Selbstständig mit 18 – Gründen als Jugendlicher in Österreich

Du hast eine Geschäftsidee, die dich nicht mehr loslässt. Vielleicht designst du T-Shirts, programmierst Apps, bietest Nachhilfe an oder willst einen Online-Shop starten. Du bist motiviert, du bist bereit – aber du bist noch nicht 18. Geht das überhaupt? Und wenn ja, wie?

Gründen als Jugendlicher in Österreich ist möglich – aber es gibt Regeln, die du kennen musst. Dieser umfassende Artikel erklärt dir alles: von der Rechtslage über die Gewerbeanmeldung, die verschiedenen Rechtsformen bis hin zu praktischen Tipps für deinen Start in die Selbstständigkeit. Egal ob du mit 16 einen Nebenverdienst aufbauen oder mit 18 voll durchstarten willst – hier findest du alle Informationen, die du brauchst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Volle Geschäftsfähigkeit und Gewerbeberechtigung gibt es in Österreich ab 18 Jahren
  • Unter 18 ist Gründen mit Zustimmung der Eltern und Genehmigung des Familiengerichts möglich
  • Freie Gewerbe brauchen keinen Befähigungsnachweis – reglementierte schon
  • Die Ausbildungspflicht bis 18 muss parallel erfüllt werden
  • Die Kleinunternehmerregelung befreit bei unter 35.000 Euro Umsatz von der Umsatzsteuer
  • Das NeuFöG befreit Neugründer von vielen Gebühren und Abgaben

Die Rechtslage in Österreich – wer darf was?

In Österreich ist die Geschäftsfähigkeit an das Alter geknüpft. Die WKO unterscheidet vier Altersstufen:

  • Unter 7 Jahre (Kinder): Keine Geschäftsfähigkeit – Kinder können keine rechtswirksamen Verträge abschließen
  • 7 bis 14 Jahre (unmündige Minderjährige): Sehr eingeschränkte Geschäftsfähigkeit – nur altersgemäße kleine Geschäfte des täglichen Lebens (zum Beispiel der Kauf einer Jause)
  • 14 bis 18 Jahre (mündige Minderjährige): Erweiterte Geschäftsfähigkeit – kann Verträge schließen, die keine großen finanziellen Verpflichtungen mit sich bringen. Darf über selbst verdientes Geld und Taschengeld frei verfügen
  • Ab 18 Jahre (Volljährige): Volle Geschäftsfähigkeit – kann ohne Einschränkungen Verträge schließen, Gewerbe anmelden und unternehmerisch tätig werden

Für die Gewerbeanmeldung bedeutet das konkret: Ab dem 18. Lebensjahr kann man ohne besondere Genehmigungen eine eigene Firma gründen. Aber es gibt Wege, auch früher loszulegen – mit etwas mehr Aufwand.

Gründen unter 18 – so geht es trotzdem

Auch wenn du noch nicht volljährig bist, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen ein Gewerbe anmelden. Du brauchst dafür:

  1. Zustimmung der Eltern (beziehungsweise der gesetzlichen Vertreter) – sie müssen schriftlich zustimmen, dass du unternehmerisch tätig wirst. Das ist nicht nur eine Formalität, sondern bedeutet auch, dass deine Eltern eine gewisse Mitverantwortung übernehmen
  2. Genehmigung des Familiengerichts – das Gericht prüft, ob du die erforderlichen Fähigkeiten und die nötige Reife mitbringst und ob die Selbstständigkeit in deinem Interesse ist. Du musst einen Antrag stellen und deine Geschäftsidee überzeugend darlegen

Das klingt bürokratisch, ist aber machbar. Besonders wenn du eine klare Geschäftsidee hast, einen groben Businessplan vorlegen kannst und zeigst, dass du weißt, was du tust. Das Gericht will sicherstellen, dass du dich nicht finanziell ruinierst – es will dich nicht davon abhalten, unternehmerisch aktiv zu werden.

