissensgründen kein Wehrdienst leisten will, geht den legalen Weg über die Zivildiensterklärung. Wer aus politischen, religiösen oder anderen Gründen beides ablehnt, hat in Österreich praktisch keinen legalen Weg ohne Konsequenzen. Manche junge Menschen umgehen das durch dauerhafte Auslandsaufenthalte (was eigene Probleme mit sich bringt). Andere lassen sich auf die Strafe ein.

Wenn du tatsächlich überzeugte Pazifistin bist, ist Zivildienst der vom Gesetz vorgesehene Weg – viele berichten, dass die Arbeit im Sozial- oder Rettungsbereich sie deutlich mehr geprägt hat als ein Wehrdienst es getan hätte.

Was nach der Stellung kommt

Wenn du tauglich oder teiltauglich bist und keinen Zivildienst gewählt hast, bekommst du einen Einberufungsbefehl – meist 3 bis 18 Monate nach der Stellung. Du kannst Wunschtermine angeben (Antrittsmonat, Standort), die werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Wer studieren oder eine Lehre fortführen will, kann einen Aufschub beantragen, der je nach Begründung 1 bis 5 Jahre umfassen kann.

Beim Antritt kommen die ersten Wochen Grundausbildung – Drill, Schießen, Marsch, militärische Grundlagen. Danach geht es in die jeweilige Funktion. Mehr Erfahrungsberichte und Vergleiche zwischen Wehr- und Zivildienst findest du in unserem Artikel Zivildienst vs. Bundesheer – Erfahrungsberichte junger Österreicher.

Es ist eine Pflicht – aber kein Schicksal

Stellung und der darauf folgende Wehrdienst oder Zivildienst sind ein staatlicher Eingriff in dein Leben, den du nicht freiwillig wählst. Aber sie sind auch eine Erfahrung. Viele berichten Jahre später, dass sie aus dem Heer Disziplin, ein Netzwerk und eine ehrliche Selbsteinschätzung mitgenommen haben. Aus dem Zivildienst nehmen viele eine veränderte Sicht auf Sozialarbeit, Hilfsbedürftigkeit und gesellschaftliche Verantwortung mit. Beide Wege haben Wert, beide haben Schwächen.

Was du beeinflussen kannst: Wann und wo du den Dienst leistest. Was du nicht beeinflussen kannst: Dass es ihn gibt. Mach das Beste daraus.

Mehr zu verwandten Themen: Zivildienst vs. Bundesheer, Welche Ausbildung passt zu mir, Gap Year oder gleich durchstarten.

FAQ – die häufigsten Fragen

Was passiert, wenn ich krank bin am Stellungstermin? Bei Krankheit (mit ärztlicher Bestätigung) bekommst du einen neuen Termin. Wer ohne Begründung fehlt, riskiert eine Verwaltungsstrafe und einen Zwangstermin.

Kann ich den Stellungstermin verschieben? In begründeten Fällen ja – etwa Maturatermine, Auslandsaufenthalt mit nachweisbarer Verpflichtung. Antrag beim zuständigen Militärkommando, frühzeitig.

Bekomme ich für die Stellung Geld? Du bekommst keine Vergütung für die Zeit, aber die Reisekosten werden ersetzt (deshalb die Bankverbindung). Verpflegung und Unterkunft sind kostenlos.

Was, wenn ich in der Schule oder Lehre bin und einberufen werde? Du kannst Aufschub beantragen. Schule, Lehre und Studium sind anerkannte Aufschubgründe, allerdings nicht zeitlich unbegrenzt. Die Wirtschaftskammer hat ein Merkblatt zu Bundesheer und Lehre, das die wichtigsten Punkte für Lehrlinge zusammenfasst.

Verändert ein Wehrdienst meine Berufsaussichten? Direkt selten – Arbeitgeber fragen meist nicht danach. Indirekt manchmal: Wer Sanitäter, IT-Spezialist oder Fahrer im Bundesheer war, hat Qualifikationen, die zivil verwertbar sind. Manche Berufsoffizier-Karrieren öffnen Türen in Sicherheitsbranchen, IT-Security oder bei Behörden.

Was ist mit dem Reformvorhaben „Berufsheer“? Bei der Volksbefragung 2013 stimmten rund 60 % für die Beibehaltung der Wehrpflicht. Seitdem ist das Thema politisch eher ruhig – eine Abschaffung der Wehrpflicht steht aktuell nicht zur Debatte.