Vorgründungsphase nutzen

Selbst ohne formale Gewerbeanmeldung kannst du als Jugendlicher schon einiges tun, um dich auf eine spätere Gründung vorzubereiten:

  • Entwickle deine Geschäftsidee und teste sie im kleinen Rahmen
  • Baue deine Skills auf – Programmieren, Design, Marketing, Buchhaltung
  • Erstelle einen Businessplan, auch wenn er erstmal nur für dich ist
  • Knüpfe Kontakte zu anderen Gründern und zu potenziellen Kunden
  • Nutze Schulprojekte und Wettbewerbe wie den Jugend Innovativ Award
  • Eröffne ein Sparkonto für dein zukünftiges Startkapital

Arten von Gewerbe in Österreich

Bevor du loslegst, musst du wissen, welche Art von Gewerbe du anmelden willst. Die Gewerbeordnung unterscheidet in Österreich grundsätzlich zwei Arten:

Freies Gewerbe

Für freie Gewerbe brauchst du keinen Befähigungsnachweis – du meldest einfach an und legst los. Es gibt in Österreich über 440 verschiedene freie Gewerbe. Beispiele, die für junge Gründer besonders relevant sind: Webdesign, Grafikdesign, Online-Handel, Nachhilfe, Texterstellung, Social-Media-Betreuung, Werbeagentur, Marktforschung oder IT-Dienstleistungen. Viele der typischen Geschäftsideen von jungen Gründern fallen in diese Kategorie.

Reglementiertes Gewerbe

Für reglementierte Gewerbe brauchst du einen speziellen Befähigungsnachweis – zum Beispiel eine Meisterprüfung, eine bestimmte Ausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung. Beispiele: Elektriker, Tischler, Gastgewerbe, Immobilienmakler, Versicherungsvermittler. Wenn du ein reglementiertes Gewerbe ausüben willst, musst du erst die entsprechende Qualifikation erwerben.

Neue Selbstständige und Freiberufler

Nicht jede Tätigkeit erfordert ein Gewerbe. Manche Tätigkeiten gelten als „neue Selbstständige“ oder freiberufliche Arbeit. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Künstlerische Tätigkeiten (Fotografie, Illustration, Musik, Schreiben)
  • Vortragende und Lehrende
  • Wissenschaftliche Tätigkeiten
  • Bestimmte Beratungsleistungen

In diesen Fällen meldest du dich beim Finanzamt an und bekommst eine Steuernummer – ohne Gewerbeschein. Allerdings gelten auch hier die Regeln zur Geschäftsfähigkeit bei Minderjährigkeit.

Schritt-für-Schritt: So meldest du ein Gewerbe an

  1. Geschäftsidee klären: Was genau willst du anbieten? Welches Gewerbe brauchst du dafür? Prüfe in der Gewerbeordnung, ob deine Tätigkeit ein freies oder reglementiertes Gewerbe ist
  2. Beratung holen: Die WKO bietet kostenlose Gründerberatung an. Nutze sie unbedingt! Die Berater kennen alle Details und können dich individuell beraten
  3. Businessplan erstellen: Auch wenn kein formaler Businessplan verlangt wird – erstelle einen. Er hilft dir, deine Idee zu durchdenken und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen
  4. Zustimmung der Eltern einholen (bei Minderjährigkeit) – lasse sie deine Pläne unterschreiben
  5. Gerichtsgenehmigung beantragen (bei Minderjährigkeit) – stelle einen Antrag beim zuständigen Familiengericht
  6. Gewerbeanmeldung: Beim zuständigen Magistrat oder der Bezirkshauptmannschaft. Du kannst das auch online über das Unternehmensserviceportal (USP) erledigen
  7. Finanzamt: Steuernummer beantragen. Das Finanzamt wird sich nach der Gewerbeanmeldung automatisch bei dir melden
  8. Sozialversicherung: Anmeldung bei der SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) – das geschieht in der Regel ebenfalls automatisch

Das NeuFöG – Gebührenbefreiung für Neugründer

Eine tolle Nachricht für alle Neugründer: Das Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG) befreit dich von vielen Kosten, die normalerweise bei einer Firmengründung anfallen. Konkret:

  • Befreiung von Stempelgebühren und Verwaltungsabgaben, die direkt mit der Gründung zusammenhängen
  • Befreiung von Gerichtsgebühren für Firmenbucheintragungen
  • Befreiung von Grunderwerbsteuer bei Einbringung von Immobilien in neue Unternehmen
  • Befreiung von Lohnnebenkosten (circa 6 Prozent) für die ersten 36 Monate, wenn du Mitarbeiter einstellst

Voraussetzung: Du darfst in den letzten fünf Jahren keine vergleichbare selbstständige Tätigkeit in Österreich oder im Ausland ausgeübt haben. Die NeuFöG-Erklärung bekommst du bei der WKO-Gründerberatung.

Ausbildungspflicht beachten!

Wichtig für alle unter 18: In Österreich gilt die Ausbildungspflicht bis zum 18. Lebensjahr. Das heißt, eine selbstständige Tätigkeit darf nur neben einer Ausbildung (Schule, Lehre, Studium) stattfinden. Du darfst dich nicht aus der Ausbildung zurückziehen, um dich Vollzeit der Selbstständigkeit zu widmen.

Das bedeutet in der Praxis: Zeitmanagement wird zur Schlüsselkompetenz. Du musst Schule, Hausaufgaben und unternehmerische Tätigkeit unter einen Hut bringen. Das ist anspruchsvoll, aber machbar – viele erfolgreiche Unternehmer haben genau so angefangen.

Welche Ausbildungsoptionen du hast, erfährst du in unserem Artikel Welche Ausbildung passt zu mir – Lehre, Matura oder Studium?

Geschäftsideen für junge Gründer

Du weißt nicht, was du anbieten könntest? Hier sind Ideen, die besonders gut für junge Gründer geeignet sind – weil sie wenig Startkapital erfordern, als freies Gewerbe angemeldet werden können und sich gut neben der Ausbildung betreiben lassen:

Digitale Dienstleistungen

  • Webdesign und Webentwicklung: Wenn du coden oder mit WordPress umgehen kannst, gibt es endlose Aufträge. Kleine Unternehmen und Vereine brauchen oft günstige Websites
  • Social-Media-Management: Viele kleine Unternehmen haben weder Zeit noch Know-how für Instagram, TikTok und Co. Du kannst das für sie übernehmen
  • Grafikdesign: Logos, Flyer, Social-Media-Grafiken, Visitenkarten für lokale Unternehmen
  • Content Creation: Texte schreiben, Videos produzieren, Podcasts erstellen
  • App-Entwicklung: Eine App-Idee? Entwickle sie und bring sie in den App Store

Handel und Produkte

  • Online-Shop: Eigene Produkte (Kunst, Mode, Handgemachtes) oder Dropshipping. Plattformen wie Etsy oder Shopify machen den Einstieg einfach
  • Print-on-Demand: T-Shirts, Hoodies oder Tassen mit deinen Designs verkaufen, ohne Lager oder Vorfinanzierung
  • Reselling: Produkte günstig einkaufen und auf Plattformen wie Willhaben oder eBay mit Gewinn verkaufen

Persönliche Dienstleistungen

  • Nachhilfe: Besonders in Mathe, Deutsch und Englisch immer gefragt. Online-Nachhilfe erweitert deinen Radius enorm
  • Fotografie: Events, Portraits, Produktfotografie für lokale Unternehmen
  • Musikunterricht: Wenn du ein Instrument beherrschst, kannst du Anfängern Unterricht geben
  • Eventorganisation: Geburtstagsfeiern, kleine Firmenfeiern oder Schulevents organisieren

Finanzen und Steuern – die Basics

Kleinunternehmerregelung

Wenn dein Jahresumsatz unter 35.000 Euro (netto) liegt, kannst du die Kleinunternehmerregelung nutzen. Das bedeutet: Du musst keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen und abführen. Das vereinfacht die Buchhaltung enorm und ist für die meisten jungen Gründer der richtige Start. Auf deinen Rechnungen muss dann stehen: „Kleinunternehmer gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG“.

Achtung: Die Kleinunternehmerregelung bedeutet im Umkehrschluss, dass du keine Vorsteuer abziehen kannst. Wenn du große Investitionen planst, kann es sich lohnen, auf die Regelung zu verzichten – lass dich dazu beraten.

Einkommensteuer

Auf deinen Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben) zahlst du Einkommensteuer. In Österreich gibt es einen Grundfreibetrag von 12.816 Euro (Stand 2024) – erst wenn dein Jahresgewinn diesen Betrag übersteigt, wird Einkommensteuer fällig. Darüber beginnt der Eingangs-Steuersatz bei 20 Prozent. Als Schüler oder Student wirst du in den meisten Fällen unter diesem Freibetrag bleiben.

Sozialversicherung

Als Selbstständiger bist du bei der SVS pflichtversichert. Die Beiträge werden quartalsweise vorgeschrieben und richten sich nach deinem Einkommen. In den ersten drei Jahren gibt es vergünstigte Beiträge für Neugründer. Wenn dein Gewinn unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt, kannst du dich unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflichtversicherung befreien lassen.

Buchhaltung

Als Kleinunternehmer reicht eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Bewahre alle Belege auf und dokumentiere jede Einnahme und jede Ausgabe. Am besten nutzt du eine einfache Buchhaltungssoftware oder zumindest eine strukturierte Excel-Tabelle. Wichtig: Geschäftskonto und Privatkonto solltest du von Anfang an trennen.

Wenn du mehr über Geld und Finanzen wissen willst, lies auch unseren Artikel Sparen oder Investieren – Geldwissen einfach erklärt.

Typische Fehler junger Gründer

  • Keine Planung: Einfach loslegen ohne Businessplan. Selbst ein simpler Plan mit Zielgruppe, Angebot, Preiskalkulation und grober Finanzplanung hilft enorm und verhindert böse Überraschungen
  • Steuern vergessen: Wer nicht von Anfang an seine Einnahmen und Ausgaben dokumentiert, hat später Probleme. Das Finanzamt verzeiht keine Nachlässigkeit
  • Zu niedrige Preise: Viele junge Gründer trauen sich nicht, angemessene Preise zu verlangen. Kalkuliere realistisch: Vergiss nicht Steuern, Sozialversicherung, Material und deine Zeit
  • Zu viel zu schnell: Fang klein an. Du musst nicht sofort ein Büro mieten, teure Software kaufen oder Mitarbeiter einstellen. Wachse organisch
  • Keine Beratung holen: Die WKO-Gründerberatung ist kostenlos. Nutze sie! Auch Steuerberater bieten oft günstige Erstberatungen für Gründer an
  • Schule oder Ausbildung vernachlässigen: Selbstständigkeit neben der Ausbildung erfordert gutes Zeitmanagement. Plane feste Arbeitszeiten für dein Business ein und halte dich daran
  • Keine Verträge: Auch unter Freunden oder bei kleinen Aufträgen – halte alles schriftlich fest. Das schützt beide Seiten
  • Kein Marketing: Das beste Produkt nützt nichts, wenn niemand davon erfährt. Nutze Social Media, Mundpropaganda und lokale Netzwerke

Erfolgsgeschichten junger Gründer aus Österreich

Österreich hat eine lebendige Gründerszene, und einige der erfolgreichsten Unternehmer des Landes haben jung angefangen. Lass dich inspirieren:

  • Viele erfolgreiche österreichische Start-ups wurden von Menschen gegründet, die noch während des Studiums ihre erste Geschäftsidee verwirklicht haben
  • Schülerfirmen und Übungsfirmen an HAKs sind ein bewährter Einstieg in unternehmerisches Denken
  • Wettbewerbe wie Jugend Innovativ, Changemaker oder der WKO Jungunternehmerpreis bieten jungen Gründern eine Bühne und wertvolle Kontakte

Netzwerk und Unterstützung

Alleine gründen ist schwer. Nutze die zahlreichen Unterstützungsangebote, die es in Österreich gibt:

  • WKO Gründerservice: wko.at – Gründung – kostenlose Beratung, Workshops, Webinare und Checklisten für Gründer aller Altersgruppen
  • Junge Wirtschaft: jungewirtschaft.at – Netzwerk und Unterstützung für junge Unternehmer zwischen 18 und 40 mit rund 130.000 Mitgliedern
  • Jugendportal: jugendportal.at – Arbeit und Beruf – Informationen speziell für junge Menschen
  • Startup-Inkubatoren: In Österreich gibt es zahlreiche Inkubatoren und Acceleratoren, die junge Gründer unterstützen, zum Beispiel das Impact Hub Vienna, das StartUpLab der TU Wien oder der Science Park Graz
  • Entrepreneurship-Ausbildungen: Viele Fachhochschulen und Universitäten bieten Studiengänge oder Schwerpunkte in Entrepreneurship an

Die Rechtsform – was passt zu dir?

Wenn du ab 18 gründest, stellt sich die Frage nach der Rechtsform. Für den Anfang gibt es zwei Hauptoptionen:

Einzelunternehmen

Die einfachste und häufigste Rechtsform für Gründer. Du bist Inhaber, triffst alle Entscheidungen selbst und haftest mit deinem Privatvermögen. Vorteile: Keine Mindesteinlage, einfache Gründung, geringe laufende Kosten. Nachteile: Persönliche Haftung, keine Trennung zwischen privat und geschäftlich. Für den Start ist das Einzelunternehmen in den meisten Fällen die richtige Wahl.

GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)

Bei einer GmbH haftest du nur mit deinem Gesellschaftsanteil, nicht mit deinem Privatvermögen. Allerdings brauchst du ein Stammkapital von mindestens 10.000 Euro (bei der „gründungsprivilegierten GmbH“ zunächst nur 5.000 Euro) und die Gründung ist aufwändiger und teurer. Eine GmbH lohnt sich in der Regel erst, wenn dein Geschäft größer wird und du das Haftungsrisiko begrenzen willst.

Versicherung und Haftung – was du wissen musst

Als Selbstständiger bist du für viele Dinge verantwortlich, die als Angestellter dein Arbeitgeber übernimmt. Das Thema Versicherung ist dabei besonders wichtig:

Pflichtversicherung bei der SVS

Als Gewerbetreibender bist du bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) pflichtversichert. Die Beiträge decken Krankenversicherung, Pensionsversicherung und Unfallversicherung ab. Die Beiträge werden quartalsweise vorgeschrieben und richten sich nach deinem Einkommen. In den ersten beiden Kalenderjahren werden vorläufige Mindestbeiträge vorgeschrieben, die nach Vorliegen des Steuerbescheids nachberechnet werden.

Berufshaftpflichtversicherung

Je nach Branche kann eine Berufshaftpflichtversicherung sinnvoll oder sogar vorgeschrieben sein. Wenn du zum Beispiel als Webdesigner eine fehlerhafte Website erstellst oder als Fotograf ein Event vermasselst, können Schadensersatzforderungen auf dich zukommen. Eine Haftpflichtversicherung schützt dich vor solchen Risiken.

Weitere wichtige Versicherungen

  • Betriebsunterbrechungsversicherung: Schützt dich, wenn du wegen Krankheit oder Unfall nicht arbeiten kannst
  • Rechtsschutzversicherung: Hilfreich bei rechtlichen Auseinandersetzungen mit Kunden oder Geschäftspartnern
  • Elektronikversicherung: Wenn du teure Geräte wie Laptops oder Kameras für dein Geschäft nutzt

Online-Präsenz aufbauen – Marketing für junge Gründer

Das beste Produkt oder die beste Dienstleistung nützt nichts, wenn niemand davon erfährt. Gerade als junger Gründer hast du einen großen Vorteil: Du verstehst Social Media und digitale Kommunikation intuitiv. Nutze das!

Kostenlose Marketingstrategien

  • Social Media: Instagram, TikTok und LinkedIn sind kostenlose Plattformen, auf denen du dein Angebot präsentieren kannst. Poste regelmäßig, zeige deine Arbeit und interagiere mit deiner Zielgruppe
  • Website: Eine einfache Website mit Kontaktdaten, Angebot und Portfolio wirkt professionell und ist über Baukastensysteme günstig oder sogar kostenlos möglich
  • Mundpropaganda: Unterschätze nie die Kraft von Empfehlungen. Bitte zufriedene Kunden um Bewertungen und Weiterempfehlungen
  • Lokale Netzwerke: Besuche Gründertreffen, Meetups und Events in deiner Region. Persönliche Kontakte sind oft mehr wert als jede Werbung
  • Content Marketing: Teile dein Wissen in einem Blog, in Videos oder auf Social Media. Das positioniert dich als Experten und zieht Kunden an

Kundengewinnung und erste Aufträge

Die ersten Kunden zu gewinnen ist die größte Herausforderung. Ein paar bewährte Strategien für den Start:

  • Biete Freunden und Bekannten deine Dienstleistung vergünstigt oder kostenlos an – im Tausch gegen eine ehrliche Bewertung und Empfehlung
  • Erstelle ein Portfolio mit deinen besten Arbeiten, auch wenn es noch klein ist
  • Nutze Plattformen wie Fiverr, Upwork oder im deutschsprachigen Raum Freelancermap für erste Aufträge
  • Kontaktiere lokale Unternehmen direkt und biete ihnen deine Dienste an – viele kleine Betriebe suchen genau das, was junge Gründer bieten können
  • Nutze Schul- oder Uni-Projekte als Referenzen und Gesprächsöffner

Zeitmanagement – Schule, Gründung und Freizeit unter einen Hut bringen

Eine der größten Herausforderungen für junge Gründer ist das Zeitmanagement. Schule, Hausaufgaben, Lernen, Freunde, Familie und dann noch ein eigenes Business – das ist viel. Aber mit der richtigen Organisation ist es machbar:

  • Feste Arbeitszeiten: Lege dir feste Zeiten für dein Business fest – zum Beispiel abends von 17 bis 19 Uhr oder am Wochenende. Halte dich daran und arbeite in dieser Zeit fokussiert
  • Prioritäten setzen: Nicht alles ist gleich wichtig. Lerne, zwischen dringend und wichtig zu unterscheiden. Die Schule geht immer vor
  • Tools nutzen: Verwende Kalender-Apps, To-Do-Listen oder Projektmanagement-Tools wie Trello oder Notion, um den Überblick zu behalten
  • Nein sagen lernen: Du kannst nicht alles machen. Lerne, Aufträge abzulehnen, wenn du keine Kapazität hast
  • Pausen einplanen: Burnout mit 17 muss nicht sein. Plane bewusst Freizeit und Erholung ein. Dein Business läuft besser, wenn du ausgeruht und motiviert bist

Fazit – Alter ist nur eine Zahl

Ja, die Bürokratie in Österreich macht es jungen Gründern nicht immer leicht. Aber sie macht es möglich. Und die wichtigsten Qualitäten eines erfolgreichen Unternehmers – Kreativität, Motivation, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen – haben nichts mit dem Alter zu tun.

Ob du mit 16 deinen ersten Nachhilfe-Service anbietest, mit 17 einen Online-Shop für deine Designs startest oder mit 18 dein erstes Gewerbe anmeldest: Jede unternehmerische Erfahrung ist wertvoll. Du lernst dabei Dinge, die dir kein Schulbuch beibringen kann: Verantwortung, Selbstorganisation, Kundenkontakt, Verhandlungsgeschick und den Umgang mit Rückschlägen.

Also: Wenn du eine Idee hast, warte nicht. Informiere dich, plane gründlich, hole dir Beratung und leg los. Die beste Zeit zu gründen ist jetzt. Und die Unterstützung, die es in Österreich für junge Gründer gibt, ist besser als in den meisten anderen Ländern. Nutze sie.